Um Hilfe bitten – wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen?

· 1. Oktober 2018

Um Hilfe zu bitten ist nicht immer einfach. Wann sollten wir es tun? Wann sollten wir nach einer ausgestreckten Hand greifen? An welchem ​​Punkt sollten wir einsehen, dass wir es allein nicht schaffen können? Wann ist Hilfe von außen notwendig? Gibt es objektive Anhaltspunkte, die zeigen, dass wir jemanden um Hilfe bitten sollten? Kurz gesagt, wann ist der richtige Zeitpunkt, um Hilfe zu bitten?

Es gibt keine Möglichkeit, einen allgemeingültigen Zeitpunkt anzugeben, an welchem wir um Hilfe bitten sollten. Jeder verfügt über ganz eigene Ressourcen, die ihm individuelle Grenzen setzen. Also, wie können wir erkennen, dass es Zeit für uns ist, um Hilfe zu bitten? Wir sollten achtsam sein, wenn sich unsere Lebenslage verändert. Wir sollten darüber reflektieren, welche Aktivitäten wir aus Angst, Traurigkeit oder Mangel an Enthusiasmus meiden. Welchen Aktivitäten, die uns früher glücklich gemacht haben, wir nicht länger nachgehen, weil etwas nicht stimmt.

Der Punkt, an dem wir um Hilfe bitten sollten, ist in jedem von uns verankert und wir sollten ihn kennen. Es ist der Zeitpunkt, an dem wir unseren Stolz herunterschlucken und jemanden suchen müssen, der uns unter die Arme greift. Wenn wir uns damit abfinden, entmutigt resignieren, weil uns unser Leben nirgendwohin führt, dann stecken wir in einer Sackgasse. In diesem Sinne kann die rechtzeitige Bitte um Hilfe schon ein gewonnener Kampf sein.

In vielen Fällen ist die Bitte um Hilfe eine neue Chance, Hoffnung zu finden. Vielleicht hilft es uns auch, ein Problem zu lösen, das wir allein nicht lösen konnten. Schlimmer wird es nicht werden. Deshalb sollten wir aufhören, im Selbstmitleid zu baden und uns stattdessen sollten jemandem gegenüber öffnen und uns helfen lassen, wenn wir diesen gewissen Punkt erreicht haben.

Ein Mädchen steht am Wasser.

Um Hilfe bitten ist mutig

Wir verstecken so oft unsere Gefühle und glauben, dass Weinen uns als Schwächling entlarven würde. Vielleicht denken wir auch, dass wir mehr Kraft besäßen, als wir tatsächlich haben. Wir denken, dass uns niemand verstehen würde. Das sind alles Gedanken und Gefühle, die uns ersticken können. Wir können nicht alles meistern und wir sollten auch nicht von uns erwarten, dass wir es können. Wenn wir unsere Gefühle zeigen, heißt das also nicht, dass wir unfähig wären.

Wir gewinnen unsere Kämpfe durch den Einsatz von Mühe und indem wir intelligente Entscheidungen treffen. Intelligent zu sein heißt dabei auch, jene Ressourcen zu nutzen, die andere für uns bereitstellen können. Unsere Mitmenschen können uns helfen, wieder auf den Weg zu finden, wenn wir uns verlaufen haben. Um Hilfe zu bitten, zeigt unseren Mut und unsere Stärke, weil es bedeutet, dass wir in der Lage sind, unsere Bedürfnisse zu erkennen. Wenn wir uns Hilfe von einem Dritten holen, ist dies kein Zeichen der Niederlage oder Schwäche. Ganz im Gegenteil: Um Hilfe bitten zeigt unseren Mut, unsere Intelligenz und Zuversicht. Außerdem demonstrieren wir damit unsere Zähigkeit, denn wir geben nicht so leicht auf und bewahren die Hoffnung, dass wir erreichen können, wonach wir streben.

Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem wir uns eingestehen, dass wir nicht mehr wissen, wo unser Weg verläuft? Wenn wir erkennen müssen, dass wir nicht länger glücklich sind? Wenn wir das Gefühl haben, das Handtuch werfen zu wollen, weil wir keine Freude mehr an den kleinen Dingen des Lebens empfinden? Genau dann, wenn wir so denken und fühlen, ist es an der Zeit, um Hilfe zu bitten.

Zwei Frauen sitzen auf einer Couch und weinen.

Lernen, um Hilfe zu bitten

Vielleicht ist der erste Schritt für uns der schwierigste. Warum? Weil wir über uns selbst sprechen müssen, wir müssen uns öffnen und jemandem sagen, wie wir uns fühlen. Wir müssen uns ausdrücken und entschlossen nach dem suchen, was in unserem Leben fehlt.

Wie können wir lernen, um Hilfe zu bitten? Zunächst ist es wichtig, jemanden zu finden, dem wir vertrauen können. Vielleicht haben wir versucht, Hilfe von unseren Mitmenschen zu bekommen und trotzdem fühlen wir uns nicht besser. Oder vielleicht ist die Hilfe, die unsere Freunde oder Familie anbieten, nicht genug. Wenn das der Fall ist, dann ist es Zeit, den Rat eines Spezialisten einzuholen.

Glücklicherweise gibt es viele Spezialisten, aus denen wir uns den besten heraussuchen können. Dieser Spezialist sollte sich auf die Lösung unseres Problems verstehen. Wenn wir Halsschmerzen haben, gehen wir zum Hausarzt und wenn wir einen steifen Nacken haben, gehen zum Orthopäden oder Physiotherapeuten. Wenn wir Schwierigkeiten haben, zu fokussieren, gehen wir zum Augenarzt und wenn uns eine Karies plagt, wissen wir, dass wir einen Zahnarzt aufsuchen müssen. Nur wenn wir seelische Probleme haben, denken wir oft gar nicht daran, zu einem Psychologen zu gehen.

Ein Psychologe ist nur ein weiterer Spezialist. Es wäre völlig falsch, zu denken, dass ein Psychologe nur mit verrückten Leuten arbeitete. Das ist ein sehr altmodischer Gedanke und schmälert auch die Hilfe, die uns ein Psychologe bieten kann. Durch die Zusammenarbeit mit einem Psychologen können wir unsere Ressourcen erhöhen, um uns gewappneter unseren Schwierigkeiten stellen. Er wird uns helfen, Dinge klarer zu sehen, wenn wir uns dazu entscheiden, ein Problem in unserem Leben anzugehen. Er wird uns helfen, diese Gefühle der Einsamkeit zu zerstreuen, die uns von Zeit zu Zeit zu ersticken drohen. Der Psychologe wird uns auch helfen, unsere Motivation zu stärken, wenn wir geschwächt sind.

Also, bei all diesen aufgelisteten Vorteilen, warum dann nicht um Hilfe bitten, noch bevor wir am Tiefpunkt angelangen? Es ist die beste Entscheidung, die wir treffen können.