Drei Brandmarken der Kindheit, die für immer erhalten bleiben

15, Mai 2016 en Psychologie 1477 Geteilt

Die Kindheit ist eine sehr paradoxe Zeit, in der wir in der Lage sind, im kürzesten Zeitraum die stärksten Fundamente aufzubauen, ohne es überhaupt zu bemerken. Mit vier Jahren beginnt sich bereits unsere Art des Seins zu definieren. Ab diesem Moment bleibt einem nur noch übrig, den Anstoß, den wir in unseren ersten Jahren bekommen haben, weiterzuentwickeln oder etwas abzuschwächen.

Die Kindheit hinterlässt Brandmarken, die für immer erhalten bleiben. Es sind unauslöschliche Spuren, die sich vor allem im Verhalten gegenüber uns selbst und anderen zeigen. Jedoch sind manche dieser Spuren etwas fortdauernder und tiefer, da sie einen immensen Einfluss auf den Verstand eines Kindes ausüben.

„Das beste Mittel, damit Kinder zu guten Menschen werden, ist, sie glücklich zu machen.“

Oscar Wilde

Im Folgenden werden wir über drei dieser Brandmarken sprechen, die sich uns während unserer Kindheit einprägen und die sich später nicht mehr auslöschen lassen.

Anderen bereits seit der Kindheit nicht vertrauen können

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Wenn ein Kind regelmäßig von seinen Eltern oder Bezugspersonen betrogen oder verraten wird, dann kann es nur sehr schwer zu anderen Menschen und sich selbst Vertrauen entwickeln. Es müsste stark gegen seine Neigung zum Misstrauen ankämpfen, um ein intimes Verhältnis zu einem anderen Menschen aufbauen zu können.

Ein Kind wird zum Beispiel betrogen, wenn man ihm Dinge verspricht, die man nicht einhalten will oder kann. Deshalb ist es wichtig, ihm schließlich auch das Spielzeug zu geben, welches man ihm versprochen hat, es auch wirklich in den Park mitzunehmen, wenn man gesagt hat, dass man dorthin gehen würde, oder das man ihm einfach die Zeit schenkt, die man versprochen hat, ihm zu geben.

Solche Verhaltensweisen können vielleicht von den Erwachsenen kaum wahrgenommen werden oder für sie keine Wichtigkeit haben. Aber für das Kind bedeuten sie eine Lehre darüber, was man generell von nahestehenden Personen erwarten kann.

Wenn ein Kind bemerkt, dass die Eltern lügen, dann wird es lernen, dass Worte keinen Wert haben. Es wird ihm dann später schwerfallen, anderen zu glauben und auch seine eigenen Worte werden nicht sehr glaubhaft sein. Diese Brandmarke bedeutet, dass es in seiner zukünftigen Entwicklung große Schwierigkeiten erwarten: Es wird ihm schwerfallen, Bindungen aufzubauen und ein wirklich intimes Verhältnis mit jemandem zu erreichen – einen Schutzraum, in dem es sich mit jemandem sicher fühlen kann.

Die Angst davor, verlassen zu werden

Das Kind, was sich stets allein, ignoriert oder verlassen gefühlt hat, fängt an, zu glauben, dass die Einsamkeit ein komplett negativer Zustand ist und neigt später oft dazu, eine der beiden folgenden Verhaltensweisen zu entwickeln: Entweder macht es sich übertrieben abhängig von anderen, sucht ständig nach jemandem, der es begleitet oder es beschützt, oder verzichtet als Vorsichtsmaßnahme vollständig darauf, sich auf irgendjemanden einzulassen, um nicht erneut verlassen zu werden und leiden zu müssen.

Diejenigen, die den Weg der Abhängigkeit einschlagen, werden jede Art von Beziehung tolerieren, Hauptsache sie müssen sich nicht einsam fühlen. Sie glauben, dass sie völlig unfähig sind, mit Einsamkeit umzugehen und sind deshalb dazu bereit, jeglichen Preis für eine Begleitung zu bezahlen.

Diejenigen, die der Angst vor dem Verlassenwerden versuchen, durch extreme Unabhängigkeit zu entkommen, sind am Ende unfähig dazu, die affektive Nähe von jemandem zu genießen. Für sie ist Liebe ein Synonym für Angst. Je mehr Affektion sie für eine andere Person empfinden, je größer wird ihre Angst und ihr Wunsch nach Flucht. Sie sind diese Art von Menschen, die herzliche Beziehungen abbrechen, nur um nicht weiter die Angst zu spüren, die ein eventueller Verlust dieser Person bei ihnen auslöst.

Die Angst vor Ablehnung

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Das Kind, das stets von seinen Eltern als minderwertig und unfähig abgestempelt wurde, wird später oft zu seinem eigenen Feind. Es führt einen beständigen inneren Dialog, während dem es sich ständig Dinge vorwirft und sich selbst herabwürdigt.

Dieses Kind wird in seinem Erwachsenenleben wahrscheinlich nie mit dem zufrieden sein können, was es macht, sagt oder denkt. Es wird immer einen Weg finden, um seine eigenen Pläne zu sabotieren und es wird ihm sehr schwerfallen, zu akzeptieren, dass es auch Tugenden und gute Eigenschaften hat. Es wird fühlen, dass es niemandes Zuneigung oder Verständnis verdient hat und sieht es als vollkommen wertlos an, anderen seine Liebe und Zuneigung zu zeigen.

Generell werden sie zu isolierten und scheuen Erwachsenen, die in sozialen Situationen Panik spüren. Gleichzeitig sind sie extrem abhängig von der Meinung anderer. Mit der geringsten Kritik konfrontiert werten sie sich selbst komplett herab, da sie nicht zwischen einer objektiven Beobachtung und einer persönlichen Attacke unterscheiden können.

Wenn das Kind nicht nur abgelehnt sondern auch erniedrigt wird, dann sind die Konsequenzen noch schwerwiegender. Die Erniedrigungen hinterlassen Gefühle aufgestauter Wut, die sich in ein Gefühl beständiger Unfähigkeit verwandeln, wodurch sich oft tyrannische und unsensible Personen entwickeln, die danach trachten, auch andere zu erniedrigen.

Die Brandmarken, die diese Erfahrungen der Kindheit hinterlassen, sind nur sehr schwer zu verändern. Jedoch soll das nicht heißen, dass man sie nicht etwas abschwächen oder besänftigen kann, um ihren Einfluss auf das Leben zu lindern. Der erste Schritt besteht darin, anzuerkennen, dass sie existieren und dass man an ihnen arbeiten muss, damit sie nicht den Rest unseres Lebens bestimmen.

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