5 Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression

· 1. November 2018

Viele Begriffe aus der Psychologie werden vom Volksmund gebraucht, aber sie werden nicht immer genau differenziert bzw. angemessen verwendet. Ein klassisches Beispiel dafür ist, dass viele die Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression nicht kennen. So wird das Wort „Depression“ mittlerweile im herkömmlichen Sprachgebrauch verwendet, was manchmal zu Verwirrung führt und sogar zur Folge hat, dass die Depression als Krankheit zugleich stigmatisiert und in Eigenregie überdiagnostiziert wird. Warum?

Eine gewisse Ablehnung gegenüber bestimmten Gemütszuständen wurde ebenfalls gefördert, wie es zum Beispiel bei der Traurigkeit der Fall ist. Deshalb kostet es manche Menschen weniger Überwindung, zu sagen, dass sie depressiv seien, als sich einzugestehen, dass sie traurig sind. Der erste Begriff klingt „medizinischer“, der zweite bezieht sich scheinbar eher auf die menschliche Zerbrechlichkeit.

In Wahrheit ist es aber so, dass es große Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression gibt. Der erste und wichtigste Unterschied ist, dass die Traurigkeit ein Gemütszustand ist, während hingegen eine Depression eine psychische Störung ist und als solche behandelt werden sollte. Deshalb ist es wichtig, diese Konzepte zu differenzieren.

„Deine Emotionen dürfen dich nicht paralysieren. Sie sollten dich nicht außer Kraft setzen. Sie sollten dich nicht davon abhalten, alles zu sein, was du sein kannst.“

Wayne W. Dyer

Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression

1. Dauer der psychischen Zustände – ein entscheidender Faktor

Die Dauer von psychischen Zuständen allein gibt keinen Aufschluss darüber, ob es sich um Traurigkeit oder Depression handelt. Dennoch ist es eine Tatsache, die wir zusammen mit anderen Faktoren als Indikator verwenden können, um herauszufinden, was mit einer Person passiert. Ein Gefühl ist definitionsgemäß von kurzer Dauer.

Einer der großen Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression ist daher, dass erstere eine vorübergehende Empfindung ist, während letztere fast immer chronisch ist – es sei denn, es wird eine angemessene Intervention durchgeführt. Eine Person muss sechs Monate lang Symptome zeigen, damit wir den diagnostischen Kriterien zufolge das Vorhandensein einer Depression annehmen können.

Schlafende Frau umgeben von Uhren

2. Willenslosigkeit

Das Wort Willenslosigkeit beschreibt im Grunde genommen, dass jemand Probleme damit hat, zu handeln, oder dass er nicht handeln will. Wenn jemand traurig ist, fühlt er sich nicht motiviert genug, um manchen Aktivitäten nachzugehen. Er zieht sich vielleicht aus seinem sozialen Leben etwas zurück. fehlt öfter bei der Arbeit oder reduziert andere Aufgaben, die er früher immer erledigt hatte. Trotzdem ist er in all diesen Lebensbereichen immer noch aktiv.

Eine depressive Person hingegen wird von dieser Entmutigung überwältigt. Sie vernachlässigt ihre Verpflichtungen. Auch die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld bringt sie leider nicht weiter. Sie redet oft davon, wie müde oder erschöpft sie sei und reduziert ihre Aktivitäten für relativ lange Zeit auf ein Minimum. Daher zeigt die Depression in klinischer Hinsicht ein Bild, das dem einer Angststörung sehr ähnlich ist.

3. Extreme Isolation

Ein weiterer der Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression spiegelt sich im Grad der Isolation im depressiven Zustand wider. Es ist üblich, dass jemand, der traurig ist, Menschen in seiner Nähe aufsucht, um darüber zu sprechen, wie er sich fühlt. Häufig kommt es vor, dass er bei anderen Trost suchst, auch wenn er sich in gewissem Maße sozial isoliert. Das Gefüge im Einzelfall hängt von seiner Persönlichkeit und den ihm bekannten Bewältigungsstrategien ab.

Bei einer Depression allerdings wird langsam jeglicher Kontakt zu Mitmenschen eingestellt. Eine depressive Person behält ihre Gefühle für sich, und obwohl sie sich nicht wohl damit fühlt, allein zu sein, zieht sie die Einsamkeit vor, anstatt ihre Zeit mit anderen teilen zu müssen. Sie isoliert sich nach und nach immer mehr, auch von den Menschen, die ihr am nächsten stehen.

Frau sitzt deprimiert auf dem Boden
4. Eingeschränktes Handeln

Ein Faktor, der einen der großen Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression ausmacht, ist das eingeschränkte Handeln. Im Falle eines traurigen Menschen verändert seine Stimmung seinen gewohnten Lebensstil nur in geringem Maße. Er mag vielleicht weniger dynamisch oder zurückhaltender sein, aber im Grunde genommen erledigt er alle Aktivitäten, die er an einem normalen Tag angehen würde.

Wenn eine Person aber an einer Depression leidet, verändert sich häufig ihre gewohnte Routine. Es fällt ihr schwer, ihren beruflichen, familiären, sozialen und affektiven Verpflichtungen nachzukommen. Oft werden Ausreden vorgeschoben, um das eigene mangelnde Engagement oder die Tatsache, den eigenen Aufgaben nicht nachkommen zu können, zu vertuschen. Ein depressiver Mensch kann einer „normalen“ Routine nicht standhalten.

Frau in blau gezeichnet mit schwarzem Knoten im Kopf
5. Hoffnungslosigkeit

Ein Mensch kann aus verschiedenen Gründen traurig sein. Fast immer steht eine Traurigkeit im Zusammenhang mit einem Verlust oder einer Konfliktsituation, die sich nicht lösen lässt. Obwohl man emotional leidet, kann man trotzdem lachen, in die Zukunft schauen und Pläne schmieden. Man hat vielleicht momentan keine Antworten auf seine Fragen, aber man weiß ganz genau, dass es ein Morgen gibt, der wieder ein besserer Tag sein kann.

Im Falle der depressiven Person zeichnet sich ihre Perspektive durch Hoffnungslosigkeit aus. Betroffene blicken überaus pessimistisch in die Zukunft. Es besteht weder Interesse an der Zukunft, noch ein Verlangen danach. Sie sehen sich selbst auch nicht in der Zukunft. Wie sollen sie sich auch eine Zukunft vorstellen, wenn ihnen das Leben in der Gegenwart schon so wahnsinnig schwerfällt?

Wie wir sehen können, gibt es bedeutende Unterschiede zwischen Traurigkeit und Depression. Eine Depression muss von einem Experten für psychische Gesundheit diagnostiziert und behandelt werden, da es sich hierbei um eine Störung handelt, die nicht von allein weggehen wird und daher einer speziellen Intervention bedarf.