Wenn wir Groll hegen, sterben wir Stück für Stück

· 7. Juni 2016

Die Tochter kommt heim und sagt zu ihrem Vater: „Papa, ich halte die Nachbarin nicht mehr aus! Ich könnte sie umbringen, aber ich habe Angst, dass sie mich entdecken. Kannst du mir dabei helfen?“

Der Vater antwortet: „Na klar, mein Schatz. Es gibt jedoch eine Bedingung. Du musst dich mit ihr zuvor versöhnen, damit niemand dich verdächtigt, wenn sie stirbt. Du musst dich gut um sie kümmern, freundlich sein, dankbar, geduldig, herzlich, weniger egoistisch, dich immer erkenntlich zeigen, ihr mehr zuhören. Siehst du dieses Pulver? Schütte jeden Tag ein kleines bisschen in ihr Essen. So wird sie ganz langsam sterben.“

Nach 30 Tagen kehrt die Tochter zu ihrem Vater zurück und sagt: „Ich will schon gar nicht mehr, dass sie stirbt. Ich mag sie. Und jetzt? Was kann ich machen, um das Gift unwirksam zu machen?“

Der Vater antwortet daraufhin: „Mach dir keine Sorgen. Was ich dir gegeben habe, war Reispulver. Sie wird nicht sterben, weil das Gift in dir selbst war.“

Wenn wir Groll hegen, sterben wir Stück für Stück. Lasst uns lernen, mit denen Frieden zu schließen, die uns beleidigen oder schaden. Lasst uns lernen, andere so zu behandeln, wie wir selbst gern behandelt werden würden. Lasst uns lernen, die Initiative zu zeigen, um zu lieben, zu geben, zu spenden, zu bedienen, zu schenken und nicht nur selbst gewinnen und bedient werden zu wollen.

Sonne halten

Wenn jemand dir schadet, ist es so, als ob dich eine Schlange beißen würde. Aber egal ob die Wunde groß oder klein ist, sie kann immer geschlossen werden und heilen.

Der Therapeut José Antonio García stellte fest, dass die Rache und die Suche nach Gerechtigkeit auf jeden Fall die am häufigsten vorkommenden Gifte sind. Diese Gifte können in uns über Jahre hinweg wirken, uns von innen auffressen und dafür sorgen, dass wir Freude und Hoffnung verlieren.

Groll zu hegen ist menschlich. Aber zu vergeben ist ebenso menschlich wie Fehler zu machen. Man sagt, dass der, der nicht liebt, nicht vergibt. Es ist die Liebe, die uns verzeihen lässt. Die Liebe für andere, für das Leben, für die Welt und für uns selbst.

Wahre Vergebung gibt es nur in liebevoller Absicht. Das Hauptmotiv der Vergebung kann Freundlichkeit oder Verantwortung sein, aber was auch immer es ist, der einzige Weg, Vergebung zu erreichen, ist durch Liebe.

Man könnte sogar sagen, dass Vergebung ein Synonym für Freiheit ist. Wenn wir nicht von Groll, Ängsten oder den Hass auf jemand anderen zurückgehalten werden, gibt es nichts, dass uns im Gefängnis des Grolls festhalten kann.

Tatsächlich haben wir nur dann unsere emotionalen Wunden geheilt, wenn wir über unsere Vergangenheit und unseren Schmerz sprechen können, ohne in Tränen auszubrechen. Vergebung bedeutet jedoch nicht, dass wir die Vergangenheit oder den Schmerz vergessen. Vergeben eröffnet uns neue Möglichkeiten, sich zu erinnern und auf die Gegenwart und Zukunft zu blicken.

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Vergebung ist notwendig für die emotionale Freiheit

Vergebung ist unerlässlich, um emotionale Freiheit und damit unser mentales Wohlbefinden zu erreichen. Es mag uns viele Mühen kosten, aber es ist der einzige Weg, um uns zu heilen. In den folgenden Tipps erklären wir dir, wie du das erreichen kannst:

1. Erkenne deinen Schmerz an

Das ist der einzige Weg, um sich emotional zu distanzieren und mit der Person, die dich verletzt hat, Empathie aufzubauen. Das erlaubt dir, zu analysieren, aus welchen Gründen diese Person so gehandelt hat. Dies wiederum trägt dazu bei, dein Bedürfnis zu vermindern, die ganze Schuld auf andere zu schieben und ihnen eine bestimmte Absicht zu unterstellen.

2. Entscheide dich für die Vergebung

An dieser Stelle werden wir einen Angelhaken als Metapher nutzen, um Groll und Vergebung zu beschreiben.

Wenn Menschen uns verletzen, ist es, als hätte sich ein Angelhaken in unser Herz gebohrt, der einen großen Schmerz verursacht. Wir möchten ihnen geben, was sie verdienen, und sie den gleichen Schmerz erfahren lassen, sie an demselben Angelhaken aufspießen. Wir wollen Gerechtigkeit, damit sie das Gleiche erleiden wie wir. Während wir das tun, ist uns der Schmerz, den dieser Angelhaken verursacht hat, noch sehr präsent. Wenn wir versuchen, andere an den Haken zu bekommen, hängen wir selbst noch daran. Wenn wir Erfolg haben, befindet er sich zwischen uns und der Spitze des Hakens, was bedeutet, dass wir ihn zuerst gehen lassen müssen, um uns selbst zu befreien.

Wenn wir uns von dem Haken befreien, sollten wir darauf achten, den anderen nicht zu nahe zu sein, sonst könnten sie uns wieder damit einfangen. Und wenn wir uns eines Tages wieder annähern, muss das in dem Vertrauen geschehen, dass uns nicht erneut Schaden zugefügt wird. Diese Entscheidung kann nicht ohne Schmerz getroffen werden, aber entscheidend ist, was auf lange Sicht das Beste ist.

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3. Leid und Wut akzeptieren 

Es ist normal, wütend zu sein und sich verletzt zu fühlen, aber der einzige Weg, diesen Schmerz zu beenden, ist, unsere widersprüchlichen Emotionen, Gefühle und Gedanken in Einklang zu bringen.

4. Schütze dich selbst

Wenn wir das Geschehene analysieren und das Verzeihen zulassen, müssen wir immer noch auf Anzeichen von Gefahr achten. Wir müssen lernen, geistesgegenwärtig und wachsam zu sein, um uns in Zukunft vor Schmerzen zu schützen.

5. Es ist nicht genug, nur zu sagen: „Ich verzeihe dir.”

Jede Aussage kann völlig bedeutungslos sein. Wir glauben oft, wir hätten verziehen, aber der Groll brodelt noch in uns. Vergebung wird nicht ausgesprochen, sie wird gefühlt. Wenn negative Gedanken, Gefühle oder Emotionen immer wieder hochkommen, müssen wir den gesamten Prozess wiederholen. Bis wir in der Lage sind, den Schmerz, der uns auffrisst, zu beenden.

Wir müssen die Erinnerungen weiterhin ertragen, doch nicht den Schmerz. Auf diese Art wird das Leben viel leichter.