Anzeichen dafür, dass du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist

Die dysfunktionale Familie ist chaotisch und unberechenbar. Gewalt tritt ohne Grund auf, emotionale Kälte ist eine Konstante, ebenso wie Missbrauch und psychologische Manipulation.
Anzeichen dafür, dass du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologe Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2022

Niemand kann sich den Geburtsort und die Familie aussuchen, wir wissen jedoch auch, dass die Eltern und die Umgebung einen tiefen Einfluss auf unser gesamtes Leben ausüben. Die ersten Lebenserfahrungen sind besonders wichtig. Wenn du in einer dysfunktionalen Familie aufwächst, werden sie auch dein Erwachsenenleben tiefgreifend prägen.

Viele Familien sind “eine Katastrophe”, doch nicht alle Erfahrungen und Dynamiken sind das Ergebnis von Dysfunktionen. Auch im Chaos kann es Liebe und Wohlbefinden geben. Vielleicht haben die Eltern viele Konflikte, die zur Trennung führen, doch dies bedeutet nicht unbedingt, dass sie ihre elterlichen Pflichten vernachlässigen.

Es gibt viele Arten von Familien. Wenn Funktionsstörungen vorliegen, entwickeln sich Konflikte, Vernachlässigung, Missbrauch, Gewalt, Autoritarismus und in vielen Fällen psychische Störungen. Die Unberechenbarkeit verursacht zusätzliches Leid, denn betroffene Kinder oder Jugendliche, wissen meist nicht, was passieren wird. Das Gefühl von Angst und fehlender Kontrolle führt dazu, dass sie ihr Verhalten nicht anpassen können, um Bestrafung oder Missbrauch zu vermeiden. Dies verursacht Dauerstress und weitere Folgen, die sich nicht nur auf die Kindheit begrenzen.

Die dysfunktionale Familie wird fast immer von einer Autoritätsperson regiert, die nicht zögert, ständige Schuldgefühle auf andere zu projizieren.

Anzeichen dafür, dass du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist

8 Anzeichen dafür, dass du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist

In der Regel sind dysfunktionale Familien an einem sehr spezifischen Profil zu erkennen. Oft handelt es sich um ein Paar aus der unteren sozialen Schicht, das kurz vor der Trennung steht. Aber dieses Muster muss nicht immer zutreffend sein. Allen gemeinsam ist die Projektion negativer und schädlicher Dynamiken, die den Familienkern definiert. Oft ergänzen sich die Eltern in dieser missbräuchlichen Dynamik.

Eine Forschungsarbeit der Föderalen Universität Kasan (Russland) sowie andere Studien weisen darauf hin, dass sich diese Dysfunktionalität in psychischen Traumata in der Kindheit niederschlägt. Die Auswirkungen dieser über die Zeit anhaltenden Erfahrungen sind verheerend für die Entwicklung des Kindes.

Andererseits definiert das McGraw-Hill-Wörterbuch der modernen Medizin diese Situationen mit einem hohen Konfliktpotenzial. Diese belastende und unvorhersehbare Dynamik, die von unterschiedlichen Gewaltformen geprägt ist, verletzt jedes Grundbedürfnis des Menschen. Wenn du also in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist, weißt du vermutlich, wovon wir sprechen.

1. Körperliche Gewalt und Drohungen als Hauptkontrollmittel

Drohungen sind eine ständige Zwangsmaßnahme, die oft vermeintlich zur Erziehung von Kindern eingesetzt wird. Die Sprache ist immer gewalttätig, ohne Zuneigung und wird von Schreien beherrscht. In vielen Fällen kommt es sogar bis zu körperlicher Gewalt, Schlagen, Greifen am Arm, Stoßen…

2. In einer dysfunktionalen Familie ist Missbrauch in irgendeiner Form vorhanden

Unter Missbrauch verstehen wir jedes Verhalten, das darauf abzielt, einer verletzlichen oder benachteiligten Person (altersbedingt oder aus anderen Gründen) zu schaden. In einer dysfunktionalen Familie ist die Erziehung nicht nur sehr autoritär. Es kommt auch zu negativen Beurteilungen, Misshandlung, sexuellem Missbrauch usw.

3. Du warst Zeuge eines Familienkonflikts

Dysfunktionale Familien streiten, beleidigen sich, fordern sich heraus… Anschreien und ständige Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern oder anderen Familienmitgliedern stehen auf der Tagesordnung. All diese aggressiven Dynamiken hinterlassen Spuren und markieren auch die Zukunft.

4. Emotionale Entwertung

In einer dysfunktionalen Familie haben die Kinder meist das Gefühl, nicht wichtig zu sein. Sie versuchen, der Situation zu entkommen, indem sie schweigen und Ängste, Traurigkeit und Tränen verschweigen. Betroffene Kinder erleben negative Emotionen praktisch täglich hautnah und verinnerlichen diese.

5. In dysfunktionalen Familien fehlt die Kommunikation

Wenn du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist, wirst du selbst erlebt haben, dass deine Worte und Bedürfnisse nicht wichtig sind. Deine Eltern erwarteten von dir Schweigen als ein Zeichen von guten Manieren, Unterwerfung und Gehorsam. Vielleicht hast du es trotzdem gelegentlich gewagt, deine Meinung zu äußern und wurdest dafür bestraft.

6. Ungleichbehandlung, Diskriminierung

Vorurteile, geschlechtsspezifische Stereotype und alle Arten von Diskriminierung sind in diesem familiären Mikrokosmos häufig zu beobachten. Vielleicht schätzen die Eltern das ältere Geschwister mehr, bevorzugen Jungen oder erziehen Mädchen mit typischen Klischees. Der Vater übernimmt oft das Kommando, während die Mutter im Hintergrund bleibt.

7. In einer dysfunktionalen Familie kommt es zur Isolierung

Diese Daten sind auffallend. Laut einer Studie der Universität Barcelona wird in der dysfunktionalen Familie eine Art elterlicher Terrorismus praktiziert. Die Kinder werden von ihrem sozialen Umfeld isoliert.

Die Familie hat kaum Kontakt zur Großfamilie (Onkel, Großeltern, Cousinen…). Auch die Möglichkeiten, Freundschaften zu schließen und sich mit Gleichaltrigen außerhalb der Schule zu erfreuen, sind begrenzt.

Konflikte in dysfunktionalen Familien

8. Suchterkrankungen oder psychische Störungen, ein gemeinsames Merkmal der Eltern

Wenn du in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen bist, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Elternteil (oder beide) an einer Sucht oder psychischen Störung leidet. Alkoholismus, Drogen, Spielsucht oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung können unter anderem hinter diesen missbräuchlichen Verhaltensweisen stehen.

Es sind Situationen von hoher persönlicher Bedeutung, die alle Mitglieder dieses kleinen sozialen Kerns ermüden. Diese Realitäten zeichnen das Chaos und die Unvorhersehbarkeit nach, von denen wir eingangs gesprochen haben. Betroffene können nicht voraussehen, wie die dysfunktionale Person reagieren wird, alles ist unsicher und gewalttätig zugleich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zugehörigkeit zu diesen Mikrokosmen in der Kindheit und Jugend einen guten Teil der Werte, der psychologischen Aspekte und des emotionalen Universums untergräbt. In diesen Fällen ist es im Erwachsenenalter besonders wichtig, vergangene Traumata zu heilen, um hoffnungsvoll in die Zukunft blicken zu können.

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