Das Selbstwertgefühl von Jugendlichen stärken – eine Herausforderung für Eltern

5. Juli 2016 en Psychologie 100 Geteilt

Die Jugend ist die Phase im Leben, in der der Mensch versucht, seinen Platz in der Welt zu finden und seine Grenzen auszutesten. Daher spielt das Selbstwertgefühl eine wichtige Rolle, weil der Jugendliche durch dieses rebellische Verhalten auf verschiedene Hürden in dieser Lebensphase stößt, die einerseits nicht gerade selten vorkommen und auch nicht unwichtig sind.

Auf der anderen Seite sind sie weiterhin noch von ihren Eltern abhängig, auch wenn sie alles Erdenkliche tun, um ihrem Schutz zu entkommen. Aber ihre Mütter und Väter bleiben auch noch zukünftig Teil ihrer Weltanschauung und Teil ihrer selbst. Wenn wir uns demnach in Eltern hineinversetzen, verstehen wir, wie kompliziert ihre Rolle in Bezug auf das Heranwachsen ihrer Kinder sein kann.

Dieses „für sie da sein müssen, ohne da zu sein“ oder „da sein, aber nur im Hintergrund“ gleicht dessen, wie es für Eltern mit ihren Kindern war, als sie noch klein waren und ihre ersten Schritte machten. Wir lassen sie gehen, sind dennoch ihre stillen Begleiter, damit sie denken, dass sie es diesmal ohne unsere direkte Hilfe schaffen müssen. Auch wenn ihre Unterstützung oftmals nicht gern angenommen wird, sind Eltern auch noch in den jugendlichen Jahren ihrer Kinder verantwortlich für diese, sowohl für ihr Handeln als auch für ihre Bildung und ihr Selbstwertgefühl.

Als Eltern wollen wir immer sehen, wie unsere Kinder Erfolg haben. Jedoch vergessen viele, dass Hürden noch wichtiger als Ergebnisse sind. Diverse Hindernisse müssen überwunden, Fragen beantwortet werden – beispielsweise zu der Art, wie sie sich selbst sehen und ihr Selbstbewusstsein stärken können. In Wahrheit haben viele junge Menschen Probleme damit, akzeptiert zu werden, und das nicht nur von anderen, sondern auch von sich selbst.

Die Eltern können eine wichtige Rolle dabei spielen, dass sich ihre heranwachsenden Kinder selbst falsch wahrnehmen.

Die Wichtigkeit des Selbstwertgefühls bei Jugendlichen

Das Selbstbewusstsein von Jugendlichen nimmt Einfluss auf ihr Leben und ihre Entscheidungen, ihre Beziehungen und ihre schulische Anerkennung. Deswegen ist es wichtig, zu erwähnen, dass ein geringes Selbstwertgefühl bei Jugendlichen zu riskanten Gewohnheiten führen kann, die sogar den Konsum von Drogen, Gewalt, Essstörungen, riskante Sexualpraktiken, etc. einschließen. Ganz zu schweigen davon wie anfällig sie für Werbung durch Sekten oder gewaltverherrlichende Gruppierungen sind.

Junge glueckliche Frau

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass das Selbstwertgefühl von Jugendlichen die Grundlage für ihre Zukunft als Erwachsener ist. Das Leben ist so schon schwierig genug, auch wenn man ein gutes Selbstbild besitzt, so dass man seine Wichtigkeit nicht ignorieren oder missachten sollte.

Ratschläge, um das Selbstwertgefühl eines Jugendlichen zu steigern

Auch wenn es keine einfache Aufgabe ist, versuchen Mütter und Väter für gewöhnlich alles in ihrer Macht Stehende, um das Selbstbewusstsein ihrer heranwachsenden Kinder zu stärken. Im Folgenden findest du ein paar Tipps, damit dir das bei deinem Kind gelingt.

Grenzen setzen und die Erwartungshaltung verdeutlichen

Jugendliche brauchen auch Grenzen, aber sie müssen ihrem Alter entsprechen. Bereits in der Kindheit sind Grenzen wichtig, in der Jugend sind sie aber unabdingbar, wenn wir möchten, dass unsere Kinder in Sicherheit groß und verantwortungsbewusst werden. Aus diesem Grund müssen wir ihnen Grenzen setzen und ihnen unsere Erwartungshaltung verdeutlichen, die an die Bedürfnisse des Jugendlichen angepasst sind, damit sie sein Wachstum fördern und nicht gegen ihn arbeiten.

Während der Jugendjahre kommen neuartige Situationen vor, die von den Eltern auch einmal nicht kontrolliert werden sollten. Aspekte wie das Ausgehen mit Freunden, der Gebrauch von Handys oder die Entdeckung der Sexualität sind unter anderem Themen, die besprochen, diskutiert werden müssen und hinsichtlich dessen Abmachungen getroffen werden sollten, damit beide Seiten sorgenfrei sein können. Hier ist das Verhandlungsgeschick der Eltern gefragt, um Regeln aufzustellen, die der Jugendliche akzeptiert, ohne dass nur allzu gern gegen diese Regeln verstoßen wird.

