Wenn du dein eigener Feind bist

10. Juli 2016 en Psychologie 777 Geteilt

Wenn du dir selbst ein Feind bist, dann spürst du Gefühle von Ablehnung darüber, wer du bist und was du denkst und fühlst. Das impliziert, dass du eine vernichtende und übertriebene Selbstkritik an allem ausübst, was du tust, und dass du jede Möglichkeit, die du hast, besser oder glücklicher zu sein, sabotierst.

Es gibt keine Liebe ohne Hass, es gibt keinen Hass ohne Liebe. Beide Gefühle sind wie Tag und Nacht: Zahl und Kopf ein und derselben Münze. Sogar in den klarsten und zärtlichsten Beziehungen gibt es immer auch mal Ausbrüche oder Spuren von Hass. Das ist so, weil alle Arten von Liebe auch ein gewisse Menge an Unzufriedenheit beinhalten. Es gibt keine perfekte Liebe, weil es keine perfekten Menschen gibt.

Wir lieben und werden auf Arten und Weisen geliebt, die nicht perfekt sind. Und das trifft auch auf unsere Selbstliebe zu: Sie ist niemals so komplett, als dass nie Zweifel oder Risse aufgekommen wären.

Je gleichmäßiger unsere Selbstliebe ist, desto besser sind wir dazu fähig, andere vollkommen zu lieben. Aber was passiert, wenn wir uns hassen, anstatt uns zu lieben? Was passiert, wenn wir uns so verhalten, als wären wir unser eigener Feind?

Nicht mal dein größter Feind kann dir so viel Schaden zufügen wie deine eigenen Gedanken.

Buddha

Dein eigener Feind sein, warum?

Blaue-Frau

Das Beste wäre, wenn wir uns selbst ermunterten, im Leben voranzugehen. Aber das ist nicht immer der Fall. Oft machen wir unser eigenes Leben zur Hölle.

Niemand ist hassend auf die Welt gekommen. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Am Anfang unseres Lebens sind wir Menschen, die nach allem fragen und nichts geben. Wir haben keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit unserer Bedürfnisse und Wünsche. Aber es ist genau in der Kindheit, wenn wir damit anfangen, diese überfordernden negativen Fantasien über uns selbst auszubrüten, und die können uns ein Leben lang begleiten.

Was uns zu dieser fatalen Überzeugung bringt, ist die Anwesenheit einer Figur, die uns das glauben lässt. Es ist eine Person, die wir lieben und die ein fundamentaler Teil unseres Wachstums ist. Unser Vater, unsere Mutter, oder beide. Manchmal ist es die gesamte Familienstruktur. Oder jemand, von dem wir auf irgendeine Art abhängig sind.

Generell kann man sagen, dass das, was passiert, eine Reihe von Herzensbrüchen ist: Eltern, oder die ganze Familie, wiederholen das, was sie am Anfang ihrer eigenen Leben erlebt haben.

Oft beinhalten diese Beziehungen Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen anderer, Traurigkeit, Scham und Aggression, unzählbare Taten von Vernachlässigung oder Drohungen, verlassen zu werden, und Zurückweisung. Hartes Schweigen, das Verneinen von Gefühlen. Zurückweisung und Bestrafung gegen Selbstbehauptung. Strenge bei Verhandlungen und unterdrückte Emotionen. In solch einer Atmosphäre ist sehr sehr schwierig, die Bedingungen dafür zu finden, eine wirkliche Wertschätzung von sich selbst und anderen zu entwickeln.

Der TeufelskreisBlumenfrau3

Sich selbst zu verachten wird auf bewusste und unbewusste Art gelernt. Jeder von uns hat einen gewissen Anteil an selbstzerstörerischen Impulsen, die wachsen und verstärkt werden, wenn wir sie füttern.

Was danach kommt, ist sicher eine schwierige Geschichte. Die Kinder werden zu Teenagern und dann zu Erwachsenen, die mehr oder weniger von Gefühlen der Trauer, von Wut und Schuld befallen werden. Das Schlimmste an dieser Sache ist, dass diese Gefühle einen hohen Grad an Unsicherheit verbergen.

Manche Ideen tauchen ganz automatisch in deren Gedanken auf: „Ich kann das nicht.“ – „Ich bin dazu nicht fähig.“ – „Ich habe Angst.“ – „Ich bin wertlos.“ – „Ich bin niemandem wichtig.“  Und das überträgt sich dann auch darauf, was sie anderen gegenüber empfinden: „Sie können das nicht.“ – „Die sind dazu nicht fähig.“ – „Die haben Angst.“ -„Sie sind wertlos.“ – „Sie sind nicht wichtig.“

Das resultiert in einem Teufelskreis, der eine schädliche Beziehung zu sich selbst aufrechterhält, die schließlich zu zerstörerischen Beziehungen mit anderen führt. Das erschafft schlechte Erfahrungen, die die Idee von sich selbst als jemand Schlechtes oder Wertloses nähren.

Wenn keine Selbstliebe da ist, dann läuft ein Mechanismus ab, der „Identifikation mit dem Aggressor“ genannt wird. Das bedeutet, dass du dich so verhalten wirst, wie diejenigen, die dir großen Schaden zugefügt haben. Und das ist natürlich ein Mechanismus, der ganz unbewusst einsetzt.

Als Kinder wollen wir Liebe, Anerkennung, und Respekt. Aber vielleicht haben wir das Gegenteil bekommen. Aber statt diese Antworten zu hinterfragen, versuchen wir, so wie diejenigen zu sein, die uns zurückgewiesen, verlassen oder attackiert haben.

Rehe

Der Mensch ist im Spiegel gefangen. Das heißt, dass er den negativen Blick bewahrt, der einst auf ihn gefallen ist. Er verinnerlicht den Hass oder die Zurückweisung, unter der er gelitten hat, und lässt zu, dass diese Gefühle sich selbst gegenüber gerechtfertigt sind.

Die Wurzeln weitverbreiteter Probleme wie der Depression liegen in diesen Geschichten. Wir akzeptieren untätig, dass wir es verdient haben, so behandelt zu werden. Und am Ende tragen wir ein Gewicht, dass nicht für uns bestimmt ist.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Ryohei Hase

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