Wie wirkt sich die Erwachsenen-Bindung auf die Entwicklung der Kinder aus?

29. Juli 2019
Die Vererbung der Bindung unserer Eltern ist ein sehr einflussreicher Faktor für die Erziehung unserer Kinder - und in vielen Fällen betrifft dies natürlich auch ihre Zukunft. Denk also stets daran: Eine sichere Bindung ist eines der besten Geschenke, die wir der nächsten Generation machen können.

Eltern zu sein ist keine leichte Aufgabe. Man muss auf viele Faktoren Acht geben, die die Entwicklung der Kinder beeinflussen können. Doch, was geschieht mit jenen Faktoren, die wir nicht kontrollieren können? Jene, die ein Teil von uns sind und die elterliche Bindung beeinflussen? In welchem Verhältnis steht die Bindung der Eltern mit der Entwicklung der Kinder und mit dem Klima, das in der Familie herrscht?

Wir werden geboren und brauchen einander. So wie die Motten vom Licht angezogen werden, brauchen wir affektive, stabile und intensive Bindungen. Aus diesem Grund werden wir als biopsychosoziale Wesen betrachtet, wobei die soziale Interaktion ein wesentlicher Faktor für die kognitive und die emotionale Entwicklung ist.

„Das Verhalten von Kindern spiegelt jenes der Eltern wider. Erkunde, was dich davon abhält, dich selbst zu lieben und versuche dich davon zu befreien. Sei auf diese Art und Weise ein wunderbares Beispiel für deine Kinder.“

Louise Hay

Dank Forschern von der Größe von John Bowbly, Peter Fonagy und Mary Ainsworth wissen wir heute, wie wichtig die Bindung für unsere Entwicklung ist. Wir wissen zum Beispiel, dass jener Bindungsstil, der in unserer Kindheit Anwendung gefunden hat, ein internes Modell oder eine relationale Beziehungskarte darstellt, die uns als Stern durch die affektive Reise unseres Lebens führt und in vielen Fällen den Typ von Beziehungen bestimmt, die wir suchen, haben und pflegen werden.

Doch es ist mehr als das. Dank der Beharrlichkeit solcher Untersuchungen und der intensiven Forschung der beständigsten theoretischen Konstruktion im affektiven Bereich, konnte bestätigt werden, dass sich diese Beziehungskarten, die uns prägen, im Laufe der Zeit durch unsere gelebten Erfahrungen oder auch durch neue Figuren unserer Bindung geformt haben. Ausgehend von dieser Definition wurde damit begonnen, über die elterliche Bindung zu sprechen.

„Die Erwachsenen übernehmen charakteristische Bindungsstile im Kontext affektiver Situationen.“

Cindy Hazan und Phillip Shaver

Hände, die ineinander liegen

Welche Bindungsmodelle gibt es?

Laut Bartholomew, einem kanadischen Psychologen, polarisieren die erwachsenen Bindungsmodelle zwischen einem negativen und einem positiven Pol. Auf diese Art und Weise können die negativen Bindungsmodelle diejenigen Menschen definieren, die den Glauben aufrechterhalten, dass sie von den anderen abgelehnt werden, sie auf Distanz halten oder sich nicht um einander kümmern.

Ganz im Gegenteil dazu definieren die positiven Bindungsmodelle diejenigen, die glauben, dass der andere stets verfügbar ist und sich um einen kümmert. Aus dieser Klassifizierung ergeben sich verschiedene Formen der Bindung von Erwachsenen:

  • Die sichere Bindung: Der Mensch würde eine positive Vorstellung von sich und anderen entwickeln. Es ist mit einem geringen Maß an Angst und Vermeidung verbunden, was den Kontakt und die Intimität mit anderen Personen erleichtert.
  • Die vermeidende Bindung: Die Person würde eine positive Vorstellung von sich selbst entwickeln, doch eine negative Vorstellung von anderen. Dieses Bindungsmodell zeichnet sich durch ein geringes Maß an Angst, aber eine hohe Vermeidung aus.
  • Die besorgte Bindung: Der Mensch würde eine negative Vorstellung von sich selbst (Selbstkonzept), jedoch eine positive Vorstellung von anderen entwickeln, was ein hohes Maß an Angst und eine geringe Vermeidung zur Folge hätte.
  • Die ängstliche Bindung: Der Mensch würde eine negative Vorstellung von sich selbst und auch von anderen entwickeln, was mit einem hohen Maß an Angst und ebenso einem hohen Maß an Vermeidung einhergeht.

