Wie wir den Schmerz der Enttäuschung mildern

15. November 2016 en Emotionen 6 Geteilt

Wir alle haben schon einmal jemandem vertraut, der uns am Ende verletzt hat. Nach diesem Erlebnis haben wir zu uns selbst gesagt, dass wir das nicht noch einmal zulassen werden. Und mit dieser Ansage beziehen wir uns nicht nur auf Enttäuschungen romantischer Art, sondern auf jede Art von Enttäuschung.

Was auch immer der Grund sein mag, eine Enttäuschung hinterlässt eine tiefe Wunde in uns, die Zeit braucht, um zu heilen.

Schützt du dich vor Enttäuschungen, indem du einen Regenschirm aufspannst?

Üblicherweise verstecken wir uns hinter verschlossenen Türen, nachdem wir eine Enttäuschung erlebt haben, aus Angst, bei der nächsten Erfahrung erneut verletzt zu werden. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Menschen dazu, keine Zuneigung mehr für jemanden aufzubringen, und sie tun das in dem Glauben, das Risiko einer nochmaligen Kränkung zu minimieren.

Derartige Entschlüsse sind mit dem Aufspannen eines Regenschirms vergleichbar. Das trifft zu, wenn wir unser Bestes gegeben haben und wir dennoch betrogen wurde; wenn wir vollkommen ehrlich zu einem Freund sind und dieser uns in den Rücken fällt; wenn wir von unseren Eltern oder Familienmitgliedern verlassen werden. Auch wenn es vielleicht nicht eine von diesen drei Situationen war, hast du bestimmt, bedauerlicherweise, eine ähnliche Empfindung erlebt.

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Es gibt einen beliebten Spruch, der besagt: „Einmal gebissen, zweimal schüchtern“,  und wir können diese Aussage steigern zu: „Einmal und nie wieder.“  Ähnliches verhält es sich mit dem Regenschirm. Der Biss ist als die Enttäuschung oder der Betrug zu verstehen, weswegen du schüchtern gegenüber Menschen wirst, die demjenigen ähneln, der dich verletzt hat. Obwohl diese Person nicht dieselbe ist, die dich verletzt hat, lässt uns ihre Ähnlichkeit zum eigentlichen Verursacher der Wunde den schmerzhaften Vorfall nicht vergessen.

Worum geht es nun beim Aufspannen des Regenschirms?

Wenn wir mit jemandem eine Beziehung eingehen, entstehen Erwartungen, die sich steigern. Wir geben gar Prognosen ab, über das Verhalten, über Gedanken und Gefühle, die der Partner zukünftig haben könnte. Ein Teil unserer Erwartungen basiert auf dem, was wir bereits wissen, auf Erfahrungen, die wir mit der anderen Person geteilt haben. Ein anderer Teil kann sich aus dem zusammensetzen, was wir über diese Person gehört haben. Und ein weiterer Teil könnte schlicht aus unserer Idealisierung und unseren Wünschen entstehen. Tatsache ist, dass wir unsere Wünsche mit der Realität vermischen.

Wenn unsere Erwartungen zu hoch sind oder die Person ihre „impliziten Verpflichtungen“ nicht erfüllt, dann fühlen wir uns enttäuscht, frustriert, traurig und sogar wütend. Das ist völlig normal. Allerdings müssen wir uns darum bemühen, dass uns unerfüllte, vielleicht irreale Erwartungen nicht verletzen. Wir sollten versuchen, uns dem anzupassen, was diese Person uns tatsächlich anbietet, und reale Erwartungen aufbauen.

Die Enttäuschungen, die wir erfahren, resultieren dabei nicht immer aus unserer Vorstellung eines „perfekten“ Partners, Freundes oder Kollegen. Enttäuschung passiert auch, wenn die andere Person uns schlecht behandelt und Dinge tut, unter denen wir leiden. Unter diesen Umständen können Gefühle wie Abneigung und Wut entstehen, neben jenen, die wir bereits erwähnt haben, nämlich Frustration und Trauer.

Und was passiert dann? Wir spannen den Regenschirm auf, um uns zu schützen, auch wenn der Regen fern bleibt. Das bedeutet, wenn ein neuer Mensch in unser Leben tritt, haben wir Angst, aufs Neue zu leiden und öffnen uns somit zu wenig, um sie eintreten zu lassen.

Sonnenstrahlen können uns unter unserem Schirm nicht erreichen.

Manche Leser meinen nun vielleicht, es bedürfe mehr als eines Regenschirms. Sie möchten lieber eine Rüstung tragen, so wie die Ritter im Mittelalter. Das hängt wirklich davon ab, wie sehr wir gelitten haben und wie hart es für uns war, die jeweilige Situation zu überstehen. Aber eine Rüstung macht es der Sonne noch schwerer, uns zu erreichen.

Die Gefahren, die unter dem Regenschirm lauern

Wir fühlen uns sicher unter dem Schirm, als könne uns nichts Schlimmes passieren. Jedoch versäumen wir die Möglichkeit, angenehme Gefühle zu erfahren. Wenn wir einen Regenschirm aufspannen, obwohl es nicht regnet, können wir die Sonnenstrahlen auf unserer Haut nicht spüren und genießen.

Wenn wir versuchen, uns unter dieser „Glocke“ zu schützen, können wir als Mensch nicht wachsen. Es ist wahr, wenn wir mit Enttäuschung oder Betrug konfrontiert wurden, wollen wir zunächst keine neuen Menschen kennenlernen oder in die Welt hinausgehen. Aber es ist wichtig, dass wir allmählich diese Phase überwinden.

Wir werden nichts Positives erreichen, wenn wir uns unter den Schirm zurückziehen und niemandem erlauben, in diesen sicheren Hafen einzutreten.

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Eine weitere Konsequenz, wenn wir die Türen und Fenster von unserem Haus, unserem Herz, mit Schloss und Schlüssel verschließen, ist, dass die Menschen um uns herum sich sukzessiv von uns zurückzuziehen. Wir glauben dann, dass sie uns verlassen haben oder dass es schlechte Menschen sind. Allerdings ist es unsere Schutzmauer, die jene Menschen, die uns lieben und sich um uns sorgen, nicht zu uns vordringen lassen.

Niemand sagt, es ist leicht, eine Enttäuschung zu überstehen, vor allem eine Enttäuschung in der Liebe. Aber es ist äußerst wichtig, dass wir unseren Schirm schließen, wenn es keine dunklen Wolken am Himmel gibt, sodass wir den frischen Wind und die Wärme an einem sonnigen Tag genießen können.

Wir wollen dich ermutigen, im Regen zu singen und durch die Pfützen zu springen! Mach den Schirm zu, dann merkst du schneller, dass die Sonne wieder durchbricht!

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