Wir sind ebenso vergänglich wie eine Sternschnuppe – und genauso schön

· 23. April 2017

Vor langer Zeit hatte ich keine Lust mehr darauf, Pusteblumen zu pusten, mir etwas zu wünschen, wenn ich eine Kerze ausgeblasen hatte, und nach vierblättrigen Kleeblättern zu suchen. Jetzt suche ich mit meinen eigenen Fingerspitzen nach der Magie und in meinem Herzen nach dem Glück Denn schließlich sind wir die Vergänglichen und nicht die Sterne. Und deshalb ist der beste Moment, um glücklich zu sein, immer das Hier und Jetzt.

Es kann sein, dass du dich mit dem Gesagten identifizieren kannst. Wann war allerdings das letzte Mal, dass du dich getraut hast, die Uhr und dein Handy zurückzulassen und voll und ganz im Hier und Jetzt zu leben? Viele von uns vergessen, dass die englische Bezeichnung der Gegenwart „present“ auch mit Geschenk übersetzt werden kann. Und Geschenke sollte man genießen und vor allem schätzen.

Wenn das Leben dich zehnmal zu Boden wirft, dann steh elfmal auf. Denn die hellsten Sterne leuchten in den dunkelsten Nächten. Denn wir sind die Vergänglichen und nicht die Sterne.

Wir sollten versuchen, jeden Tag ein bisschen mehr von den Kindern zu lernen. In jedem ihrer Spiele kannst du Magie und eine ihnen innewohnende Leidenschaft entdecken: Sie schätzen den Moment, jenen Moment, in dem eine unendliche Anzahl von interessanten Dingen passieren kann. Bis die Stimme eines Erwachsenen auftaucht, sie unter Druck setzt, sie einer Krankheit, die man „Eile“ nennt und dem Feind namens „Zeit“ vorstellt.

Wir haben uns daran gewöhnt, die Zeit anhand von Quantität und nicht von Qualität zu messen. Kinder können nur von 18 bis 19 Uhr Kinder sein und spielen. Und Erwachsene schieben das Glück bis zum Freitag oder dem Sommerurlaub hinaus. Das ist nicht richtig.

Die Gesellschaft, die sich nicht länger die Sterne anschaut

Vergängliche Dinge kamen dem menschlichen Auge schon immer schön vor. Eine Winterblume, ein Tautropfen im Morgengrauen, ein Regenbogen nach einem Sturm… Aber wir vergessen gern, dass auch wir vergänglich und wunderschön sind. Und dass Zeit kein garantiertes Besitztum ist. Zeit ist ein Geschenk und es ist unsere Aufgabe, sie zu nutzen.

Wir tun das allerdings nicht sehr gut. Wir haben nichts mehr mit der Gesellschaft gemeinsam, die sich die Sterne angeschaut und ihre Bahnen erlernt hat. Wir leben in einer Multitasking-Gesellschaft, in der es keinen Platz mehr für Überlegungen oder Vorstellungskraft gibt. Zeit, weit entfernt davon ein Geschenk zu sein, rinnt uns durch unsere Finger. Sie ist wie Sternenstaub, der im Weltall verloren geht.

Wir fordern unsere Kinder dazu auf, ihre Spielsachen niederzulegen, ihre Aufgaben schnell zu beenden und zum Unterricht zu gehen. Dann hasten sie zuerst zum Musikunterricht und dann zur Ballettstunde. Wir bereiten währenddessen den Plan für morgen vor und schauen uns die Nachrichten an. Die Nachrichten, die die Überschriften im unteren Teil des Bildschirms zeigen, sodass wir niemals den Sinn für Dringlichkeit verlieren. Denn es passiert immer etwas, was wir wissen müssen.

Wir sind eine Gesellschaft, die nur zu den Sternen schaut, um sich etwas zu wünschen: um nach verlorenem Glück zu schreien. Denn Multitasking und zu viel von dir selbst zu erwarten, bringt nicht immer Effektivität mit sich. Das Gehirn funktioniert nicht auf diese Art und Weise. Es zu überladen führt dazu, dass es ineffizient und du hoffnungslos unglücklich wirst.

Wir sind immer wunderbar vergänglich, also lerne, wie du funkelst

Wir sind vergängliche Wesen, das stimmt. Unser Kapitel in der Weltgeschichte ist kurz. Deshalb müssen wir eins auf dieser wundervollen Reise lernen: zu funkeln. Denn die Uhr anzuhalten und intensiv zu leben ist tatsächlich möglich. Du musst nicht mal nach großen Abenteuern suchen. Das Wichtigste für uns ist, unsere besten Einstellungen zu geben, auch wenn wir das nur für einen Teil des Tages tun. Es geht einfach darum, Spaß zu haben.

Die Zeit läuft nicht rückwärts. Pflanze deshalb deinen Garten und schmücke deine Seele, anstatt auf jemanden zu warten, der dir Blumen bringt.

William Shakespeare

David M. Levy, ein Wissenschaftler und Professor an der University of Washington (Washington, USA), erklärt, dass man sich ab und zu mit der Stille verbinden muss, wenn man lernen will, präsenter zu sein. Unsere Aufmerksamkeit ist begrenzt und trotzdem füllen wir unsere Köpfe mit vielen Reizen und dauerhaftem Lärm.

Wir brauchen unser eigenes mentales Ökosystem, um uns darin entspannen zu können. Ein Wald, ein Sumpf von Ruhe und Frieden in der Mitte unserer Geister, in dem wir die Uhr anhalten und die Zeit für das schätzen können, was sie ist: ein Geschenk. Eine Dimension, in die wir mit unseren fünf Sinnen eintauchen können. Genauso wie es Kinder tun, wenn wir sie wirklich Kinder sein lassen.

Denn lebenswichtige Befriedigung kann nicht durch die Aufgaben, die du erledigt hast, oder die Anzahl deiner Erfahrungen erreicht werden. Du erreichst Befriedigung durch die Intensität, mit der du es geschafft hast, jede Tat, jedes Detail, jeden Aspekt deiner persönlichen Geschichte zu schätzen. Und genau da liegt unser authentisches inneres Licht. Das Licht, das mit dem hellsten Stern am Himmel konkurrieren könnte.