Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung und wie kann man sie behandeln?

27 März, 2021
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr komplex. Sie ist von außen schwer zu verstehen und auch schwer zu behandeln. Erfahre mehr zu diesem Thema in unserem heutigen Artikel.

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) beeinflusst bei einer betroffenen Person die Denkweise, die Wahrnehmung und den Bezug zu anderen Menschen. Wenn jemand an einer BPS leidet, kann diese Person eine geringe Flexibilität aufweisen, was zu Fehlanpassungen und Verhaltensweisen führen kann, die von den sozialen Normen abweichen. Das wesentliche Merkmal einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist ein allgemeines Muster der Instabilität, was zwischenmenschliche Beziehungen und das Selbstbild angeht.

Zusammengefasst geht es bei einer BPS um eine anhaltende Anomalie des sozialen und persönlichen Funktionierens. Die Borderline-Personlichkeitsstörung ist durch die eigentümliche Art der Betroffenen gekennzeichnet, mit Problemen und zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen. Eine BPS tritt in der Regel im frühen Jugendalter (12/13 Jahre) das erste Mal auf. Die meisten Menschen werden im Alter von 19 – 34 Jahren diagnostiziert.

Häufige Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Bitte verlass mich nicht

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bemühen sich verzweifelt, nicht verlassen zu werden, ganz gleich, ob diese Situation real oder imaginär ist. Die Vorstellung, verlassen oder abgelehnt zu werden, kann zu tiefgreifenden Veränderungen des Selbstbildes, der kognitiven Wahrnehmung und des Verhaltens führen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Personen mit BPS reagieren sehr empfindlich auf Gegebenheiten in ihrem Umfeld. Sie erleben eine übergroße Angst vor dem Verlassenwerden und empfinden unangemessene Wut. Dies gilt selbst dann, wenn die Trennung zwar real ist, aber nur einen bestimmten Zeitumfang hat. Die Betroffenen empfinden zum Beispiel Wut, wenn jemand, der ihnen wichtig ist, ein paar Minuten zu spät zu einem Treffen kommt oder die Verabredung mit ihnen absagen muss.

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können zu der Überzeugung gelangen, dass sie im Wesenskern “schlecht” sind, weil sie ja verlassen worden sind. Die Angst vor dem Verlassenwerden hängt damit zusammen, dass sie Einsamkeit nicht ertragen können und das Bedürfnis haben, einen anderen Menschen in ihrer Nähe zu wissen. Ihre verzweifelten Bemühungen, nicht verlassen zu werden, können impulsive Handlungen nach sich ziehen wie Selbstverletzung oder suizidales Verhalten.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Nicht mit dir, aber auch nicht ohne dich

Von BPS Betroffene haben ein Muster von instabilen und dabei intensiven Beziehungen. Sie können Bezugspersonen oder potenzielle Geliebte schon nach dem ersten oder zweiten Treffen vergöttern. Sie verlangen danach, dass diese Menschen viel Zeit mit ihnen verbringen. Vielleicht teilen sie schon sehr früh intime Details über diese Beziehungen mit.

Genauso schnell können sie aber auch von der Idealisierung in die Abwertung übergehen. Sie haben das Gefühl, dass die andere Person sich nicht genug kümmert, nicht genug gibt oder nicht häufig genug da ist. Menschen mit BPS können sich um andere kümmern. Allerdings hegen sie die Erwartung, dass die andere Person “da” ist und sich “auf Knopfdruck” um ihre Bedürfnisse kümmert. Sie sind anfällig dafür, ihre Vorstellungen von anderen Leuten plötzlich und auf dramatische Weise zu verändern. Die anderen werden dann als größte Hilfe oder als grausamste “Folterknechte” betrachtet.

Diese Veränderung in der persönlichen Wahrnehmung spiegeln im Allgemeinen die Enttäuschung über eine enge Bezugsperson wider, deren erzieherische Qualitäten idealisiert wurden. Womöglich hatten die Betroffenen auch erwartet, von dieser Bezugsperson abgelehnt oder verlassen zu werden.

Frau mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Erst ja, dann wieder nein

Es kann zu einer abrupten und anhaltenden Veränderung der Identität kommen, die durch ein instabiles Selbstbild oder ein schwankendes Gefühl für sich selbst gekennzeichnet ist. Menschen mit BPS verändern sich im Handumdrehen und auf dramatische Weise, was ihr Selbstbild, ihre Ziele, Werte und berufliche Bestrebungen angeht.

