5 berühmte Philosophen und ihre Interpretation von Glückseligkeit

· 25. April 2016

Eine Definition für das Wort Glückseligkeit zu finden, ist eine Mammutaufgabe. Ein Mystiker interpretiert Glück ganz anders als ein Staatsmann oder als der Otto-Normal-Verbraucher. Sowohl im Alltag als auch in der Philosophie begegnen uns verschiedene Auffassungen vom Glück.

Im Verlauf dieses Artikels findest du ein paar dieser philosophischen Auffassungen.

„Alle sterblichen Wesen sind auf der Suche nach der Glückseligkeit – ein Zeichen dafür, dass sie keiner ihr Eigen nennen kann.“

Baltasar Gracián

Aristoteles und die metaphysische Glückseligkeit

Für den bedeutendsten metaphysischen Philosophen, Aristoteles, ist Glück das maximale Streben aller menschlichen Wesen. Seiner Meinung nach liege der Schlüssel zur Glückseligkeit in unseren Tugenden verborgen. Wenn wir unsere Fähigkeiten also in vollen Zügen ausschöpfen, werden wir glücklich sein.

Laut der Aussage von Aristoteles ist damit kein bestimmter Zustand gemeint, es handele sich hierbei vielmehr um einen Lebensstil. Charakteristisch für diesen Lebensstil sei, dass jeder Mensch das Beste aus sich herausholen solle.

Um das vollkommene Glück zu finden, muss man ebenfalls behutsam mit dem Charakter umgehen und einen guten „Daimon“ (gutes Schicksal oder ein glückliches Händchen) besitzen. Daher ist seine These über die Glückseligkeit auch unter dem Namen „Eudaimonie“ bekannt.

Aristoteles stellte die philosophischen Weichen für das Christentum. Aus diesem Grund sind sich die Denkansätze dieses Philosophen und die Prinzipien der jüdisch-christlichen Religionen sehr ähnlich.

Statue von Sokrates

Epikur und die hedonistische Glückseligkeit

Epik war ein griechischer Philosoph, der in vielerlei Hinsicht den Metaphysikern widersprach. Beispielsweise glaubte er nicht, dass das Glück einzig und allein mit der spirituellen Welt zu tun habe, sondern auch mit irdischen Gegebenheiten.

Er gründete die sog. epikureische Schule, nach dessen Prinzipien er lebte und philosophierte.

Seiner Auffassung nach würde die Glückseligkeit durch Gleichgewicht und Enthaltsamkeit bestimmt. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in einem seiner bekanntesten Zitate wieder: „Nichts ist gut genug für jemanden, für den das Nötigste wenig ist.“

Er dachte, dass die Liebe wenig mit Glück zu tun habe, die Freundschaft allerdings viel. Er hielt auch an dem Glauben fest, dass man nicht für Güter arbeiten solle, sondern um das zu lieben, was man macht.

Nietzsche und die kritische Glückseligkeit

Nietzsche ist der Meinung, dass ein Leben in Hülle und Fülle und ohne jegliche Besorgnis ein eigener Wunsch mittelmäßiger Personen sei, die dem Leben nicht mehr Wert zuschreiben würden.

Er steht dem Glück kritisch gegenüber. Glück bedeutet seiner Auffassung nach, dass es einem gut gehe, weil die Bedingungen günstig seien oder es das Schicksal gut mit einem meine. Jedoch sei das nur ein Zustand von kurzer Dauer, der jederzeit wieder vorbei sein könne.

Glückseligkeit ist demnach ein „mieser Verräter“, weil Sorglosigkeit und eine sorglose Zeit nicht ewig währt.

Er denkt, dass Glück in unserer eigenen Kraft, jegliche Hürde zu überwinden, die uns unsere Freiheit und Selbstbestätigung nimmt, zu finden sei.

Glücklich sein bedeutet demnach, dazu in der Lage zu sein, die Willenskraft auszutesten, indem wir dem Schicksal trotzen und uns unser eigenes erschaffen.

Nietzsche

José Ortega y Gasset und Glückseligkeit als glücklicher Zufall

Für Ortega y Gasset entsteht Glück, wenn „das vorgestellte Leben“ und „das wahre Leben“ übereinstimmen, das heißt, wenn unsere Wünsche der Realität entsprechen.

Dieser Philosoph sagte einst:

„Wenn wir uns fragen, worin dieser ideale spirituelle Zustand namens Glückseligkeit besteht, kommen wir ganz leicht auf diese Antwort: Das Glück besteht darin, etwas zu finden, was uns wirklich befriedigt.

Genauer genommen führt uns diese Aussage zur nächsten Frage: Worin besteht dieser subjektive Zustand vollkommener Befriedigung? Und welche objektiven Bedingungen müssen gegeben sein, um uns zufrieden zu stellen?“

Demnach hätte jeder Mensch das Potenzial und den Wunsch, glücklich zu sein. Das soll heißen, dass jeder Einzelne selbst definiert, welche Realitäten ihn glücklich machen können. Wenn es ihm gelingen sollte, diese zu verwirklichen, wäre seine Suche nach der Glückseligkeit also beendet.

Slavoj Zizek und die paradoxe Glückseligkeit

Dieser Philosoph ist davon überzeugt, dass Glück abhängig von der eigenen Meinung und nicht von der Wahrheit sei. Er betrachtet es als ein Produkt der kapitalistischen Werte, die vollkommene Befriedigung durch Konsum versprechen.

Doch im Inneren sei der Mensch unzufrieden, weil er in Wahrheit gar nicht wisse, was er wirklich will.

Jeder von uns würde glauben, dass er glücklich wäre, wenn er an etwas Bestimmtes gelangen würde (durch den Kauf eines Gegenstandes, einen besseren Status, etc.). Doch unterbewusst würden wir etwas anderes wollen und daher seien wir unglücklich.

Und wie interpretierst du das Wort „Glückseligkeit“?