Das Alter beginnt da, wo die Neugier aufhört

· 12. Juli 2016

Wenn es etwas gibt, was uns wirklich bewegt, dann ist es Neugier und der Drang danach, neue Dinge, Welten und Erfahrungen kennenzulernen. Neugier ist uns angeboren und sie bleibt unser ganzes Leben lang bei uns: in dem Moment, in dem wir spüren, dass uns nichts zum Lernen motiviert, haben wir ein Problem.

Das ist der große Grund dafür, dass uns der portugiesische Schriftsteller Saramago einst gesagt hat: „Das Alter beginnt da, wo die Neugierde aufhört.“  Mit anderen Worten, wir assoziieren Jugend mit Vitalität und dem Wunsch danach, die Welt ohne Grenzen zu genießen, während wir hohes Alter mit Zufriedenheit mit dem Leben und dem Verlust vom Drang danach, die Dinge um uns herum zu entdecken, in Verbindung bringen.

„Ich könnte nicht, egal in welchem Alter, zufrieden meinen Platz neben dem Feuer einnehmen und es einfach nur anschauen. Das Leben ist da, um es zu leben. Neugier muss am Leben erhalten werden. Man darf niemals, ganz egal aus welchem Grund, dem Leben den Rücken zuwenden.“

Eleanor Roosevelt

Neugier: ein charakteristisches Merkmal von Kindern

Bestimmt hast du schon mal gesehen, dass Kinder, besonders in ganz jungen Jahren, den Drang danach haben, Extreme kennenzulernen. Sie sind voller Energie, die sie dazu bewegt, alles zu hinterfragen, alles zu wollen und alles anzufassen, was ihnen über den Weg läuft. Das ist normal, sie wachsen, und sie wollen wissen, wo sie sind und was das Leben ihnen bieten kann.

Kinder

Bis zu einem gewissen Grad ist das der erste Schritt in ihrem Lernen als Menschen, und wir Erwachsenen sind diejenigen, die dazu verpflichtet sind, sie zu ermutigen, diese Neugier beizubehalten und auf eine positive und intelligente Art und Weise zu entwickeln. Wir haben auf die gleiche Art gelernt, unsere fortwährende Neugier zu behalten, die Art von Neugier, die uns bewegt und es uns ermöglicht, Herausforderungen zu bewältigen: Das ist es, was uns jung (und mehr wie Kinder) fühlen lässt.

„Ich denke, dass nichts bleibt, wenn wir unsere Neugier verlieren; wir betrachten nicht mehr, erwerben kein Wissen, weil wir nicht versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wenn du an Neugier verlierst, verlierst du an Leben.“

Luis Eduardo Aute

Das umgekehrte U der Neugier

Es wurden viele Studien durchgeführt mit dem Ziel, Neugier zu verstehen. Kurz gesagt haben diese Studien gezeigt, dass wir neugieriger sind, wenn wir schon ein bisschen über ein bestimmtes Thema wissen und mehr darüber erfahren wollen. In diesen Fällen kann Neugier wie ein auf dem Kopf stehendes U verstanden werden, wobei von links nach rechts unser Wissen zunimmt und wir auf dem Gipfel des U maximale Neugier erreichen.

Diese Erkenntnis steht in Verbindung zu anderen Studien, die gezeigt haben, dass Neugier, Lernen und Gedächtnis eine solide Trias bilden: Neugier lässt uns motiviert lernen und so Erlerntes kann besser behalten werden.

Wie man Neugier fördert

Mit allem, was bis jetzt erwähnt wurde, können wir verstehen, dass hohes Alter oft mit fehlender Neugier in Verbindung gebracht wird: Nichts mehr lernen zu wollen kann man mit dem Verlust des Sinn des Lebens vergleichen. Es ist wichtig, dass wir immer etwas Neugier in uns haben, die Art von Neugier, die uns dazu gebracht hat, an Türen zu lauschen oder Amerika zu entdecken. Dank ihr haben wir viele Fortschritte in allen vorstellbaren Forschungsgebieten gemacht.

Wie schon gesagt, ist der beste Weg, diese Neugier zu fördern, Kinder zu stimulieren, ihre Welt zu entdecken. Hier betrachten wir einige Möglichkeiten, wie wir dies tun können:

  • Vorstellungskraft entwickeln: Experimentiere und lass sie experimentieren, versuche, deine tägliche Routine in neue „Ausflüge“ zu verwandeln, auf denen du jeden Tag etwas Neues lernst.
  • Gehe mit gutem Beispiel voran: Wenn du willst, dass Kinder etwas lernen, dann gib immer ein Beispiel für das an, was du sagst. Wenn sie sehen, dass du selbst noch immer Neugier besitzt, und das auch für die alltäglichen Dinge, dann werden sie es auch tun.
  • Antworte auf ihre Fragen: Es nützt überhaupt nichts, einem Kind mit „darum“  auf eine Frage zu antworten, außer dass es dann ruhig ist. Versuche, ihnen eine zusammenhängende Erklärung zu geben, sodass diese Erklärungen nach und nach dazu führen, dass sie dir noch mehr Fragen stellen.
  • Lass sie selbst Dinge tun: Kinder müssen selbst herausfinden, dass sie Fehler machen können, und dass das notwendig für sie ist, um zu lernen. Wenn du ihnen die Chance gibst, das zu verstehen, dann wirst du ihnen dabei helfen, mit schwierigen Situationen umzugehen, und gleichzeitig ihre Kreativität fördern.
Luftballonkinder

„Glücklicherweise hat uns die Natur mit einer irrationalen Neugier für die einfachsten Dinge ausgestattet. Das rettet mich. Neugier ist die einzige Sache, die mich über Wasser hält. Alles andere macht mich krank.“

Pedro Almodóvar