Genauso ist es möglich, dass sie sich in ihrer sexuellen Identität, ihren Werten in Beziehungen und in der Wahl ihres Freundeskreises plötzlich verändern. Ebenso können sie ihre Persönlichkeit blitzschnell ändern und sich als bedürftiger Mensch zeigen, der um Hilfe bettelt oder als rachsüchtige Person, die für erlittene Misshandlungen eine Wiedergutmachung einfordert.

Normalerweise haben Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ein negatives oder selbstschädigendes Selbstbild. Manchmal haben sie das Gefühl, dass sie überhaupt nicht existieren. Dazu kann es kommen, wenn sie der Ansicht sind, dass ihnen eine sinnvolle Beziehung, Zuwendung und Unterstützung fehlt.

Darüber hinaus sind die Leistungen von Menschen mit einer BPS schlechter, wenn sie sich in Situationen wiederfinden (Schule, Arbeit), die nur wenig Struktur aufweisen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Impulsives Verhalten und Suizidalität

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen auf mindestens zwei Gebieten impulsive Reaktionen, was potenziell schädlich für sie sein kann. Entweder sie werden zu pathologischen Glücksspielern, geben unverantwortlich Geld aus, leiden unter Fress- und Brechanfällen, neigen zum Drogenkonsum, haben ungeschützten Sex oder verhalten sich rücksichtslos im Straßenverkehr. Dazu kommt, dass sie in der Regel wiederholt andeuten oder androhen, Selbstmord zu begehen oder dass sie selbstverletzendes Verhalten zeigen.

Suizidgedanken bei Borderline-Persönlichkeitsstörung

Zehn Prozent dieser Menschen führen den Selbstmordversuch erfolgreich aus. Es kommt auch häufig vor, dass sich Betroffene Schnittwunden oder Verbrennungen beibringen, Drohungen aussprechen oder Suizidversuche unternehmen. Der Hang, sich das Leben zu nehmen, bringt viele dazu, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Viele Fälle von selbstverletzendem Verhalten stellen eine Reaktion auf die imaginäre Bedrohung dar, dass es zur Trennung kommen könnte oder dass man abgelehnt werden könnte. Dabei kann es zu Selbstverstümmelungen kommen. Für Menschen mit BPS bringt die Selbstverletzung häufig ein Gefühl von Erleichterung mit sich. Denn dadurch können sie sich wieder selbst “fühlen”. Sie können damit auch das Schuldgefühl vermindern, ein schlechter oder verachtenswerter Mensch zu sein.

Störung der Gefühlsregulation

Von BPS Betroffene zeigen in Beziehungen eine bestimmte Instabilität, die auf eine sehr reaktive Emotionalität zurückzuführen ist. Sie fallen zum Beispiel Phasen von Reizbarkeit oder Angstzuständen zum Opfer, die in der Regel nur wenige Stunden und selten länger als ein paar Tage andauern. Diese Phasen können die extreme Reaktivität der Person auf zwischenmenschliche Stressoren widerspiegeln.

Kennzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Chronische Gefühle der Leere und der Wut

Menschen, die unter BPS leiden, klagen oftmals über chronische Gefühle der Leere. Sie langweilen sich leicht und suchen ständig nach einer neuen Beschäftigung. Darüber hinaus können sie ihre Wut auf eine unangemessene und intensive Weise ausdrücken und haben große Schwierigkeiten, sie zu kontrollieren.

Sie zeigen sich in der Regel sehr sarkastisch, pflegen nachhaltige Ressentiments und neigen zu verbalen Explosionen. Ihre Wut wird oft provoziert, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass sich eine Bezugsperson oder geliebte Person ihnen gegenüber nachlässig, distanziert oder gleichgültig verhält oder beabsichtigt, die Beziehung zu beenden.

An der Grenze zum “Wahnsinn”

In extremen Stressphasen können bei Menschen mit BPS vorübergehend paranoide Vorstellungen oder dissoziative Symptome (z.B. Depersonalisation) auftreten. Diese Phasen treten häufiger als eine Reaktion darauf auf, real oder imaginär verlassen zu werden.

