Erdung: Techniken zur Linderung von Ängsten

27 September, 2020
Das Beste an der Erdung ist, dass sie sehr einfach ist. Du kannst sie praktisch jederzeit und überall durchführen. Außerdem ist sie ein großartiges Instrument, um Ängste zu lindern.

Techniken zur Erdung sind sehr einfache Entspannungsübungen. Wenn du unter großem Stress oder Ängsten leidest, sind sie besonders gut geeignet. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich um Übungen, bei denen du dich mit der Erde verbindest. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn.

Diese Methode hilft dir, Spannungen abzubauen. Darüber hinaus kann sie aber auch in Zeiten sehr hilfreich sein, in denen du Verwirrung, Ängste oder Traurigkeit erlebst, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund – wie eine drohende Gefahr oder einen Verlust – gibt, der diese Emotionen erklären würde.

Eine von Forschern der University of California durchgeführte Studie bestätigt die Vorzüge von Erdung. Aus physischer Sicht lindert Erdung Entzündungen, stärkt das Immunsystem und verbessert das Gefühl von Vitalität und Wohlbefinden. Das hört sich doch ziemlich gut an, oder? Daher wollen wir uns gleich noch ein wenig intensiver mit diesem Thema befassen.

“Es gibt im Inneren ein Zentrum der Ruhe, das gefunden und gehalten werden muss. Wenn du dieses Zentrum verlierst, bist du unter Spannung und beginnst auseinanderzufallen. Das Zentrum ist noch keinem bestimmten Bereich zugeordnet, aber es gibt bestimmte physische Regionen, mit denen es assoziiert wird.”

– Joseph Campbell –

Erdung - weinende Frau

Die klassische Erdungsübung

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es verschiedene Varianten der Erdung gibt. Aber die “ursprüngliche” Form beinhaltet einen direkten Kontakt mit der Natur. Wenn du dich während eines Spaziergangs am Strand oder im Wald friedlicher fühlst, dann erdest du dich spontan. Erdung ist kein mysteriöses Ritual mit komplizierten Regeln. Es geht einfach darum, in eine natürliche Umgebung einzutauchen.

Für diese einfache Übung ziehst du zunächst einmal deine Schuhe und Strümpfe aus. Anschließend läufst du barfuß über Gras, Sand oder Felsen. Natürlich ist es wichtig, dass du darauf achtest, nicht dort zu laufen, wo du deine Füße verletzen könntest.

Alles, was du tun musst, ist für zehn Minuten zu laufen, ohne stehenzubleiben. Konzentriere dich auf die Empfindungen, die du an deinen Fußsohlen spüren kannst. Außerdem solltest du möglichst langsam atmen. Idealerweise führst du diese Übung im Freien durch, denn dies bietet die meisten Vorzüge.

Aber welche Vorteile bietet dir diese einfache Praxis? Studien zu diesem Thema besagen, dass der direkte Kontakt deiner Haut mit der Erde entspannend ist. Darüber hinaus ist das Laufen auf einer unebenen Oberfläche eine Art natürliche Massage. Befürworter glauben, dass dir diese Übung dabei hilft, dich wieder zu zentrieren.

Alternative Erdungstechniken

Wie wir bereits erwähnt haben, gibt es verschiedene Varianten dieser Übung. Eine weitere sehr beliebte Variante ist die “Achtsamkeitsversion”. Auch hierbei bist du barfuß, aber du sitzt zunächst auf einem Stuhl, der sich an einem Ort befindet, wo du deine Füße fest im Boden verankern kannst. Zunächst atmest du ganz normal. Allmählich intensivierst du deine Atmung, indem du immer tiefer ein- und ausatmest.

Wenn du einige Minuten in dieser Haltung verbracht hast und das Gefühl hast, dass deine Atmung tief und gleichmäßig ist, konzentrierst du deine gesamte Aufmerksamkeit auf deine Fußsohlen. Versuche dabei, alle auftretenden Empfindungen wahrzunehmen: die Textur des Bodens, die Temperatur deiner Füße usw.

Drei Minuten Achtsamkeit und Konzentration auf deine Füße und deine Atmung genügen bereits. Indem du deinen gesamten Fokus und die ganze Konzentration auf deine Füße richtest, verankerst du dich fest im Hier und Jetzt. Es ist, als hättest du deine Angst für einen gewissen Zeitraum ausgeklammert und dir so die Möglichkeit eröffnet, eine Pause von ihr zu machen. Diese Übung mag dir kurz erscheinen, aber du wirst dich danach sehr viel besser fühlen.

Erdung - nackte Füße auf einem Holzboden

Eine dritte Variation der Erdung

Darüber hinaus gibt es noch eine andere Version der Erdung, die ebenfalls Achtsamkeit beinhaltet. Viele Menschen nennen sie die 5-4-3-2-1 Erdungstechnik. Es handelt sich um eine einfache Übung, die sehr hilfreich ist, wenn du dich überwältigt fühlst oder das Gefühl hast, die Kontrolle zu  verlieren.

Beginne mit einigen tiefen Atemzügen. Anschließend nennst du fünf Dinge, die sich in deiner Umgebung befinden. Dabei kannst du alles wählen, was du möchtest, es gibt keine falschen Antworten. Danach schließt du deine Augen und ertastet vier Dinge, die sich in deiner Reichweite befinden. Daraufhin achtest du auf drei Geräusche, die du hören kannst, zwei Gerüche und eine Sache, die du schmecken kannst. Lasse dir bei jedem Schritt genügend Zeit. Das ist schon alles!

Diese Mini-Therapiesitzung ist perfekt, um dich wieder zu erden und in den gegenwärtigen Moment zurückzubringen. Angst entsteht, wenn dein Geist zukünftige Ergebnisse projiziert, die er als bedrohlich wahrnimmt. Diese und ähnliche Praktiken zur Erdung bringen dich wieder in die Gegenwart zurück und beseitigen dein Unbehagen und kreisende Gedanken.

Wie du siehst, sind all diese Erdungstechniken sehr einfach. Daher kannst du sie auch überall praktizieren und dies wann immer du entspannen möchtest. Keine von ihnen dauert sehr lange, aber sie alle können deine Stimmung erheblich verbessern. Probiere gleich heute eine davon aus!

Figueras, T. (2013). Grounding: concepto y usos en danza movimiento terapia (DMT)