Der Einfluss einer sicheren Bindung von Erwachsenen auf das Erziehungs- und Familienklima

Wie wir bereits besprochen haben, wirkt sich die Art der Bindung direkt auf die Art unserer Beziehungen aus. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Bindung von Erwachsenen nicht nur Auswirkungen auf unsere Paarbeziehungen hat, sondern auch auf die Beziehung, die wir mit unseren Kindern eingehen, ebenso wie auf das gesamte Klima in der Familie.

Studien zu diesem Thema bestätigen, dass Mütter mit einem sicheren Bindungsstil auf den Ausdruck und die Erfahrung positiver und negativer Erfahrungen reagieren, indem sie ihrem Kind bei dieser emotionalen Erfahrung helfen und auch dabei, diese zu verbalisieren.

Dies bringt ohne Zweifel einen günstigen Vorteil für die emotionale Entwicklung des zukünftigen Erwachsenen mit sich, was dazu führt, dass die zukünftige Identifikation und das emotionale Management, sowie auch die Selbstkontrolle erleichtert wird.

So als ob es eine Dreierregel wäre, würde eine sensible Mutterfigur und die Schaffung einer sicheren Bindung auch die Grundlage für eine gute emotionale Entwicklung schaffen. Doch wie hilft uns diese emotionale Intelligenz? 

Nun, es gibt viele Orte, an denen die Unterstützung enorm wichtig ist: So wird es uns ermöglicht, das Stressniveau in Schach zu halten, die Interpretation von Emotionen sowie die Akzeptanz negativer und die Verstärkung positiver Emotionen zu erleichtern.

Als Folge dessen ermöglicht uns eine sichere Bindung, sowohl auf der väterlichen als auch auf der mütterlichen Seite, eine flexible und in Verbindung miteinander stehende familiäre Atmosphäre, die der Familie hilft, sich an die eigenen Strukturen anzupassen, Konflikte zu lösen und eine günstige Intimität zu erschaffen.

„Die Sensibilität erschafft eine Barriere, die die Intelligenz nicht retten kann.“

Azorí

Mutter mit ihrem Baby

Der Einfluss der unsicheren und ängstlichen Bindung auf die Erziehung und das Familienklima

Auf der anderen Seite ist eine vermeidende oder unsichere Bindung in vielen Fällen eine echte Belastung für den erwachsenen Menschen, der mit diesen Regeln begonnen hat, sich auf die Menschen in seiner Umgebung zu beziehen. Menschen mit unsicheren und / oder ängstlichen Bindungen behalten den Wunsch der latenten Privatsphäre stets bei. Dabei verinnerlichen sie jedoch auch das schlechte Bild, das sie von sich selbst und / oder andere von ihnen haben. Dies führt wiederum dazu, in ihnen ein großes Misstrauen, Angst und eine Starre zu erzeugen, die diese Verbindung immer weiter ansteigen lässt.

Menschen mit dieser Art der Bindung empfinden, ohne jede schlechte Absicht, Ambivalenz gegenüber ihrer Art, mit ihren Kindern umzugehen und fühlen auf die gleiche Weise abwechselnd ein Verlangen und auch ein Unbehagen. Dies kann dazu führen, dass die Vorstellung, sich auf affektiver Ebene nicht frei und natürlich zu fühlen, die Angst gegenüber der doppelten Botschaft immer weiter steigen lässt.

So ist das familiäre Klima bei Eltern mit diesem Bindungsstil stets durch wenig Zusammenhalt, geringem emotionalem Ausdruck, wenig Organisation, größerer Kontrolle und der Möglichkeit häufiger Konflikte gekennzeichnet. Dies ist das Ergebnis der unsicheren und / oder ängstlichen Bindung von Erwachsenen, die ein Stein auf dem Weg zur Entwicklung der emotionalen Intelligenz ist und Faktoren, wie übermäßigen Schutz und mangelnde Sorgfalt, verstärkt. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir durch die Entdeckung des Begriffs der Bindung immer besser über dessen Bedeutung informiert sind, was wir stets an jüngere Generationen weitergeben sollten.

Die Vererbung der Bindung unserer Eltern ist ein sehr einflussreicher Faktor für die Erziehung unserer Kinder – und in vielen Fällen betrifft dies natürlich auch ihre Zukunft. Denk also stets daran: Eine sichere Bindung ist eines der besten Geschenke, die wir der nächsten Generation machen können.