Positive Erinnerungen können bei einer Depression helfen

· 27. April 2019

Wenn wir uns an gute Zeiten erinnern, fühlen wir uns gleich besser. Positive Erinnerungen können unser geistiges Wohlbefinden stark beeinflussen. Erinnerungen im Allgemeinen können nicht nur helfen, unsere Emotionen besser zu regulieren, sie können sich auch günstig auf stressinduzierte Leiden auswirken.

Um diesen Effekt zu untersuchen, führte eine Gruppe von Wissenschaftlern ein Experiment an Labormäusen durch. Sie entdeckten, dass die künstliche Aktivierung positiver Erinnerungen stressbedingte Depressionen unterdrücken kann. Schauen wir uns das ein wenig näher an!

Künstlich hervorgerufene positive Erinnerungen

Die bereits erwähnte Studie befasste sich mit der Beziehung zwischen positiven Erinnerungen und Depressionen. Sie wurde in der Fachzeitschrift Nature  veröffentlicht und von Wissenschaftlern der Zentren RIKEN und MIT (Centre for Neural Circuit Genetics in Japan und Massachusetts Institute of Technology in Massachusetts, USA) durchgeführt.

Die Versuche wurden im Labor von Susuma Tonegawa in Japan realisiert, wobei dieser Wissenschaftler an beiden Einrichtungen tätig ist. Für seine Entdeckung der genetischen Grundlagen des Variationsreichtums der Antikörper erhielt er 1987 den Nobelpreis. Aber die Studie, auf die sich dieser Artikel bezieht, hat wenig mit Antikörpern zu tun und beschäftigt sich mit der Frage, ob eine positive Erinnerung eine negative überschreiben kann.

Polaroids mit Urlaubserinnerungen sind auch positive Erinnerungen.

Um diese Frage zu beantworten, fokussierten sich die Forscher auf die Gentechnik. Ihr Ziel war es, genetisch veränderte Mäuse zu züchten, die für die Speicherung von Erinnerungen bestimmte Gedächtnispfade nutzen sollten, die die Forscher nach Bedarf aktivieren konnten. Dazu markierte das Forscherteam entsprechende Nervenzellen mit einem lichtsensitiven Molekül. Im späteren Versuchsablauf konnten die Forscher dieses gezielt an-und ausschalten.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, beobachteten die Wissenschaftler männliche Mäuse, die in weiblicher Gesellschaft waren. Gleichzeitig überwachten sie, welche Gehirnzellen im Hippocampus aktiv waren. Diese, ihre These, speicherten nämlich die positive Erinnerungen der Männer an die ihnen angenehme weibliche Gesellschaft. Anschließend stressten die Wissenschaftler die Nagetiere, um die Mäuse in einen der Depression ähnlichen Zustand zu versetzen. In einem letzten Schritt verwendeten die Forscher dann Licht, um die vorher gesammelten schönen Erinnerungen in den entsprechenden Nervenzellen zu reaktivieren.

Das Speichern positiver Erinnerungen ist unerlässlich

Überraschenderweise konnten die Forscher bei den Mäusen eine Linderung der Symptome, die im Zusammenhang mit der Depression aufgetreten waren, beobachten. Abgesehen davon entdeckten sie, dass zwei andere Gehirnbereiche mit dem Hippocampus zusammenarbeiteten, um positive Erinnerungen zu aktivieren: der Nucleus accumbens und die Amygdala.

Nun wollten die Forscher herausfinden, ob diese Art der „Rückbesinnung auf schöne Erinnerungen“ bei einer Depression zu dauerhaften Umbauten in den Schaltkreisen des Gehirns führen könne. Mit anderen Worten, sie wollten wissen, ob der günstige Effekt auch zu sehen wäre, wenn sie irgendwann das Licht ausschalten würden. Zu diesem Zweck bestrahlten die Wissenschaftler den Hippocampus der Nager über mehrere Tage mit Licht. Sie stellten fest, dass dies einen dauerhaften positiven Effekt auf die Mäuse hatte.

Die Mäuse, die diese Therapie erhielten, wurden damit resistent gegen die negativen Auswirkungen der Stressinduktion. Dies legt in einem weiteren Schluss nahe, dass die Speicherung positiver Erfahrungen im menschlichen Gedächtnis die Stimmung dauerhaft verbessern könne. Diese Speicher könnten also verwendet werden, um den negativen Auswirkungen von Stress vorzubeugen oder sie zu überschreiben. Tatsächlich könnte sich daraus ein neuer Behandlungsansatz der stressinduzierten Depression ergeben.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Die Ergebnisse haben große Bedeutung für die Therapie von Gemütsstörungen wie Depressionen. Darüber hinaus helfen sie auch, die Ursachen von Stress und stressbedingten Symptomen besser zu verstehen.

Eine Frau ist unglücklich, während sie auf einem Stuhl sitzt.

Allerdings verstehen die Wissenschaftler die Wechselwirkung zwischen positiven und negativen Erfahrungen und den entsprechenden Erinnerungen noch nicht sehr gut. Die Studie legt nahe, dass positive Erinnerungen die Symptome stressbedingter Depressionen mildern können. Dennoch erklärten die Forscher, dass es noch zu früh sei, um ihre Resultate in die Klinik zu übertragen. Da sei noch weitere Forschung notwendig.