"And the people stayed home" - Poesie zum Nachdenken

21 Mai, 2020
Beim Öffnen der Büchse der Pandora entwichen all das Böse und das ganze Übel und verbreiteten sich auf der Welt. Doch als Pandora die Büchse wieder verschloss, bewahrte sie darin die Hoffnung auf. In unserem heutigen Beitrag geht es um ein Gedicht, das in so schwierigen Zeiten, wie wir sie gerade erleben, unsere Hoffnung weckt.
 

„And the people stayed home“ (dt. „Und die Menschen blieben zu Hause“) ist der Titel eines Gedichtes, das in den letzten Wochen die Welt über soziale Netzwerke erobert hat. Allerdings verfasste die Autorin diese Zeilen zum Nachdenken nicht um 1800, wie vielfach verbreitet wurde, sondern im März 2020 anlässlich der Corona-Pandemie.

Kitty O’Meara, die das Gedicht schrieb, arbeitete als Lehrerin und als geistliche Betreuerin in Krankenhäusern und Hospizen in den Vereinten Staaten von Amerika. Die weltweite Pandemie inspirierte sie, ein Gedicht zu schreiben, das schnell viral wurde. Es sind ganz besondere Zeilen, denn darin finden wir das Echo der Hoffnung.

„And the people stayed home“ erinnert uns daran, dass uns die Dunkelheit umhüllen kann, doch auch, dass das Licht uns erneut erhellen wird.

“Als ich eine derartige Flasche ausgrub, eine Flasche voller Zeit, als ich die Stimme der Vergangenheit, die so lange geschwiegen hatte, wach rüttelte, öffnete ich eine Tür, die vielleicht verschlossen hätte bleiben sollen.“

-Katherine Neville-

 
Frau am Fenster hat Zeit zum Nachdenken

„And the people stayed home“ – Poesie zum Nachdenken

Das Gedicht beginnt mit einem Satz, der für uns eine radikale Veränderung unserer Lebensgewohnheiten bedeutet: „Und die Menschen blieben zu Hause“. Plötzlich plagen uns Zweifel über unsere Gegenwart und Zukunft. Wir sind gezwungen zu Hause zu bleiben und dies verändert alle unsere Pläne und Projekte, unser Gesellschaftsleben existiert nicht mehr und unsere Vorstellungen von der Zukunft haben sich komplett verändert.

Ungewissheit und Verwirrung prägen jetzt unseren Alltag und auch die Frage, was wir machen können. Die meisten von uns leben nicht in großen Häusern mit Gärten und Blick aufs Meer. Sehr viele müssen lernen, auf sehr kleinem Raum zusammenzuleben, was oft zu Konflikten zwischen zwei oder mehreren Personen führt

 

Viele von uns haben uns für Aktivitäten entschieden, die auch in diesem Gedicht erwähnt werden:

And read books and listened
And rested and did exercises
And made art and played

(Deutsch: „Und sie lasen Bücher und hörten zu. Und sie ruhten sich aus und trainierten. Und sie schufen Kunst und spielten.“) Wir versuchen, Wege zu finden, um die Zeit zu nutzen und so unsere Unsicherheit zu beruhigen.

Im besten Fall können wir erreichen, was die Autorin in folgenden Zeilen beschreibt:

And new ways of being
And then they stopped
And listened deeper
Someone meditated
Someone was praying
Someone was dancing
Someone met their own shadow

(Deutsch: „Und neue Wege des Seins. Und dann hielten sie inne. Und sie hörten in sich hinein. Manche meditierten. Manche beteten. Manche tanzten. Manche trafen ihren eigenen Schatten.“) Eine plötzliche Begegnung mit uns selbst, mit unserer Innenwelt, die Überraschungen bereit hält und uns tiefer in uns hineinhören lassen.

Einladung zum Nachdenken: „And people started thinking differently”

 

Der zweite Vers dieses Gedichtes bezieht sich auf unsere unmittelbar bevorstehende Zukunft. Was erwarten wir uns? Eine so tiefgehende Erfahrung, wie wir sie gerade weltweit erleben, sollte uns zum Nachdenken bringen und verschiedene Dinge lehren: über uns und was wir tun, über unsere Beziehungen zur Natur.

Diese innere Veränderdung ist auch in den Zeilen von Kitty O’Meara präsent: „And people healed“ (dt. „Und die Menschen wurden geheilt“). Heilen bezieht sich in diesem Fall nicht ausschließlich auf physische Krankheiten, sondern auch auf unseren Geist, der gereinigt wird. Zurück bleiben nur die wichtigen Dinge des Lebens:

Grundlegende Werte und Solidarität, das harmonische Zusammenleben mit der Erde, die wir bewohnen. Vielleicht verändern sich auch die Leitfiguren, die wir wählen und die Ziele, die wir verfolgen, Ambitionen, die manchmal keine Grenzen kennen. Heilen bedeutet, das Wesentliche zurückerlangen, jene Dinge, die uns tatsächlich menschlich machen. 

 
glückliche Frau hat Zeit zum Nachdenken

“And heal the earth fully”…

Wenn der Mensch durch universelle Solidarität und kollektives Engagement geheilt wird, dann kann sich auch die Welt erholen. Die nächsten Zeilen des Gedichtes lauten:

And in the absence of people who lived
In ignorant ways
Dangerous
Senseless and heartless,
The earth also began to heal.

(Deutsch: „In der Abwesenheit von Menschen, die unwissend und gefährlich lebten, ohne Sinn und ohne Herz, begann auch die Erde, sich zu erholen.“)

Es handelt sich um eine Kettenreaktion, die in uns selbst während der Zeit zu Hause beginnt, und dann den Rest der Welt ansteckt. Diese Zeilen sprechen davon, dass wir uns einer außergewöhnlichen Herausforderung stellen müssen, welche von uns die Fähigkeit verlangt, zu wachsen. Wir müssen uns abheben, von der Person, die wir in der Vergangenheit waren, von dem, was wir früher taten. Wir müssen lernen, uns neu zu erfinden. Nur so können wir den Knoten lösen und die Büchse der Pandora wieder schließen.

 

Am Ende schenkt uns das Gedicht eine Bühne voller Hoffnung:

And when the danger passed,
and the people joined together again,
they grieved their losses,
and made new choices,
and dreamed new images,
and created new ways to live
and heal the earth fully,
as they had been healed.

(Deutsch: „Und als die Gefahr vorüber war, und sich die Menschen erneut vereinten, betrauerten sie ihre Toten und trafen neue Entscheidungen, und hatten neue Träume, und schufen neue Lebensarten, und heilten die Welt vollständig, so wie auch sie selbst geheilt worden waren.“)

Dieses wunderschöne Gedicht beginnt mit „And the people stayed home“ und endet mit „and heal the earth fully, as they had been healed“. Wir wünschen uns, dass es sich nicht nur um ein paar schöne Zeilen handelt, sondern vielmehr um eine Prophezeiung. Wir hoffen, dass wir das Ziel erreichen, das uns aufgetragen wurde: eine bessere Welt.

 
  • López Eire, A. (2004). Mito ritual y poesía.