Habe keine Angst vor der Angst, sondern stelle dich ihr

1. Juli 2016 en Emotionen 442 Geteilt

Angst zu haben ist etwas vollkommen Normales. Das kommt daher, weil das Gehirn jedes Lebewesens in Risikosituationen sofort zur eigenen Verteidigung reagiert. Anders gesagt, aktiviert es in Gefahrensituationen einen Schutzmechanismus gegenüber möglichen Angriffen oder Situationen, die irgendein Ungleichgewicht verursachen können.

Beim Menschen ist die Art, mit Angst umzugehen, das Ergebnis von einem Zusammenspiel aus instinktiven Schutzmechanismen und Lernprozessen, die in verschiedenen Lebenslagen angesammelt wurden. Demnach könnte man hierbei auch sagen, dass im ersten Moment einer nahenden Bedrohung der Überlebensinstinkt eingeschaltet wird, so wie gleichzeitig auch ein mentaler Lernprozess aktiv wird, der dazu führt, auf die eine oder andere Weise zu reagieren.

„Die Angst ist dieses kleine dunkle Zimmer, in dem die Negative entwickelt werden.“

Michael Pritchard

Frau umarmt einen Baer

Dennoch reagiert jeder Mensch in einer Angstsituation anders. Manche verhalten sich aggressiv, während hingegen andere wie paralysiert sind und versuchen, sich in ihrem Kopf vielleicht schon eine mögliche Lösung bezüglich der Gefahr, der sie gerade ausgesetzt sind, zu finden.

Dann gibt es wiederum Personen, die einen kühlen Kopf bewahren können und dazu in der Lage sind, schnell zu denken, um der Bedrohung auszuweichen oder sich dieser angemessen zu stellen.

Der Mensch hat eine komplexe Psyche und verspürt bezüglich realer Bedrohungen nicht immer ein Gefühl von Furcht. Manchmal handelt es sich einfach um Fantasien, die durch traumatische Ereignisse hervorgerufen werden und es sich im Verstand gemütlich machen. Diese haben dann die Angst vor der Angst zur Folge, die eigentlich nicht existiert, die Person aber sehr einschränkt und ein normales Sozialleben fast nicht mehr möglich macht.

Die Angst ist eine Macht, die veränderlich ist

Es gibt das schöne Sprichwort: „Die Angst überwindet man, indem man sich ihr stellt.“  Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber es ist Fakt. Die Angst ist tatsächlich ein sehr mächtiges Gefühl und wenn es dir gelingt, aus ihr eine innere Stärke werden zu lassen, die es dir ermöglicht, weiterzumachen, wirst du zu einer sichereren und freieren Person werden.

Wenn du dich in einer Situation befindest, die dich unter Druck setzt und du dir fest vorgenommen hast, deine Angst zu überwinden, dann stelle dir ein paar hilfreiche Fragen: Wieso hast du dich so gefühlt? Welche Erinnerungen oder Emotionen überkamen dich in diesem Moment? Wie hast du reagiert oder in welchem Teil deines Körpers hast du gefühlt, dass sich diese Furcht versteckte?

Die Antworten darauf werden es dir ermöglichen, die Angst einzugrenzen und ihr einen Namen zu geben, damit du dich bewusst mit ihr auseinandersetzt und vermeidest, dass sich eine ähnliche Situation wiederholt. Zuallererst müssen wir uns also darüber klar werden, warum die Ängstlichkeit zum Vorschein kommt. Auf diese Art und Weise können wir die Hintergründe verstehen und auch die Funktionen, die sie in den jeweiligen Lebenslagen hat.

Uns über die Gründe bewusst zu werden, erlaubt es uns, zu beurteilen, ob es sich um eine Angst handelt, die uns vor einer realen Gefahr bewahren will oder ob es ein eingebildetes Ungleichgewicht in unserem Leben ist.

Was können wir machen, wenn wir Angst haben?

