Schuldgefühle und ihr Zusammenhang mit Angst

Angst fordert einen hohen emotionalen Preis. Außerdem ist mit Angst häufig auch ein permanentes Schuldgefühl bei den Betroffenen verbunden, denn sie glauben, dass alles ihre eigene Schuld und ihr Leiden für andere eine große Belastung sei. Was solltest du in einer derartigen Situation tun?
Schuldgefühle und ihr Zusammenhang mit Angst

Letzte Aktualisierung: 06 Februar, 2021

Schuldgefühle sind ein ziemlich häufiges Symptom, das in Zusammenhang mit Angst auftritt. Die Menschen, die darunter leiden, gelangen häufig zu ziemlich schädlichen Schlussfolgerungen über sich selbst. Daher tragen sie eine Last auf ihren Schultern, für die sie gar nicht verantwortlich sind. Darüber hinaus verzerren sie Situationen, was ihr Leiden nur noch weiter vergrößert.

“Ich mache alles nur noch schlimmer”, “Ich bin sicher, dass ich sie durch mein Verhalten verletzt habe” oder “Ich lasse meine Familie im Stich”, “Meine Mutter konnte mich irgendwann nicht mehr ertragen” sind nur einige Beispiele. Aber durch all diese Aussagen zieht sich ein roter Faden.

Die betreffende Person ist Opfer einer Art Tunnelblick, den ihre Angst vollständig kontrolliert. Diese Menschen betrachten ihre Angststörung oder Panikattacken oft als ein Zeichen dafür, dass sie etwas falsch gemacht haben, als eine Anomalie, die außerhalb ihrer Kontrolle ist. Sie beginnen zu verzweifeln und fragen sich, wie sie sich selbst so viel Leid zufügen können und was mit ihnen los ist.

Selbstvorwürfe und das Gefühl, du würdest die dir nahestehenden Menschen enttäuschen oder verletzen, nähren den Teufelskreislauf der Angst. Wenn du dann noch übermäßig hohe Ansprüche an dich selbst stellst und zu obsessivem Denken und Grübeln neigst, entsteht daraus eine regelrechte Zeitbombe, die deine mentale Gesundheit massiv gefährdet.

In unserem heutigen Artikel wollen wir genauer auf Schuldgefühle und ihren Zusammenhang mit Angst eingehen, um diese Situation besser zu verstehen.

Zusammenhang mit Angst - besorgter Mann

Schuldgefühle

Es gibt logische und unlogische (irrationale) Schuldgefühle:

  • Erstere stehen mit bestimmen Fakten in Zusammenhang, die das daraus resultierende Leiden und schlechte Gewissen rechtfertigen. Zum Beispiel wenn du anderen Menschen echtes Leid zugefügt hast oder für Handlungen verantwortlich bist, die ernsthafte Konsequenzen hatten.
  • Letztere, also irrationale Schuldgefühle, werden durch Angststörungen und andere Arten psychologischer Störungen verursacht.

Schuldgefühle, die mit Angst verbunden sind, treten sehr häufig bei Menschen auf, die sich ständig Vorwürfe machen, weil sie bestimmte Dinge tun oder fühlen. Sie fühlen sich sogar schuldig, sie zu denken.

Die einfache Tatsache, sich einer negativen mentalen Voreingenommenheit bewusst zu sein oder einen Verstand zu haben, der manchmal in Angst oder Ungewissheit lebt, lässt den Schatten der Schuld entstehen.

Diese Menschen erkennen, dass sie sie nicht kontrollieren können und dass ihr Verhalten die Menschen um sie herum in Sorge versetzt. All dies verstärkt dieses unangenehme und destruktive Gefühl nur noch weiter.

Wie Schuld- und Schamgefühle mit Angst zusammenhängen

Eine Studie, die kürzlich im Magazin PLOS ONE veröffentlicht und vom Karolinska Institutet in Schweden durchgeführt wurde, ergab, dass Angststörungen häufig mit Schuld- und Schamgefühlen verbunden sind.

Offensichtlich sind dies zwei unterschiedliche Gefühle. Dennoch haben beide denselben Auslöser. Welcher ist das? Die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle sowie das daraus resultierende Unbehagen zu kontrollieren.

Schuldgefühle implizieren, dass du dich schlecht über etwas fühlst, das du getan, gesagt oder erlebt hast. Im Gegensatz dazu sind Schamgefühle noch schädlicher für Menschen mit Angst oder Angststörungen oder anderen psychischen Störungen. Das bedeutet, dass du dich schlecht darüber fühlst, wer du als Mensch bist. Außerdem entstehen Schamgefühle, wenn du dich selber nicht wertschätzt oder dich selber unterminierst und dich gleichzeitig für alles verantwortlich machst, was geschieht.

Zusammenhang mit Angst - Bild von Kopf mit einer Tür darin

Wie kannst du mit Emotionen umgehen, die mit Angst verbundenen sind?

Die beste Methode, um Schuld- oder Schamgefühle zu beruhigen, zu entwirren und zu besänftigen, besteht darin, sich auf den Auslöser zu konzentrieren, der sie hervorruft und intensiviert: die Angst selbst.

Daher sind in diesen Situationen kognitive Verhaltenstherapien oder sogar eine Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) sehr hilfreich und effektiv.

Einige nützliche Empfehlungen

Dennoch ist es immer hilfreich zu wissen, wie man mit komplexen Emotionen wie Schuldgefühlen umgehen kann. Nachfolgend findest du einige Tipps, die dir dabei helfen könnten:

  • Du fühlst dich schuldig, wenn du ein moralisches Urteil über dein Verhalten, deine Gefühle oder Gedanken fällst. Du vermutest, dass mit dir etwas nicht stimmt. In diesem Fall musst du dir über eines im Klaren sein: Angst ist kein Defekt. Es ist ein psychologischer Zustand, den du bewältigen kannst und das solltest du auch tun! Wenn du dich selber darum bemühst, damit fertig zu werden, wirst du positive Ergebnisse erzielen können.
  • Darüber hinaus musst du aufhören, dich selber zu be- und verurteilen. Wenn du dich selber mit einem permanenten Schuldgefühl bestrafst, wird sich deine Angst nur weiter intensivieren. Daher ist es an der Zeit, dich mit Nachsicht und Verständnis zu behandeln. In diesem Kontext können dir die Arbeit an der Stärkung deines Selbstwertgefühls, Selbstvertrauens und deiner Durchsetzungsfähigkeit wirklich sehr helfen.
  • Schuldgefühle nähren Angst und Sorgen. Je mehr du dich auf deine Sorgen konzentrierst, desto größer und intensiver werden diese obsessiven und oftmals irrationalen Gedanken. Daher musst du diese negativen Gedanken zum Schweigen bringen und deinen Geist auf andere Aufgaben und nutzbringendere Aktivitäten fokussieren.

Kurzum, bemühe dich nach Kräften, dich von diesen Belastungen zu befreien, die solche ängstlichen Gedanken in deinem Geist nähren.

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  • Hiedman Eric (2013) Shame and Guilt in Social Anxiety Disorder: Effects of Cognitive Behavior Therapy and Association with Social Anxiety and Depressive Symptoms. PLoS One. 2013; 8(4): e61713. 2013 Apr 19. doi: 10.1371/journal.pone.0061713