Die Kommunikation mit Jugendlichen sollte immer präsent und offen sein, eine flexible Beziehung unterstützen, in der Eltern von der benötigten Autorität Gebrauch machen, ohne aber autoritär zu sein. Die Grenzen sollten klar definiert sein und konkrete Werte vermitteln.

Mit Lob sollte nicht hinterm Berg gehalten werden

Wir sind so darauf fixiert, dass unsere Kinder immer das Beste von sich selbst geben und sich stets übertrumpfen, dass wir uns zu oft nur auf das konzentrieren, was sie nicht so gut gemacht haben oder worin sie sich verbessern könnten. Auch wenn es notwendig ist, dass sich Jugendliche Ziele vor Augen führen, ist es ebenfalls wichtig, dass sie wissen, wenn sie etwas gut gemacht oder sich sogar selbst übertroffen haben, auch wenn noch ein weiter Weg vor ihnen liegt.

Genauso wenig sollten wir vergessen, dass Jugendliche besonders dann Lob brauchen, wenn sie Fähigkeiten ausleben, zu deren Entwicklung sie sich selbst entschlossen haben oder wenn sie bei einer eher ungewöhnlichen Tätigkeit hervorstechen. Auch wenn die Vorlieben und das Streben der Kinder nicht mit dem der Eltern übereinstimmt, muss das respektiert und ihr Wert anerkannt werden. Wir sollten daran denken, dass es letztendlich ihr Leben ist, das in unserer Hand liegt, auch wenn ihr Reifegrad es uns noch nicht erlaubt, ihnen die vollständige Unabhängigkeit zu gewähren.

Wir dürfen sie aber nicht mit Lob überschütten und alles andere außer Acht lassen. Ein Lob, das zum Ausdruck gebracht wird, kann einen Nutzen als Motivationsschub haben, aber im Überfluss hat das meist negative Konsequenzen. Das ist vor allen Dingen der Fall, wenn der Jugendliche immer und immer wieder gelobt und das von materiellen Belohnungen begleitet wird, was nichts mehr mit der Anerkennung der Bemühungen zu tun hat.

Die eigene Meinungsbildung fördern

Jugendliche geben gern ihren Senf dazu. Dadurch fühlen sie sich älter und sie können im Mittelpunkt stehen. Außerdem können sie somit einer ihrer Lieblingstätigkeiten nachgehen: dem Streiten. Das ist aber vollkommen normal und muss auch so sein.

Vater mit jugendlichem Sohn

Es gibt jedoch genügend Umstände, unter denen Jugendliche die Meinung anderer übernehmen, weil sie keine eigenen Bewertungskriterien haben, um sich eine Meinung zu bilden. Und geleitet von ihrem Irrglauben, dass derjenige, der am lautesten ist oder am meisten Argumente bringt, der Stärkere ist, übernehmen sie eine Meinung, ohne weiter darüber nachzudenken.

Als Eltern sollten wir die eigene Meinungsbildung bei unseren Kindern fördern, ohne ihnen unsere eigene oder die anderer aufzuzwingen. Wir müssen ihnen eine offene Weltanschauung vermitteln und ihnen eine Vielzahl an Erfahrungen bieten, die es ihnen ermöglichen, frei zu denken.

Die Entscheidungsfindung unterstützen

Jugendliche müssen auch lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, die Verantwortung für diese zu übernehmen und sich gemäß ihrer persönlichen Werte zu etwas zu entschließen. Gute Eltern erlauben ihren jugendlichen Kindern, dass sie allein zu einem Entschluss kommen, in Einklang mit ihren eigenen Vorlieben und Sehnsüchten eine Wahl treffen, sofern sie dadurch keinem großen Risiko ausgesetzt sind. Kommen wir kurz zu dem Beispiel des Kindes zurück, das lernt, zu laufen: Wir müssen es seinen eigenen Weg gehen lassen, solange dort keine Stolpersteine auf es warten, die ein Risiko für sein Leben darstellen könnten.

Doch damit endet das Thema noch nicht. Eltern sollten dabei helfen, dass ihre Kinder kohärente Entscheidungen fällen und gemäß des getroffenen Entschlusses handeln. Auch ist es ratsam, ihnen zu ermöglichen, dass sie selbst die Konsequenzen für ihr Handeln und ihre eigenen Entscheidungen tragen. Wir sollten ihnen immer dabei unter die Arme greifen, wenn es ein Problem zu lösen gilt, aber die Hände müssen sie sich schon selbst schmutzig machen.

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