Dank unserer Neuroplastizität hören wir nie auf zu lernen

8. Oktober 2016 en Psychologie 2 Geteilt

Während der Kindheit ist die Neuroplastizität höher, das Gehirn ist so flexibel wie in keinem anderen Alter und erhält pausenlos Reize, die für es neu sind. In diesem Moment werden viele Neuronen neu gebildet und verknüpft und es sind diese Verbindungen, die die angemessene Entwicklung des Kindes und seiner Lernprozesse beschleunigen. Die Kindheit ist demnach ein sensibler Zeitraum für die Entwicklung, vor allen Dingen in den ersten fünf Lebensjahren.

Die Tatsache, dass unser Gehirn plastischer und deshalb Veränderungen gegenüber flexibler ist, bedeutet jedoch nicht, dass diese Plastizität im Alter verschwindet und es nicht mehr möglich ist, etwas zu lernen oder neue Verbindungen zwischen den Neuronen herzustellen. Sogar im Alter zeigt sich noch die Fähigkeit des Gehirns, Neues zu erlernen.

Neuroplastizität  und neue Verbindungen im Gehirn

Das Gehirn besitzt die Fähigkeit, sich der Umwelt anzupassen und in seiner eigenen Struktur Veränderungen vorzunehmen, um den Anforderungen des Umfelds gerecht zu werden. Ein Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Gehirns ist die Tatsache, dass Menschen, die nicht mehr sehen oder hören können, andere Gehirnareale, die mit der Wahrnehmung durch andere Sinne zu tun haben, stärker entwickeln und neue Synapsen im Gehirn entstehen.

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Der spanische Wissenschaftler Pascual-Leone veranschaulichte diese Fähigkeit mithilfe eines Experiments, bei dem er gesunden Probanden fünf Tage lang die Augen verbunden hatte. In dieser Zeit lasen die Teilnehmer die Blindenschrift und gingen Aktivitäten nach, die sich aufs Hören beschränkten. Durch die Magnetresonanz konnte beobachtet werden, dass der visuelle Kortex des Gehirns durch das Gehörte und bei Berührungen aktiver war und sich das Gehirn anpasste.

Dieses Experiment wurde mit Erwachsenen durchgeführt, was heißen soll, dass sich das menschliche Gehirn im Laufe des Lebens immer wieder verändert, entgegengesetzt dessen, was man noch vor Jahren dachte. Diese Umstrukturierung des Gehirns hat viel mit den Bedürfnissen zu tun, sich dem Umfeld und seinen Anforderungen an uns anzupassen.

Lebenslanges Lernen

Wir alle wissen, dass Kinder sehr schnell lernen und schneller als Erwachsene neue Aufgaben, wie ein Instrument zu spielen, eine neue Sprache zu lernen oder sich einen Text einzuprägen, verinnerlichen. Das ist Fakt, denn die Bildung neuer Neuronen (Neurogenese) ist in der Kindheit noch nicht abgeschlossen, und je älter wir werden, desto geringer wird diese Bildung neuer Neuronen.

Doch die Neurogenese findet auch noch statt, wenn wir uns im Rentenalter befinden. Früher dachte man noch, dass wir mit einer bestimmten Anzahl an Neuronen geboren werden und dass diese im Laufe der Zeit schlichtweg abnimmt. Aber diese Annahme ist falsch. Es stimmt zwar, dass die Neuroplastizität nachlässt, aber unser Gehirn ist auch im Alter weitgehend anpassungsfähig.

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Man hat herausgefunden, dass verschiedene Faktoren diese Neuroplastizität beeinflussen können. Zuallererst sprechen wir hier von einem Umfeld, das uns bereichert, weil es unseren Verstand vor Herausforderungen stellt. Zweitens ist bekannt, dass mäßiges Training ebenfalls gut für unser Gehirn ist. Der Alterungsprozess, chronischer Stress oder gewisse Komponenten im Blut können sich aber negativ auswirken.

Die Neubildung von Nervenzellen war eine großartige Entdeckung. Dieses Phänomen wurde in zwei Gehirnarealen festgestellt: in der subventrikulären Zone und im Hippocampus. Letzterer steht in direkter Verbindung mit unserem Gedächtnis. Diese Neurogenese im Hippocampus wird stimuliert, wenn wir Neues erlernen, was wiederum unsere Gedächtnisleistung verbessert.

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir etwas lernen?

Die Neuroplastizität ist ein Mechanismus, der den Lernprozess begleitet lässt. Andererseits hat die Fähigkeit eines jeden Menschen, zu lernen, sowohl mit den Genen als auch mit der Erziehung zu tun. Der Intelligenzquotient, den wir alle besitzen, wird beispielsweise größtenteils von der Genetik bestimmt, aber wenn wir unser Gehirn trainieren, hat das auch Auswirkungen auf die Plastizität unseres Gehirns und auf unsere Fähigkeiten.

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Auch wenn wir genetisch gesehen eine große Fähigkeit besitzen, Neues zu lernen, bleibt das nur ein unausgeschöpftes Potenzial, wenn wir sie nicht wissen zu entwickeln. Wenn sie sich im Winterschlaf befindet und wir sie nicht aufwecken, verpassen wir nicht nur die Gelegenheit, etwas mit ihr anzufangen, sondern nutzen auch die Möglichkeit nicht, sie auszureizen. Somit würden wir nicht nur neue Lernprozesse verpassen, sondern würden auch einen Teil dieses Potenzials in unserer Zukunft ungenutzt lassen.

Die kognitive Stimulation ist entscheidend dafür, dass unser Gehirn darauf vorbereitet ist, sich den Anforderungen unseres Umfelds anzupassen. Die Neuroplastizität ist ein Mechanismus, der dafür da ist, um Schäden im Gehirn entgegenzuwirken. Man geht davon aus, dass Menschen, die die Plastizität mithilfe von Lernprozessen gefördert haben, über bessere Möglichkeiten verfügen, entstandene Schäden im Gehirn heilen zu lassen oder sich diesen anzupassen.

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