5 Schlüssel, emotionale Abhängigkeit zu überwinden

28, April 2016 en Psychologie 262 Geteilt

Uns menschliche Wesen könnte man auch als „soziale Tiere“ bezeichnen. Wir brauchen den Anderen – diese Tatsache steht außer Frage. Aber in welchem Maße brauchen wir ihn? Wo müssen wir die Linie ziehen, die entscheidet zwischen einer gesunden Verbindung und einem Zustand der emotionalen Abhängigkeit?

Der Kontakt zu anderen ist notwendig für unsere Entwicklung. Kinder brauchen jemanden, der sich um sie kümmert – jemanden, der ihnen nicht nur zu essen gibt, sondern ebenfalls menschliche Wärme und Zuneigung. Wenn wir aufwachsen, ist es für ein erfülltes Leben notwendig, dass wir von einem sozialen Umfeld umgeben sind: von Verwandten, Freunden und von einem Partner.

Aber es ist eine Sache, einfach nur generell über das Bedürfnis nach sozialen Kontakten zu sprechen. Eine andere ist, über konkrete Beziehungen, in denen wir selbst stecken, zu reden und sich zu fragen, in welchem Zustand sich diese gerade befinden.

Emotionale Abhängigkeit

Gerade in einer Liebesbeziehung ist es oft so, dass emotionale Abhängigkeits- und Suchtstrukturen Einzug halten. Dann dient uns diese Beziehung nicht mehr als Stütze, sondern entwickelt sich vielmehr zu einem Hindernis für das Wachstum und sogar für die geistige Gesundheit der beiden Partner.

Herz Schloss

Wenn du mit deiner eigenen Beziehung nicht glücklich bist, könnte das vielleicht deswegen sein, weil du in einem solchen Zustand der Abhängigkeit lebst. Um dies herauszufinden, führen wir hier ein paar Dinge auf, die ein Zeichen dafür sein können, dass es da ein gewisses Maß an emotionaler Abhängigkeit zu deinem Partner gibt.

  1. Zuallererst gilt: Wenn du in deiner Beziehung leidest (wenn du zum Beispiel vorwiegend Traurigkeit oder Angst empfindest), dich aber nicht in der Lage fühlst, etwas an der Beziehung zu ändern oder den anderen gar zu verlassen, ist es sehr wahrscheinlich, dass es in dieser Beziehung ein bestimmtes Maß an emotionaler Abhängigkeit gibt. Beziehungen gestalten sich kompliziert und sie bedürfen auch der Anstrengung – aber nicht des konstanten Leides.
  2. Ein sehr konkreter Hinweis für eine Abhängigkeit ist, dass es für dich keinerlei Aktivitäten mehr außerhalb dieser Beziehung gibt. Dies kann ein Hobby sein, dein Studium, die Karriere, deine Freunde. Wenn alles, was du tust, mit deinem Partner zu tun hat, dann gibt es in deiner Beziehung wahrscheinlich Abhängigkeits- oder Suchtstrukturen.
  3. Ein weiteres Zeichen für eine Abhängigkeit zu deinem Partner ist die Unfähigkeit, allein zu sein. Vielleicht hast du dich so sehr daran gewöhnt, alles mit deinem Partner zu teilen, dass du nun nicht mehr weißt, was du tun sollst, wenn du allein bist – oder es ist auch möglich, dass du dann von Sorgen überwältigt wirst: von der Sorge, dass dem Partner etwas zustoßen könnte oder von der Sorge darüber, was er jetzt wohl tun mag.
  4. Vielleicht hast du auch Gedanken, dass du ohne diese Person nicht mehr leben könntest oder dass dein Leben ohne die Person keine Bedeutung mehr hätte und dass diese Person dein ganzes Leben ausmacht. Solche Gedanken sind charakteristisch für eine Abhängigkeitsstruktur in der Beziehung.
  5. Eifersucht ist oftmals ein weiterer guter Indikator für eine abhängige Beziehung. Ihr Ursprung hat oft mit Unsicherheit und einem Mangel an Kommunikation zu tun.

