Traumata in der Kindheit führen zu Depressionen im Erwachsenenalter

11. Juli 2016 en Psychologie 0 Geteilt
Mädchen verliert das Gleichgewicht

Keine Phase unseres Lebens erleben wir gleichzeitig so intensiv und wunderschön, sind in dieser so verletzlich wie in unserer Kindheit. Diese ersten Erfahrungen und besonders Traumata in der Kindheit prägen für immer nicht nur einen großen Teil unseres Lebensweges, sondern auch die Vorstellung, die wir von ihm haben. Die Verbindung, die wir zu unseren Beschützern, zu unseren Eltern, aufbauen, die uns leiten, sich um uns kümmern und uns versorgen, ebnet unseren Entwicklungsprozess, um zu selbstsicheren und autonomen Persönlichkeiten heranzuwachsen.

Doch wenn wir Traumata in der Kindheit erfahren, wie zum Beispiel durch Gewalt, Missachtung oder einen Schicksalsschlag, ist das ein Einschnitt in die Kindheit; eine Spur, die für immer bleibt. Das ist leider eine Tatsache. Und als Kinder sind wir kleine Menschen, die noch nicht dazu in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen, und noch weniger verstehen wir, wieso es das „Böse“ oder Tragödien im Leben überhaupt geben muss. Wir müssen diese bittere Pille einfach schlucken.

Psychiater bezeichnen diese Situationen mit dem Begriff „frühkindlicher Stress“. Dahinter verbergen sich physische oder emotionale Wunden, die einen großen Einfluss auf unseren Entwicklungs- und Reifeprozess haben. Diese tiefe Wunde verursacht durch Stress und Leid tragen wir für immer in uns oder mit uns herum und das führt dazu, dass wir im Erwachsenenalter ein höheres Risiko haben, an irgendeiner Art von Depression zu erkranken.

Kind spielt allein mit sich selbst

Fehlende Liebe in der Kindheit ist eine der Hauptursachen der Depression

Es müssen nicht immer gleich solche Extremfälle wie ein Missbrauch oder eine Misshandlung in der Kindheit sein. Oftmals fühlen Kinder später im Erwachsenenalter eine große Leere oder weisen emotionale Defekte auf, wenn sie ohne gute Familienverhältnisse oder mit Eltern aufgewachsen sind, die nicht wussten, wie sie diese so bedeutende Verbindung zu ihren Kindern hätten stärken können oder es erst gar nicht wollten.

Eine gesunde, glückliche und integre Kindheit ist dafür verantwortlich, dass ein Kind mit dem Gefühl aufwächst, geliebt zu werden; dass es bei jedem seiner Schritte, Entscheidungen und Fehler auf die bedingungslose und einzigartige Unterstützung seiner Familie zählen kann. Die Entwicklung seines Selbstwertgefühls steht in Zusammenhang mit der gegebenen Liebe seiner Eltern. Seine Selbstwahrnehmung wird nicht verzerrt sein, weil es das Spiegelbild dessen ist, was es bis zu diesem Zeitpunkt immer erhalten hat – viel Liebe.

Aber wenn es stets nur mit Leere erfüllt wird, auf Missachtung und Zurückweisung stößt, wächst ein Kind nicht nur voller Unsicherheit auf, sondern verspürt auch einen gewissen Groll oder sogar Misstrauen. Doch wie kommt es so weit? Seine Bezugspersonen hätten es mit bedingungsloser Unterstützung und Liebe versorgen sollen, doch anstatt dessen waren sie distanziert und kalt, was es fast unmöglich macht, eine gesunde Beziehung mit einer anderen Person herzustellen. Misstrauen und Furcht sind dann an der Tagesordnung.

Traumata in der Kindheit – wie wir eine schwierige Kindheit hinter uns lassen

Psychiater sprechen in diesem Zusammenhang von der „biologischen Verletzlichkeit“. Das heißt: Alle dramatischen oder negativen Erfahrungen der Vergangenheit haben unseren Erfahrungsschatz geprägt und haben sich in unser Gehirn eingebrannt. Ein hohes Stresslevel verändert viele unserer tiefsten Strukturen im Gehirn und formt sie neu, was aus uns zerbrechlichere Personen werden lässt, zu Menschen, die als Erwachsene leichter eine Depression bekommen können.

Soll das nun heißen, dass jeder, der Traumata in der Kindheit erlebt hat, zwangsläufig an einer Depression erkranken muss? Nein, dem ist nicht so.

Wir alle gehen mit traumatischen Geschehnissen anders um. Für manche sind die zuvor erwähnten Ereignisse aus der Vergangenheit eine Hürde, die sie nehmen wollen und für die sie Tag für Tag aufs Neue Anlauf nehmen. Sie wollen mit dem Vergangenen umgehen, es akzeptieren und sich ihm stellen, damit sie im Leben neue Möglichkeiten haben und wieder glücklich werden können.

Für andere hingegen ist diese biologische und emotionale Veranlagung noch immer schmerzlich. Es ist für sie nicht nur eine bleibende Erinnerung, sondern dieses Trauma nimmt Einfluss auf die Art und Weise, wie sie der Welt gegenüberstehen.

Traumata in der Kindheit

Das können Menschen sein, die das Vertrauen in sich selbst und in ihr Umfeld verloren haben. Sie können nur schwer Freundschaften knüpfen und noch schwieriger Liebesbeziehungen aufbauen. Sie fordern Liebe ein, aber sind unfähig, diese zu akzeptieren, weil sie noch immer fürchten, enttäuscht oder verletzt zu werden.

Das sind aus psychologischer Sicht Profile, die eine chronische Angst, Überempfindlichkeit und eine emotionale Verletzlichkeit innehaben, die einen täglichen Kampf bedeuten. Das Glück hat in diesen Fällen einen hohen Preis. Wie soll man also damit umgehen? Natürlich ist hier viel Fingerspitzengefühl, ein großer Wille und viel soziale Unterstützung gefragt.

Nachdem wir uns all diese Tatsachen angesehen haben, bleibt nur noch zu erwähnen, wie wichtig es ist, die Kindheit zu beschützen. Denke bitte niemals, dass ein Kind ein Erwachsener in Kleinformat ist. Ein Kind ist ein Mensch voller positiver Emotionen, der unzählige Erfahrungen voller bedingungsloser Liebe, Wörter und Verbindungen braucht.

Ein Kind kann nicht wie ein Erwachsener verstehen, wieso andere erwachsene Menschen ihn schlecht behandeln können. Er kann sich auch nicht selbst verteidigen. In jungen Jahren prägen ihn seine Erfahrungen auf Lebenszeit – vergiss das bitte nicht. Kümmere dich stets um unsere kleinsten Erdbewohner. Und wenn du eine schwierige Kindheit erleben musstest, dann erinnere dich immer daran, dass die Glückseligkeit niemandem verwehrt wird und dass es es wert ist, sich in Akzeptanz zu üben, Traumata aus der Kindheit hinter sich zu lassen und nach vorn zu blicken.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Lucy Cammpbell

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