Keine Angst vor der Angst

Um zu erfahren, was sich hinter der Angst verbirgt, die du verspürst, musst du:

  • In dich gehen und dich in ein ruhiges Umfeld begeben, indem du dir über deine Ängste, unter denen du leidest, Gedanken machst. Versuche, einfach tief einzuatmen und dich zu entspannen, denn somit kann dein Bewusstsein besser arbeiten.
  • Du solltest dich auf keinen Fall schuldig fühlen, weil du Furcht vor etwas hast und du solltest dir ins Gedächtnis rufen, dass das vollkommen normal ist und du deine Angst nach und nach besiegen kannst.
  • Habe Selbstvertrauen. Vergiss nicht, dass du durch diese Angst auch etwas über dich selbst lernen und du aus ihr einen wundervollen Lernprozess werden lassen kannst.

Siehe deine Furcht nicht als einen Feind an, denn sie ist anpassungsfähig. Wer sich fürchtet, macht viele Fehler, aber die Furcht kann auch zu Höchstleistungen antreiben. Wer Angst davor hat, zu versagen, strengt sich manchmal ein bisschen mehr an. Wer fürchtet, die Freiheit zu verlieren, kann sich aufgrund der Angst davor selbst fürchterlichen Risiken aussetzen.

Mut wird aus Angst gemacht. Der Unterschied zwischen einem Angsthasen und einem mutigen Menschen ist einfach nur die Entscheidung. Es ist nicht so, dass der mutige Mensch keine Angst hat, er hat sich einfach dazu entschlossen, sie in etwas anderes zu verwandeln, anstatt ihr aus dem Weg zu gehen.

Das ist keinesfalls ein einfacher Prozess. Es verhält sich wie mit allen großen Erfolgen im Leben: Wir brauchen Geduld und müssen beharrlich sein, der Erfolg kommt Schritt für Schritt. In Zusammenhang mit der Furcht muss eine wichtige Entscheidung getroffen werden, nämlich die, sie überwinden zu wollen. Es gibt keine andere Möglichkeit, um sie zu besiegen, als eine Strategie zu entwerfen, mit der du dich wohlfühlst, um dich mit deiner Furcht auseinanderzusetzen.

Aus der Furcht lernen

Wenn du auf eine irrationale Weise gegen die Furcht ankämpfst, ohne die Hintergründe zu verstehen, findest du sicherlich schnell und leicht einen Weg, mit ihr umzugehen, aber du packst das Problem nicht bei der Wurzel an, weshalb die Angst zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückkommen kann. Wir müssen uns mit der Angst auseinandersetzen. Es ist nicht hilfreich, dass du dich von der Furcht leiten lässt, ohne dir viele Gedanken darüber zu machen, was du eigentlich tust.

Mann mit verdeckten Augen

Wie der Volksmund so schön sagt: „Die Angst ist eine Aktion und der Mut ist eine Reaktion.“  Erinnere dich an diese Worte zurück, wenn du dich wie versteinert, unfähig oder unlustig, deinen Plänen nachzugehen, fühlst. Andernfalls könntest du Reue empfinden, weil du dich von deiner Angst hast leiten lassen und nicht von deinen wahren Träumen und Sehnsüchten.

Vergiss bitte nicht, dass sich Furcht physisch und mental äußert. Physisch gesehen können wir in Krisenmomenten versuchen, ruhiger zu atmen. Das ist eine Methode, um mit unserem Körper und den darin stattfindenden Prozesse insoweit umzugehen, dass wir selbst sie kontrollieren können.

Doch damit nicht genug. Über dieses Thema muss geredet werden und wir müssen unsere Gefühle vor anderen zum Ausdruck bringen, sie aufschreiben oder uns zumindest in einem Spiegel ansehen und mit uns selbst darüber sprechen, was passiert. Das sind geeignete Hilfsmittel, um dieses Gleichgewicht wiederzufinden, dass dir in diesen Momenten fehlt. Denn die Angst können wir nicht überwinden, wenn wir uns hinter ihr verstecken. Fürchte dich deshalb nicht vor der Angst und stelle dich ihr.

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