Wenn Angst die Liebe erstickt

11, Januar 2017 en Emotionen 320 Geteilt

Eine Frage an dich: Kannst du dir vorstellen, was passieren würde, wenn sich alle deine Emotionen verkleideten? Was würde passieren, wenn es negative Emotionen gäbe, die sich in positiven verstecken könnten? Würden wir damit umgehen können?  Lasst uns in diesem Zusammenhang auch über das schlimmstmögliche Szenario nachdenken. Wenn sich eine der schlimmsten Emotionen als eine der besten verkleidet: Was würde passieren, wenn Angst in Gestalt der Liebe aufkommt?

Liebe, und wir meinen hier romantische Liebe, ist die Sonne unter all unseren Emotionen. Sie entsteht zwischen zwei Menschen und in ihr gibt es Anziehung, Hingabe, Intimität und Leidenschaft. Sie ist ein Phänomen, das uns bis in die letzten Zellen unseres Körpers berührt. Liebe betrifft natürlich auch unseren Geist, unsere Emotionen und sogar unsere Vorlieben. Wie könnte sich Angst in einer Emotion wie der Liebe verstecken?  Diese Vorstellung, Liebe und Angst gemeinsam zu empfinden…

Ist Liebe nicht am Ende ein Akt des Mutes und der Großzügigkeit gegenüber der anderen Person und uns selbst? Vielleicht sollten wir zurückrudern und zunächst einmal klären, was es heißt, das Angst sich verkleidet. Wir formulieren die Frage anders: Was würde passieren, wenn die Person, die die Liebe ausgelöst hat, auch Angst in uns hervorruft?

Wenn Liebe und Angst gemeinsam aufkommen

Warum Angst?  Seien wir fair und geben zu, dass uns diese Emotion schon seit Anbeginn der Zeit begleitet. Sie hat uns erlaubt, zu entkommen, und uns den Willen gegeben, zu kämpfen, um zu überleben. Wenn wir also einem emotionalen Ereignis gegenüberstehen, das so überwältigend ist wie die Liebe, dann ist es normal, dass auch Angst aufkommt. Sie lässt uns wissen, dass Veränderung etwas Schlechtes sein könnte.

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Und genau deshalb – weil Angst so leicht aktiviert wird – ist sie nicht mehr so nützlich, wie sie einmal war. Heutzutage antworten wir disproportional auf Ereignisse, die nicht lebensbedrohlich sind. Wir ordnen bestimmte Ereignisse als Bedrohungen oder Gefahren ein, die uns in Wahrheit eigentlich nur Gutes tun können.

Angst verliert dann ihren Nutzen, wenn sie uns paralysiert, uns vom Genießen, vom Leiden, schlicht vom Leben, abhält. Diese vorherigen Geschichten vom Verlassenwerden, von plötzlichen Trennungen und von Schmerz und Leid, sie lassen eine Narbe in unserer Seele zurück und bedingen unsere Art, Liebe zu verstehen und anzunehmen. Wir werden zwanghaft und haben Angst vor der Liebe. Wir versuchen durchgehend dem Leid, das von Beziehungen ausgelöst wird, zu entkommen. Oder sogar dem Leid, das uns von der Gesellschaft und von unserem Gefühl, nicht geliebt oder gewollt zu werden, auferlegt wird.

Die Verkleidung der Angst

Wir haben die ersten entscheidenden Punkte betrachtet. Aber, wenn Angst von so viel Glück aktiviert wird und Liebe sie durch vergangene romantische Beziehungen auslösen kann, wie manifestiert sie sich dann?  Lasst uns ein paar Beispiele anschauen.

  • Die Suche nach der Liebe. Das ist die liebste Verkleidung der Angst, und sie führt zur Einsamkeit. Diese Angst tritt aufgrund des Klischees, dass „Alleinsein schrecklich ist“, auf, das in unsere Köpfe gepflanzt wurde. Diese Angst nimmt andere Dimensionen an. Denn ob wir uns ihr bewusst sind oder nicht, sie zwingt uns dazu, zwanghaft nach einem Partner zu suchen. Und wir tun das, um dem schrecklichen Schicksal des Alleinseins zu entkommen. Wir gehen ein großes Risiko ein, versuchen, Liebe zu kontrollieren, den, der sie erhält, ihre Entwicklung und ihr Ende.
  • Zweifel. Lasst uns sagen, dass die Liebe angeklopft hat und dass wir ihr die Türen geöffnet haben. Trotzdem hat sich ein Schatten dazu entschlossen, auf seine liebste Art und Weise unseren Geist zu besiedeln: „Ist das mein Moment?“, „Bin ich zu schnell?“, „Ist es das, was ich wirklich will?“  In diesem Fall versteckt sich die Angst nicht vor Herzschmerz. Wir wissen, dass wir harte Zeiten in der Vergangenheit hatten. Wir nehmen an, dass unsere emotionalen Narben auf diesem Weg zu spüren sein werden.
  • Übertriebener Perfektionismus. In den Situationen, in denen wir ein absolutes Bedürfnis haben, zu gefallen und von unserem Partner gemocht zu werden, bis zu dem Punkt, an dem wir sogar unsere Persönlichkeit anpassen, versteckt sich ebenfalls Angst. Es ist die Angst, „nicht zu funktionieren“. Wir fürchten uns davor, wieder verlassen zu werden. Das nennt sich Verlustangst. Sie droht, uns von einer lebenswichtigen Person zu trennen. Und sie wird erfolgreich sein, wenn wir es zulassen, dass sie auch unseren Partner infiziert.

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Sollten wir sie akzeptieren oder gegen sie ankämpfen?

Jetzt wissen wir warum und wie Liebe und Angst zusammenhängen. Die logische Frage lautet jetzt: Sind wir allein im Angesicht dieser Gefahr?  Überhaupt nicht. Trotzdem sollten wir uns unserer Menschlichkeit bewusst werden, bevor wir damit beginnen, über die Angst vor der Liebe nachzudenken. Wir müssen verstehen, dass Angst immer ein Teil unseres Lebens sein wird, und dass wir sie akzeptieren und uns für die Liebe entscheiden können oder nicht.

Dann finden wir auch etwas, was man vom Leben selbst und der menschlichen Bedingung nicht trennen kann: Zeit. Es mag schwierig sein, die „Zeitkarte“ zu spielen. Aber sie ist immer noch eine der wichtigsten Karten im Deck. Die Zeit und ihre heilenden Fähigkeiten. Sie hilft uns dabei, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Die Zeit ermöglicht es uns, Ereignisse zu interpretieren, die sich aus dem Zusammenspiel von Liebe und Angst ergeben haben.

Zum Schluss gibt es uns als individuelle Menschen, mit unseren persönlichen Erfahrungen und unserer Weisheit. Und vor allem unserer unendlichen Fähigkeit, zu lieben, und unserem unermüdlichen Verlangen geliebt, integriert und geschätzt zu werden. Diese Liebe, die wir gespürt haben, mit allem, was sie einschließt, gibt uns die besondere Fähigkeit, wieder zu lieben.

Und was ist besser, als uns der Einsamkeit, dem Zweifel und dem Verlust auszusetzen und uns wieder für die Liebe zu entscheiden?  Sicher werden wir so am Ende die Angst mit unserer Liebe erweichen.

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