Welche Auswirkungen haben traumatische Kindheitserfahrungen?

· 28. Juli 2016

Traumatische Kindheitserfahrungen hinterlassen Spuren in der Seele, die bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben und das Leben der Betroffenen prägen können. Diese Tatsache ist allgemein bekannt. Wie aber beeinflussen diese traumatischen Erfahrungen das zukünftige Leben unserer Kinder, ihre Art und Weise, Erlebnisse zu verarbeiten, ihr Verhalten?

In einer vor kurzem veröffentlichen Studie wurde analysiert, wie widrige Erfahrungen in der frühen Kindheit – diese umfassen auch das Einsperren durch einen Verwandten sowie physische als auch psychische Misshandlung – das Lern- und Sozialverhalten ab dem Vorschulalter beeinträchtigen. Die Studie wurde von Forschern der Robert Wood Johnson Medical School (New Jersey, USA) durchgeführt und in Pediatrics,  einer Fachzeitschrift der Amerikanischen Akademie für Pädiatrie, veröffentlicht.

Die Bedeutung des Vorschulalters für zukünftiges Lernverhalten

Den Forschern zufolge bestehe bei Kindern, die im urbanen Raum aufwachsen und die in ihrer frühen Kindheit Traumata erleben müssen, ein größeres Risiko für Lernbehinderungen und Verhaltensauffälligkeiten. Das wird bereits ab dem Kindergartenalter deutlich.

Verängstigtes Mädchen beobachtet trinkende Eltern

Die Forscher haben die Daten anderer Studien herangezogen, die sich mit den Auswirkungen traumatischer Kindheitserfahrungen beschäftigen, und haben dabei vor allem Daten zu Erziehungsberechtigten und Erziehern, Verhalten in der vorschulischen Erziehung und schulischen Leistungen ausgewertet. Die Ergebnisse der Metaanalyse weisen auf darauf hin, dass Kinder nach traumatischen Erfahrungen wie mangelnder Aufmerksamkeit und Aggressionen seitens der Eltern signifikant schlechtere Ergebnisse in der Schule erzielen und auch häufiger Defizite im Sozialverhalten aufweisen.

„Unsere Studienergebnisse sind wichtig, weil wir Risikofaktoren für eine ungünstige schulische Entwicklung identifizieren, die gleichzeitig gesundheitliche Risiken darstellen“,  sagen die Wissenschaftler. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen Erziehern und Experten aus dem Gesundheitsbereich anregen wird, um Risikokindern im Feld zu erkennen und betroffenen Familien zu helfen.“

Schutz vor traumatischen Kindheitserfahrungen

Kinder zu schützen bedeutet nicht, sie in unter eine Glasglocke zu setzen. Doch das Weltverständnis und die Interpretation der Umgebung durch Kinder unterscheidet sich von der Wahrnehmung durch Erwachsene.

Der Psychologe Jesús. F.J. Ramírez Cabañas erklärt, dass traumatische Erfahrungen, die vor dem elften Lebensjahr gemacht werden, dreimal häufiger zu klinisch feststellbaren emotionalen Problemen und Verhaltensstörungen führten, als wenn sie in höherem Alter erlebt werden. Aber auch ältere Kinder leiden lange unter den Auswirkungen von Traumata.

Ramirez Cabañas erklärt auch, dass das Verhalten von Erwachsenen die Fähigkeit von Kindern in ihrer Obhut beeinflusse, sich an traumatische Erfahrungen zu erinnern und diese zu verarbeiten. Generell neigen Eltern dazu, die Intensität und die Dauer der Belastung ihrer Kinder durch Traumata zu unterschätzen. Ihre Reaktionen variieren abhängig vom Alter, von ihrem Intellekt, ihrer Persönlichkeit und sozialen Faktoren.

traumatische Erlebnisse in der Familie

Die am häufigsten auftretenden Probleme, die durch posttraumatischen Stress hervorgerufen werden, sind Trauer, Depression, aggressives und herausforderndes Verhalten, physische Symptome, niedriges Selbstwertgefühl und schulische sowie soziale Schwierigkeiten. Todesfälle können bei Kindern zu einem Gefühl der Wehrlosigkeit führen.

Der Umgang mit Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben

Ramírez Cabañas erklärt weiter, dass ein Kind nach einer traumatischen Erfahrung schnellstmöglich behandelt werden sollte, um die Dimensionen des posttraumatischen Stresses zu mindern. Symptome treten zwar mitunter erst Monate später auf, aber das sollte nicht dazu veranlassen, die psychologische Behandlung zu verzögern.

Mutter und Kind: Meditation, um traumatische Ereignisse zu überwinden

Es ist ratsam, nicht zu warten und dem Kind zu zeigen, wie es sich entspannen und seine negativen Gedanken in positive umwandeln kann. Es ist dabei wichtig, Techniken anzuwenden, die dazu dienen, die Gedanken des Kindes in konstruktivere Bahnen zu lenken oder für Ablenkung zu sorgen, etwa durch Spiel, Sport oder Gruppenaktivitäten.

Grundsätzlich sollte man das traumatisierte Kind dazu animieren, seine Gefühle zu zeigen und seine Meinung zu äußern. Häufig machen die Kinder sich selbst für das Desaster oder den Verlust eines wichtigen Menschen verantwortlich. Dann benötigen sie Hilfe, um zu verstehen, dass das nicht der Fall ist – aber zunächst einmal muss dieser Umstand erkannt werden.

Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, Kinder von Informationen fernzuhalten, die in den Medien über das traumatisierende Ereignis verbreitet werden, ium zu vermeiden, dass es damit im Zusammenhang stehende Bilder sieht.