Die „heiße Zone“ des Gehirns: Wo Träume herkommen

· 7. April 2019

Neue Forschungen und Erkenntnisse in der Schlafwissenschaft sind immer faszinierend, vor allem dann, wenn sie unsere Träume betreffen. Für viele Menschen sind Träume eine wichtige Quelle der Selbsterkenntnis. Ein Forscherteam aus Neurowissenschaftlern aus den USA, Italien und der Schweiz hat nun entdeckt, was als „heiße Zone“ des Gehirns bezeichnet wird, die sich einschaltet, wenn wir träumen.

Diese „heiße Zone“ ist eine Region des Gehirns, die sich beim Träumen scheinbar selbst aktiviert. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass wir nicht nur im REM-Schlaf (im Englischen steht die Abkürzung für rapid eye movement, was im Deutschen mit schneller Augenbewegung übersetzt werden kann) träumen. Diese aufregenden Entdeckungen können dazu führen, dass wir das menschliche Bewusstsein besser verstehen und vielleicht auch etwas mehr über den Inhalt unserer Träume lernen.

Die Studie

Das Forschungsteam beobachtete die elektrische Aktivität in den Gehirnen von 32 Probanden in ihrem Schlaflabor. Dabei betrug der Studienzeitraum fünf bis zehn Nächte. Die Wissenschaftler weckten die Probanden häufig, um sie nach ihrem Schlaf zu fragen und ob sie geträumt hätten oder nicht. Weiterhin fragten die Forscher die Studienteilnehmer, ob sie sich an Teile ihrer Träume erinnerten oder ob sie sich überhaupt an nichts erinnerten.

Der Unterschied zwischen dieser Studie und früheren Schlafstudien ist die Anzahl der verwendeten Elektroden: Diesmal verwendeten die Forscher eine Kappe mit 256 Elektroden. Diese lieferte ihnen ein viel vollständigeres Bild als in vorherigen Experimenten.

Eine Frau liegt im Bett und schläft.

Die Ergebnisse

Das Team entdeckte, dass ein bestimmter Teil des Gehirns, die sogenannte „heiße Zone“, erhöhte elektrische Aktivität zeigte, als die Probanden träumten. Diese „heiße Zone“ befindet sich im hinteren Teil des Gehirns. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass dies der Teil des Gehirns ist, der für unsere Träume verantwortlich ist.

Wenn dieser Bereich des Gehirns während des Wachzustands stimuliert wird, könne dies „das Gefühl erzeugen, in einer Parallelwelt zu leben oder in einem traumähnlichen Zustand zu sein“ Dieser Befund legt weiterhin nahe, dass sich das Bewusstsein in einer hinteren Gehirnregion befindet. Bisher glaubten die Wissenschaftler, dass Stirn- und Seitenlappen des Gehirns für unser Bewusstsein verantwortlich seien.

„Es scheint nur einer sehr engen, eingeschränkten Aktivierung des Gehirns zu bedürfen, um bewusste Erfahrungen zu erzeugen. Bisher dachten wir, dass große Regionen des Gehirns aktiv sein müssen, um diese Erfahrungen zu generieren“ sagte Francesca Siclari, Mitautorin der Studie.

Meinungen über die „heiße Zone“

Einige Wissenschaftler sind überzeugt, dass diese Entdeckung uns helfen werde, die Inhalte unserer Träume besser zu verstehen. Allerdings sind nicht alle Forscher von dieser Theorie überzeugt. Der Psychiatrie-Professor Dr. Stickgold, der an der Harvard Medical School in Massachusetts, USA, forscht, glaubt nicht, dass diese spezielle Studie uns dabei helfen könne, mehr über unsere Träume zu erfahren, denn er glaubt, dass die Träume, an die wir uns erinnern, und die Träume, die wir vergessen, wahrscheinlich eine andere elektronische Signatur haben. Der Professor stimmt anderen Forschern jedoch darin zu, dass das Interessanteste an den Ergebnissen der Tests die Möglichkeit sei, eines der größten Mysterien der Menschheit zu verstehen: die Natur und den Ursprung des Bewusstseins.

Die Idee, dass verschiedene Teile des Gehirns sich im Traum anders verhalten, wurde über ein Jahrzehnt lang untersucht. Sehr viele Forscher sind von dieser These überzeugt. Zuvor vermuteten sie zwar, dass es sich so in der Realität verhalte, aber sie hatten nicht genügend Beweise, um dies zu belegen.

„Die Stärke dieser Technik besteht darin, dass sie unsere Kenntnisse darüber erweitert, ob lokale Bereiche oder besondere Hirnregionen für bestimmte Aktivitäten verantwortlich sind, und nicht das gesamte Gehirn, wenn wir schlafen.“

Dr. Danny Eckert von Neuroscience Research Australia

Ein Mann schläft in seinem Bett.

Die Zukunft der Forschung, um die „heiße Zone“ im Gehirn

Die Autoren der Neurowissenschaften sind sich weitestgehend einig, dass zukünftige Forschung uns möglicherweise Zugang zu anderen Bewusstseinszuständen verhelfen kann. Doch nicht nur das, sondern die Ergebnisse kommender Studien werden uns helfen, zu klären, welche anderen Gehirnregionen in diese unterschiedlichen Bewusstseinszustände involviert sind.

Vielleicht werden wir bald herausfinden, wo und wie wir uns mit unserem eigenen Bewusstsein verbinden können. Egal wie wir uns selber sehen, diese Forschung ist aufregend, denn wir sammeln immer mehr Wissen darüber, wer wir Menschen wirklich sind. Und vielleicht ergeben sich auch neue Therapieansätze: Wissenschaftler erwägen, die Stimulation der „heißen Zone“ im Gehirn eines Patienten durchzuführen, wenn dieser sich im Koma befindet oder epileptische Anfälle hat.

„Diese Regionen scheinen eine multisensorische Integration zu bieten, die sich gut zur Unterstützung der virtuellen Simulation einer Welt eignet, die Träume charakterisiert.“

Dr. Lampros Perogamvros, University of Wisconsin-Madison (Wisconsin, USA)