Manchmal verwechseln wir Traurigkeit mit Müdigkeit

Manchmal empfinden wir Müdigkeit, die wir auf alltägliche Strapazen zurückführen, obwohl es sich eigentlich um Traurigkeit handelt.
Manchmal verwechseln wir Traurigkeit mit Müdigkeit

Letzte Aktualisierung: 24. November 2021

Manchmal fühlen wir uns verstimmt, in den grauen Alltag eingebettet, leer und bedeutungslos. Wenn wir gefragt werden, was mit uns los ist, sagen wir, dass wir müde sind, mehr nicht. Doch unter dieser formlosen und unvernünftigen Müdigkeit verbirgt sich häufig Traurigkeit, ein aschfahler Freund, der sich unerlaubt in unseren Geist und in unser Herz einnistet, um uns mit Apathie und dem Wunsch nach Alleinsein zu impfen.

Gib es zu: Auch du kennst diese Situation. Wenn zur Müdigkeit auch noch das klebrige, träge und tiefe Gefühl der Traurigkeit hinzukommt, zögerst du vielleicht nicht, dich an “Dr. Google” zu wenden, um mögliche Ursachen zu recherchieren. Sofort tauchen Begriffe wie “Depression“, “Anämie”, “Hypothyreose” usw. auf.

“Die Traurigkeit ist das Los der tiefen Seelen und der starken Intelligenzen.”

Alexandre Vinet

Wenn uns die Traurigkeit ergreift, denken wir sofort, dass sie negativ und krankhaft ist. Wir möchten sie loswerden, so wie man Staub wischt oder einen Teppich klopft. Wir wehren uns gegen diesen Traurigkeit, ohne innezuhalten, um ihre Anatomie zu verstehen und in ihre melancholischen Ecken und Winkel einzudringen, um mehr über uns selbst zu erfahren.

Tatsächlich vergessen wir manchmal, dass Traurigkeit keine Krankheit ist, dass Traurigkeit und Depression nicht dasselbe sind. Solange diese Emotion nicht über einen längeren Zeitraum anhält und unseren Lebensstil nicht ständig beeinträchtigt, haben wir eine gute Möglichkeit, so paradox es auch erscheinen mag, uns vorwärtszubewegen und als Menschen zu wachsen.

Müdigkeit oder Traurigkeit?

Unter der Müdigkeit kann sich etwas anderes verbergen

In manchen Zeiten gehen wir müde zu Bett und stehen müde auf. Wir können zum Arzt gehen, und die Tests werden uns sagen, dass kein hormonelles Ungleichgewicht, kein Eisenmangel und keine andere Krankheit organischen Ursprungs vorliegt. Es ist gut möglich, dass die Ärztin oder der Arzt feststellt, dass es vielleicht der Jahreszeitenwechsel ist, eine kleine Dysthymie, die typisch für den Herbst oder Frühling ist. Dieser vorübergehende Zustand könnte mit einer pharmakologischen Behandlung behoben werden.

Es gibt jedoch emotionale Zustände, die überhaupt keine Hilfe von Arzneimitteln benötigen. Wenn wir jedoch ihre psychosomatischen Auswirkungen auf unseren Körper erleben, ist es normal, in Panik zu geraten und den Fehler zu machen, das Symptom zu behandeln, ohne sich zuerst um den Kern des Problems zu kümmern: die Traurigkeit.

Warum fühlen wir Müdigkeit, wenn wir traurig sind?

Die Gehirnmechanismen, die unsere emotionalen Zustände steuern, sind ganz unterschiedlich. Während Freude oder Überschwänglichkeit eine ganze Reihe von Verbindungen und Hyperaktivität in den verschiedenen Gehirnbereichen auslösen, ist Traurigkeit viel sparsamer und zieht es vor, mit den Ressourcen hauszuhalten. Allerdings tut sie das aus einem ganz bestimmten Grund. Wir gehen anschließend näher darauf ein.

Traurigkeit erzeugt in unserem Organismus einen sehr spürbaren Rückgang der Energie. Außerdem haben wir das Bedürfnis, soziale Beziehungen zu meiden, weil sie uns unangenehm sind, die Geräusche können sogar verletzen, wir fühlen uns durch den Lärm unserer Umgebung gestört und ziehen die Ecke der Einsamkeit vor.

  • Es ist auch interessant zu wissen, dass die Amygdala in unserem Gehirn jetzt die Kontrolle übernimmt, allerdings nur der rechte Teil.
  • Diese kleine Hirnregion ist es, die das Gefühl des Rückzugs, der Untätigkeit und der körperlichen Müdigkeit hervorruft… Diese Energiereduktion hat einen Zweck: Er soll die Selbstbeobachtung fördern.

Ebenso verringern Zustände der Traurigkeit unsere Fähigkeit, all den äußeren Reizen, die uns umgeben, Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür gibt es einen sehr offensichtlichen Grund: Das Gehirn versucht uns zu sagen, dass es Zeit ist, innezuhalten und über bestimmte Aspekte unseres Lebens nachzudenken.

Frau in der Wiese empfindet Müdigkeit

Was dich gelegentliche Traurigkeit lehrt

Die gelegentliche Traurigkeit, die uns für ein paar Tage umarmt und Müdigkeit auslöst, entfernt dich vorübergehend von der Realität. Du solltest das nicht vernachlässigen. Es ist nutzlos die Müdigkeit oder andere Symptome mit Vitaminen zu behandeln, du musst das Problem an der Wurzel packen.

“Ich zögere, diesem unbekannten Gefühl, dessen Wehmut und Süße mich bedrücken, einen Namen zu geben, den schönen, ernsten Namen Trauer.”

Françoise Sagan

Wenn du das nicht tust, wenn du nicht innehältst und die Ursachen suchst, kann sich die Traurigkeit ausbreiten. Deshalb kann es sinnvoll sein, über eine Reihe von Aspekten dieser Emotion nachzudenken.

Frau hinter Blumen spürt Müdigkeit

Drei “Tugenden” der Traurigkeit, die du verstehen solltest

  • Traurigkeit ist eine Warnung. Wie wir bereits erwähnt haben, sind Energieverlust, Müdigkeit und fehlende geistige Ressourcen zur Bewältigung des Alltags nur Symptome eines offensichtlichen Problems, das wir lösen müssen.
  • Traurigkeit als Folge der Loslösung. Manchmal warnt uns unser eigenes Gehirn vor Dingen, die unser Bewusstsein nicht so recht wahrhaben will: “Es ist an der Zeit, diese Beziehung zu beenden”, “Du wirst dein Ziel nicht erreichen”, “Du bist in diesem Job nicht glücklich: Vielleicht solltest du kündigen”
  • Traurigkeit als Selbsterhaltungstrieb. Das ist eine merkwürdige Tatsache, an die wir uns erinnern sollten: Manchmal lädt uns die Traurigkeit dazu ein, “Winterschlaf” zu halten, uns vorübergehend von unserer Realität abzukoppeln, um Ressourcen zu sparen… Das ist unter anderem der Fall, wenn wir eine Enttäuschung erleiden. In diesem Fall ist es immer gesünder, sich ein paar Tage lang intensiv zu besinnen, um unser Selbstwertgefühl und unsere Integrität zu schützen…

Es gibt Zeiten im Leben, in denen die Müdigkeit nicht so sehr körperlich als vielmehr emotional ist. Wir sollten Traurigkeit nicht als eine Krankheit betrachten, die behandelt werden muss, sondern als eine innere Stimme, auf die man hören sollte, als eine wertvolle und nützliche Emotion, die für das menschliche Wachstum unerlässlich ist.

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