Das Arbeiten mit deinen Händen ist gut für dein Gehirn

12. Dezember 2019
Berühren, Fühlen, Formen, Stricken, Gärtnern, Malen... all diese handwerklichen Aufgaben wirken sich positiv auf dein Gehirn aus. Sie machen nicht nur Spaß, sondern produzieren auch Endorphine, die deinen Stress und deine Angst reduzieren.

Das Arbeiten mit deinen Händen ist eine Möglichkeit, um deine geistige Gesundheit zu verbessern. Modellierton, Stricken, Formen, Meißeln, Nähen, Gärtnern und Malen sind unter anderem wunderbare Möglichkeiten, um dein Gehirn zu stimulieren. Darüber hinaus sind diese handwerklichen Tätigkeiten ebenfalls eine großartige Möglichkeit, um Stress abzubauen, die Neuroplastizität zu verbessern und an deinen Fähigkeiten, deiner Konzentration und deiner Ruhe zu arbeiten.

Die Hand-Gehirn-Verbindung ist ein entscheidendes Bündnis für den Menschen. Denn es entsteht eine positive Rückkopplungsschleife, die dir tatsächlich beim Wachsen helfen kann. Dies ist etwas, was wir seit Jahrzehnten, sowohl in der Anthropologie als auch in der Psychologie, gesehen haben. Aus diesem Grund ist es für Kinder so wichtig, handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen und an ihrer Feinmotorik zu arbeiten, da dies gut für ihr Gehirn ist!

Aber wir alle wissen, dass wir, wenn wir erwachsen werden und weniger Zeit zur Verfügung haben, das Wunder dieser manuellen Tätigkeiten vergessen. Wenn es nicht Teil deiner Arbeit ist, gehst du diesen Tätigkeiten wahrscheinlich nicht nach. Tatsächlich haben solche Dinge, wie Telefone und Computer, dazu geführt, dass Menschen immer weniger mit der Hand schreiben.

Es stimmt ebenfalls, dass viele Menschen über die Vorteile von Sport Bescheid wissen, aber die meisten dabei nicht an ihre Hände denken. Sie sind äußerst vielseitig und beweglich und verfügen über ein enormes kreatives Potenzial. Wenn du deine Hände aktiv für jede manuelle Aufgabe verwendest, kann dies auch deine Stimmung verbessern. Lass uns im Folgenden näher darauf eingehen.

Sowohl intellektuelle als auch manuelle Jobs sind in unserem täglichen Leben von wesentlicher Bedeutung.

Das Arbeiten mit deinen Händen: Kreativität und psychische Gesundheit

Wir übertreiben wahrscheinlich nicht, wenn wir sagen, dass wir in unserer Gesellschaft einen Punkt erreicht haben, an dem die Handarbeit an Wert verliert. Bürojobs, Think Tanks, Marketing, Werbung, Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Technologiefirmen… Dies sind alles Karrieremöglichkeiten, bei denen andere Arten von Fähigkeiten Vorrang haben, vor allem auf der intellektuellen Seite.

Aber es gibt auch wichtige Jobs wie den Bau, die Landwirtschaft, die Autoreparatur, Klempner- oder Elektrikerarbeiten, bei denen ein Paar qualifizierter Hände erforderlich ist, um Probleme für den Rest von uns zu lösen und sicherzustellen, dass wir immer eine gute Lebensqualität haben. Was wir damit zu sagen versuchen ist, dass sowohl intellektuelle als auch manuelle Jobs in unserem täglichen Leben von wesentlicher Bedeutung sind.

Wir sollten ebenfalls erwähnen, dass sich in der Neuropsychologie eine sehr interessante Perspektive dazu abzeichnet. Wir müssen diese jüngste Tendenz, die intellektuelle Arbeit über die manuelle Arbeit zu stellen, beseitigen. Denn tatsächlich würde es gegen unsere Natur gehen, die manuellen Aufgaben in unserem täglichen Leben vollständig abzuschaffen.

Das Arbeiten mit deinen Händen kann äußerst gut für dich sein. Die Neurowissenschaftlerin Dr. Kelly Lambert von der University of Richmond erklärt, dass manuelle Tätigkeiten sogar das Risiko einer Depression verringern können.

Das Arbeiten mit deinen Händen und deine psychische Gesundheit

Das Herstellen von Werkzeugen hat es den Menschen ermöglicht, das zu werden, was wir heute sind. Diese Achse aus Auge, Hand und Gehirn ist eine perfekte intellektuelle und emotionale „Konstellation“, die viele Vorteile bieten kann. Warum vernachlässigen wir aber diesen entscheidenden Teil unseres Lebens?