Emotionale Abhängigkeit kann viele verschiedene Gründe haben. In manchen Fällen ist es so, dass wir es nicht gelernt haben, Leid in unserem Leben auszuhalten. Aus diesem Grund sind wir nicht dazu in der Lage, den Partner zu verlassen, der uns eigentlich verletzt, weil wir so viel Angst vor der Veränderung oder vor dem Alleinsein haben. In extremen Fällen kann es sogar sein, dass wir dazu nicht in der Lage sind, obwohl wir Misshandlung erdulden müssen.

In anderen Fällen sind es Probleme mit dem eigenen Selbstwertgefühl, die dazu führen, dass wir von unserem Partner abhängig werden, um uns gut zu fühlen, damit dieser uns bewundert und uns die Sicherheit gibt, die wir selbst in uns nicht finden können.

Was auch immer der Grund sein mag, am Ende ist die Abhängigkeit zu einem Partner immer das Problem der Person, die leidet. Sie muss an sich selbst arbeiten, um wieder gesunde Beziehungen leben zu können. Außerdem muss sie sich von bestimmten Erwartungen lossagen, von dem Wunsch, nicht allein zu sein, von der Eifersucht. Denn all diese Dinge werden letztlich die Beziehung zerstören.

„Lass nicht zu, dass dein Partner dein ganzes Wesen und dein Inneres so stark vereinnahmt, dass es da keinen Platz mehr für dich selbst gibt. Zu lieben bedeutet nicht, sich selbst aufzulösen.“

Walter Riso

Wie können wir emotionale Abhängigkeit überwinden?

Spaziergang Paerchen

  1. Das Erste, was du tun solltest, ist, ehrlich zu dir selbst zu werden und zu versuchen, die Wurzel für diese Abhängigkeit zu ergründen. Vielleicht hast du Angst davor, allein zu sein, weil du in deiner Vergangenheit niemals allein sein musstest. Oder vielleicht hängt dein Selbstwertgefühl immer von den Komplimenten deines Partners ab. Denke über diese Dinge nach, denn dies wird für dich eine entscheidende Grundlage dafür werden, das Problem überwinden zu können.
  2. Gehe das Thema Einsamkeit an. Suche dir Orte, wo du für dich allein und ohne deinen Partner du selbst sein kannst. Und vor allem, genieße diese Momente: Du könntest zum Beispiel Yoga machen, mit einer Gruppe von Leuten wandern gehen, dich für einen Foto-Workshop anmelden. Sicherlich wirst du irgendetwas finden, was dein Interesse weckt oder was du schon immer mal machen wolltest. Wichtig ist dabei, dass du erlebst, dass es da etwas in dir gibt, das nicht von deinem Partner abhängig ist.
  3. Werde dir deiner negativen Gedanken bewusst, vor allem solchen Dingen wie Eifersucht, Angst etc. und versuche, stärker als diese zu sein. Sobald du bemerkst, dass du wieder in eine Abwärtsspirale von negativen Gedanken hineinzugeraten drohst, geh nach draußen und spaziere ein wenig durch die Straßen, ruf jemanden an, mit dem du darüber reden kannst.
  4. Rede darüber auch mit deinem Partner. Kommunikation ist eine wichtige Grundlage für eine Beziehung. Es ist wichtig, dass du deinem Gegenüber von den Dingen, die du gerade durchlebst, erzählst, damit er versteht, dass du dich gerade nach Veränderung ausstreckst und hoffst, etwas zu erreichen. Auf diese Art wirst du in der Lage sein, dich selbst besser zu unterstützen und verstehen zu können.
  5. Und natürlich solltest du auch über die Option nachdenken, dir professionelle Hilfe zu suchen, wenn es dir nicht aus dir selbst heraus gelingt, eine Veränderung herbeizuführen.

Das Leben ist eine Reise des Lernens und wenn wir es schaffen, unsere Bürden, Sorgen und Ängste loszulassen, dann können wir alles viel mehr genießen. Vor allem werden dann unsere Beziehungen viel erfüllender sein.

Glaubst du, dass zwischen dir und deinem Partner ein Zustand der Abhängigkeit besteht oder dass dieser in der Vergangenheit bestanden hat? Wie bist du mit diesem Problem umgegangen? Was glaubst du heute tun zu können, um dieses Problem zu überwinden?