Die Symptome sind im Allgemeinen flüchtig und dauern einige Minuten oder auch Stunden an. Die tatsächliche Rückkehr des Fahrzeugs der wichtigen Bezugsperson kann ein Abklingen der Symptome bewirken.

Wahnvorstellungen im Rahmen einer BPS.

Welche Ursachen hat eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Wie bei anderen Störungen gibt es auch für diese Art der Persönlichkeitsstörung noch keine eindeutige Ursache. Allerdings hat man verschiedene Risikofaktoren entdeckt, die eine Prädisposition für diesen Zustand sein könnten. Diese Faktoren können biologischer, psychosozialer oder genetischer Natur sein.

Was wir über die Auswirkung genetischer Faktoren wissen, ist, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung bei biologischen Verwandten ersten Grades etwa fünfmal so häufig auftritt. In betroffenen Familien gibt es auch ein höheres Risiko, dass Drogen konsumiert werden oder Störungen auftreten wie die dissoziale Persönlichkeitsstörung, die bipolare Störung oder die depressive Störung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für BPS?

Die Behandlung ist aufgrund der Komplexität der BPS und der Art, wie sie auftritt, nach wie vor ein schwieriges Thema für Fachleute. Die Instabilität der Menschen mit dieser Störung macht es oft schwierig, eine Behandlung durchzuhalten. Daher brechen die Betroffenen eine Therapie häufig ab.

Der gegenwärtige therapeutische Ansatz folgt folgenden Parametern:

  • Behandlung mit Psychopharmaka
  • Psychotherapie
  • Krisenintervention durch Einweisung ins Krankenhaus
  • Man setzt am Unterstützungsnetzwerk an, also bei Familie und Fach-Betreuern.
Einzeltherapeutische Sitzung eines Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Psychopharmaka

Die Pharmakotherapie sollte als eine ergänzende Intervention bei der Behandlung von BPS gesehen werden. Sie sollte auf gar keinen Fall ein Ersatz für die Arbeit der Person mit ihrer sozialen Unterstützungsgruppe sein.

Die Ärzte werden den Betroffenen Medikamente verschreiben, die für ihre aktuellen Symptome am besten geeignet sind. Normalerweise zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern, die im Rahmen der motorischen und affektiven Instabilität, der Impulsivität und der fehlenden Verhaltenskontrolle sowie der kognitiven Schwierigkeiten auftreten.

Psychotherapie

Psychotherapeutische Interventionen bestehen aus einer Kombination von Einzel- und Gruppentherapie. Die spezifischen Einheiten, die es zur Zeit gibt, bestehen aus hochstrukturierten, multidisziplinären und integrativen Programmen.

Als wirksam bei der Behandlung von BPS haben sich Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, das Training sozialer Fähigkeiten sowie die Psychoedukation erwiesen Eine Therapieform, die gute Ergebnisse liefert, ist die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die Marsha M. Linehan in den 1980er Jahren entwickelte.

Die Therapieziele sind:

  • Steigerung der adaptiven und funktionalen Fähigkeiten (Selbstversorgung, Arbeitssuche, Aufbau von Freundschaften, usw.)
  • Verringerung der Impulsivität
  • Steigerung des Gefühls der bewussten Präsenz im Hier und Jetzt
  • Steigerung des physischen und psychischen Wohlbefindens.

Krisenintervention durch Einweisung ins Krankenhaus

In Zeiten der Selbstverletzung, psychotischen und depressiven Episoden, einer psychosozialen Verschlechterung und einer emotionalen Überlastung in der Familie kann als Krisenintervention die Einweisung ins Krankenhaus in Frage kommen. Es handelt sich in der Regel dabei um kurzfristige Einweisungen. Die Absicht dahinter ist, die akuten Symptome oder die Krisensituation an sich in den Griff zu bekommen und die Betroffenen so gut wie möglich zu stabilisieren. Sobald die Krisenepisode unter Kontrolle ist, kehrt die Person unter ärztlicher Aufsicht und mit einem pharmakologischem Behandlungsplan nach Hause zurück.

Wie wir in diesem Artikel gesehen haben, ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung sehr komplex. Sie ist von außen schwer zu verstehen und auch schwer zu behandeln. Das Leid der Betroffenen und der Menschen in ihrem Umfeld ist jedoch so groß, dass es wichtig ist, die Forschung weiter zu vertiefen, sodass wirksame Behandlungsmethoden erweitert werden können.