  • Wenn du den ganzen Tag vor deinem Computer sitzt, gilt dies nicht als Arbeit mit deinen Händen. Das Entstopfen eines Abflusses zählt ebenfalls nicht dazu. Wir sprechen von etwas viel Tieferem. Etwas, dass von dir erfordert, dass du deine neuronalen Verbindungen nutzt und deine Neuroplastizität steigerst.
  • Nun fragst du dich wahrscheinlich: „Wie mache ich das?“ – Durch das Erschaffen und die Transformation. Du solltest dich auf einen Prozess einlassen, der zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führt. Alle handwerklichen Tätigkeiten, vom Meißeln, Modellieren von Ton, Stricken, Zeichnen bis hin zum bloßen Pflanzen einer Blume kann einen positiv Effekt auf dein emotionales Leben haben.

Dr. Kelly Lambert sagt dasselbe in ihrem Buch, Lifting Depression: A Neuroscientist’s Hands-On Approach to Activating Your Brain’s Healing Power. Ziel ist es, manuelle Aufgaben zu finden, die die Belohnungszentren deines Gehirns durch kognitive Anstrengung, Konzentration und die Freude, die du an dieser Aufgabe hast, zum Leuchten zu bringen.

Das Arbeiten mit deinen Händen ist einfach ein Katalysator, eine Möglichkeit, die Chemie deines Gehirns zu verändern.

Die Anstrengung, das Schaffen und die Zufriedenheit: Neurochemie, die gegen Depressionen wirkt

Um ganz klar zu sein: Wenn du nur lernst, wie man Ton modelliert, Dinge formt oder strickt, lässt deine Depression nicht nach. Das Arbeiten mit deinen Händen ist einfach ein Katalysator, eine Möglichkeit, die Chemie deines Gehirns zu verändern. Es ist ein Ausgangspunkt, um an einen guten Ort zu gelangen.

In Kombination mit anderen Dingen, wie beispielsweise einer Therapie, kann die handwerkliche Arbeit wirklich erstaunliche Wirkungen haben. Aber lass uns im Folgenden einen genaueren Blick darauf werfen, was das Arbeiten mit deinen Händen für dein Gehirn bewirken kann:

  • Es verändert die Physiologie und die chemische Reaktion deines Gehirns. Wenn du manuelle Aufgaben ausführst, werden Serotonin und Endorphine freigesetzt und gleichzeitig der Cortisolspiegel, das „Stresshormon“, gesenkt.
  • Manuelle Tätigkeiten können auch deine Neuroplastizität verbessern, indem du neue Wege zwischen Neuronen schaffst. Das hilft dir dabei, dein Gehirn länger jung und gesund zu halten.
  • Wie Dr. Robin Hurley von der Baylor University erklärte, können handwerkliche Aufgaben, die für Patienten von Bedeutung sind (Spielen eines Instruments, Malen usw.), sogar dazu beitragen, die Auswirkungen von chronischem Stress zu bewältigen. Es ist daher wichtig, dass sie diesen Tätigkeiten nachgehen, da sie empfänglicher und entspannter sind, wenn sie mit ihrer Depression konfrontiert werden.

Ein letzter Punkt

Bevor wir unseren Artikel abschließen, wollen wir jedoch noch einen weiteren Punkt klären. Nicht alle manuellen Aufgaben sind vorteilhaft. Wenn du beispielsweise in einer Fabrik arbeitest, bietet die ständige Wiederholung der von dir ausgeführten Arbeiten keine Vorteile. Der Schlüssel liegt darin, etwas zu finden, das deine Neugier, deine Leidenschaft und dein Interesse weckt.

Finde daher eine manuelle Aufgabe, die dich befriedigt, pusht und auch entspannt. Versuche, den „Fluss“ zu finden, von dem der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi so viel gesprochen hat. Dies ist der Geisteszustand, in dem die Welt um dich herum stehen bleibt und in dem du völlig auf dich selbst eingestellt und voll in den kreativen Prozess eingebunden bist. Nur wenige Dinge sind so zufriedenstellend, wie diese Art von handwerklichen Tätigkeiten.

  • Heuninckx, S., Wenderoth, L., & Swinnen, S. (2008). Systems Neuroplasticity in the Aging Brain: Recruiting Additional Neural Resources for Successful Motor Performance in Elderly Persons. Journal of Neuroscience, 28 (1) 91-99; DOI: https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.3300-07.2008
  • Kays, Jill L., et al. (2012). The Dynamic Brain: Neuroplasticity and Mental Health. The Journal of Nuropsychiatry and Clinical Neurosciences. https://doi.org/10.1176/appi.neuropsych.12050109
  • Lambert, Kelly (2010) Lifting Depression: A Neuroscientist’s Hands-On Approach to Activating Your Brain’s Healing Power. Basic Books.