Das GPS in unserem Gehirn: ein sehr interessantes System

9. April 2017 en Psychologie 40 Geteilt

Vielleicht bist du einer dieser Menschen, die, egal wie viele Navigationsmöglichkeiten sie sich einfallen lassen, jedes Mal komplett die Orientierung verlieren. Oder du gehörst zum anderen Extrem und bist dazu in der Lage, die zurückgelegte Route, bei der du einem Freund gefolgt bist, der die Stadt kennt, wieder aufzunehmen, und das in einer dir noch vollkommen fremden Umgebung. Hierzu brauchst du nicht einmal irgendein GPS-Gerät oder sonstige Karten.

Die meisten von uns gehören zu keinem der beiden Extreme und befinden sich irgendwo dazwischen. Dann gibt es Menschen, die mit der oben beschriebenen Fähigkeit prahlen, aber auch diejenigen, die ganz bescheiden mit ihrer Orientierungsfähigkeit umgehen. Dennoch gibt es da den Ort, an dem wir uns wirklich befinden, und den, an dem wir denken, zu sein. Und diese Orte liegen manchmal weit auseinander.

In diesem Artikel versuchen wir daher, uns etwas mit den Strukturen zu beschäftigen, die unser Gehirn wie eine Art GPS benutzt, um sich zu orientieren.

Von Taxifahrern in London und ihrem mentalen GPS

Beginnen wir bei einer eindeutigen Tatsache. Unser Gehirn besteht zwar nicht aus Knetmasse, aber es besitzt eine der Eigenschaften dieses interessanten Materials: die Plastizität. Wir sprechen von der Neuroplastizität als eine Fähigkeit des Gehirns, um sich funktionell und strukturell an äußere Bedürfnisse anzupassen. Eine dieser Anpassungen hat damit zu tun, dass wir für unsere Orientierung eine Art mentales GPS benutzen.

Wenn wir ständig reisen und durch neue Städte laufen, versteht unser Gehirn, dass die Orientierung wichtig für unser Überleben ist und widmet ein kleines Gehirnareal ausschließlich der räumlichen Orientierung.

Nun widmen wir uns den Londoner Taxifahrern. Diese Taxifahrer sind in der Psychologie durch die klassische Studie berühmt geworden, die von Eleanor Maguire, Professorin am Universitiy College of London (England, Vereinigtes Königreich), durchgeführt wurde. Diese Taxifahrer müssen eine Prüfung ablegen, um ihre Stelle zu erhalten. Die Kandidaten werden nach verschiedenen Routen gefragt, um von A nach B zu kommen.

An dieser Prüfung nahmen Menschen teil, die keine bestimmte Qualifikation haben mussten. Es waren Taxifahrerinnen und Taxifahrer, die bereits jahrelang diesen Job ausübten. Während der Studie wurden ihre Hirne magnetresonanztomographisch untersucht. So fand man heraus, dass Taxifahrer einen leicht vergrößerten Hippocampus hatten, wenn man sie mit Menschen verglich, die diesen Beruf nicht ausüben. Darüber hinaus stellte man fest, dass die Größe dieses Gehirnareals mit der Anzahl der Berufsjahre zunimmt. Sehr interessant, oder?

Wir können uns also sehr schnell an uns bekannten Orten orientieren, da wir in unserem Gehirn ein kleine Landkarte dieses Ortes haben. Selbstverständlich braucht die im Gehirn eines Taxifahrers abgespeicherte Landkarte einer so großen Stadt mit so vielen unterschiedlichen Wegen und Straßen wie London wesentlich mehr Platz.

Gehirnareale, die für die Orientierung verantwortlich sind

Wenn wir die klassische Studie zitieren, die praktisch richtungweisend für die Studie der räumlichen Orientierung war, so nennen wir in diesem Absatz die für eine mehr oder weniger gute oder schlechte Orientierung verantwortlichen Gehirnareale. Fangen wir bei dem präfrontalen Kortex an. Dieser Bereich im Gehirn kontrolliert unsere Impulse. Es scheint so, als wäre er erst am Ende der Jugend vollkommen entwickelt. Er ist ein Teil unserer Orientierung, da er für die Entscheidungsfindung verantwortlich ist.

Der präfrontale Kortex ist der Teil des Gehirns, der das letzte Wort hat, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob wir die eine oder andere Straße nehmen. Wenn wir verschiedene alternative Routen kennen, dann entscheidet er ebenfalls darüber, welcher wir Vorrang gewähren.

Das dorsale Striatum speichert bereits verinnerlichte Landkarten ab, von denen wir zuvor sprachen. Der präfrontale Kortex arbeitet mit ihm zusammen, sobald wir uns an Orten bewegen, die wir kennen. Außerdem speichert es Informationen über Zeiten und Entfernungen ab. Im Hippocampus befinden sich bestimmte Neuronen, die sogenannten Ortsneuronen, die uns erlauben, im dorsalen Striatum neue Landkarten anzulegen.

Der mittlere Abschnitt des Großhirns, der Parietallappen, kümmert sich um Richtungen und Sinnesleistungen, und der Assoziationskortex hilft uns, uns an einen Ort zu erinnern, z.B. wo wir unser Auto geparkt haben. Zuletzt ist da noch das Kleinhirn, das den motorischen Part im Zusammenspiel mit der Entscheidung unseres präfrontalen Kortex koordiniert.

An unserer Orientierung sind noch weitere Gehirnstrukturen beteiligt, wie das limbische System, das bei uns Wut aufkommen lässt, wenn unser Partner unserem mentalen GPS nicht vertraut. Doch abgesehen von diesen zitierten Gehirnfunktionen, haben wir in diesem Artikel im Grunde genommen die Funktionen des GPS in unserem Gehirn beschrieben. Wir hoffen, dass dir diese Reise Spaß gemacht hat und du dich nicht verlaufen hast!

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