Ein schlechter Psychologe kann eine Menge Schaden anrichten

1. August 2017 en Psychologie 0 Geteilt

Manchmal vertrauen wir sogenannten Spezialisten beinahe blind. Der Psychologe Daniel Goldstein hat gesagt, dass „Psychologie ein Handbuch für den eigenen Geist“  sei. Aber wozu würde dieses Handbuch werden, wenn es in die Hände eines schlechten Psychologen gelangte?

Ein schlechter Psychologe kann eine Menge Schaden an deiner Psyche anrichten, genauso wie viele andere: ein schlechter Arzt oder Physiotherapeut kann nicht nur eine Heilung verhindern, sondern das ursprüngliche Problem noch verschlimmern. Der Psychologe Victor Frankl benutzte den Terminus „iatrogene Psychose“, um Probleme zu definieren, die durch den Psychologen initiiert werden.

Aber sind wir allein in dieser Situation? Wenn du kein Arzt oder Therapeut bist, wie kannst du dann derartige Probleme erkennen und überwinden?

Wie man einen schlechten Psychologen erkennt

Um einen schlechten Psychologen zu erkennen, sollte man den Beruf gut kennen. Juan Armando Corbin reicht uns in dieser Hinsicht eine helfende Hand, denn dieser Experte auf dem Gebiet der Arbeits- und Coaching-Psychologie hat eine Liste zusammengestellt, die Kriterien nennt, die einen schlechten Therapeuten entlarven.

Fühlst du dich verurteilt?

Dein Therapeut ist nicht da, um über dich zu urteilen. Sein Job ist es, dich zu verstehen, und nicht, dir seinen Willen aufzuzwingen. Er muss deinen Standpunkt nicht teilen, aber dennoch empathisch sein. Mit Verständnis und den richtigen Mitteln kann er dir helfen. Wenn er dich aber kritisiert, dann betritt er persönliches Terrain und überschreitet die Grenzen seines Berufs.

Er kann dir nicht helfen?

Es gibt viele verschiedene Fachrichtungen in der Psychologie. Natürlich können sich Psychologen mit Fällen konfrontiert sehen, für die sie eben keine Experten sind. Wenn dein Therapeut also nicht die erforderliche Qualifikation hat, dann ist es besser, ihn nicht mehr aufzusuchen.

Denke daran: Es gibt Psychologen, die sich auf mehrere Gebiete spezialisieren. Es ist also durchaus möglich, dass ein Praktiker sich mit Problemen ganz unterschiedlicher Art beschäftigt und dies gut tut.

Konzentriert er sich zu sehr auf sich selbst?

Wenn sich dein Therapeut zu sehr auf sich selbst konzentriert, dann ist die Therapie wahrscheinlich nicht sehr effektiv. Manche Spezialisten bringen Beispiele aus ihrem eigenen Leben an, um eine offene Atmosphäre zu schaffen und einen gemeinsamen Nenner mit ihrem Patienten zu finden. Aber am Ende konzentriert sich die Diskussion zuweilen auf eine lange Liste ihrer eigenen Errungenschaften, die nichts mit deinem Problem zu tun haben. Diese Entwicklung ist wohl nicht zu deinem Besten.

Stärkt er eine gesunde emotionale Bindung?

Der Psychologe sollte dafür sorgen, dass sich der Patient gut fühlt, aber er sollte niemals emotionale Grenzen überschreiten. Vertrauen ist in dieser Beziehung notwendig, aber sie sollte streng professionell bleiben. Körperliche Anziehung beispielsweise wird in den meisten Bereichen der Psychologie als Hindernis für eine erfolgreiche Therapie angesehen.

Hört er aktiv zu?

Wie kann ein Psychologe seinen Patienten behandeln, wenn er ihm nicht aktiv zuhört? Du bist während der Therapie verletzlich und sensibel, weil du dich dem Psychologen öffnest. Deshalb sollte jeder seine fünf Sinne auf dich ausgerichtet sein. Er muss wissen, wie er all deine Worte und Gesten interpretiert oder zumindest all seine Kraft dieser Aufgabe widmen. Sonst entgeht ihm die Verbindung mit dir und er wird wichtige Details verpassen, die dabei helfen könnten, dich zu behandeln.

„Die Fähigkeit, im gegenwärtigen Moment zu sein, ist eine wichtige Voraussetzung für mentales Wohlbefinden.“

Abraham Maslow

Glaubst du, dass ihm dein Problem tatsächlich wichtig ist?

Was einem Menschen trivial erscheinen mag, kann für einen anderen ein ganzer Berg von Problemen sein. Aus diesem Grund sollte der Psychologe die Probleme des Patienten im richtigen Maße schätzen. Wenn er sie kleiner macht, dann wird er die Symptome des Patienten nicht verstehen oder unfähig sein, eine passende Therapie anzubieten.

Spricht er mit dir über andere Patienten?

Therapeuten sind zu absoluter Diskretion verpflichtet. Sie sollten niemals mit anderen Patienten über deine Probleme sprechen oder umgekehrt. Wenn du also glaubst, dass sie dir Informationen zu anderen Menschen, die bei ihnen in Behandlung sind, offenbaren, dann ist das Amtsmissbrauch und du kannst sie sogar dafür anzeigen.

Versteht er dein Wertesystem?

Jeder besitzt sein eigenes Wertesystem und es kann gut sein, dass deines nicht zu dem deines Psychologen passt. Das gibt ihm allerdings nicht das Recht, deines zu hinterfragen. Wenn dein Psychologe über dich urteilt und denkt, dass seine Ideale besser seien als deine, dann begeht er einen Fehler. Es mag sein, dass ihm nicht gefällt, wie du denkst, aber er muss es respektieren.

Verweist er dich an einen Spezialisten?

Manche Probleme können nicht allein mit Psycholotherapie gelöst werden. Auch andere Behandlungen können erforderlich sein, wie beispielsweise eine Ernährungsberatung. Oder es könnte sein, dass der Therapeut dir einfach nicht mehr Rat erteilen kann. An diesem Punkt sollte er dich ebenfalls an einen Kollegen verweisen.

„Psychologen helfen dabei, die Wahrscheinlichkeit zu messen, mit der ein Ziel erreichbar ist.“

Edward Thorndike

Wenn du also glaubst, dass du in den Händen eines schlechten Psychologen bist, dann verlasse ihn sofort. Er tut dir keinen Gefallen. Stelle sicher, dass dein Psychologie nicht diese Eigenschaften besitzt, denn leider verfügt nicht jeder, der sich Therapeut nennt, über das notwendige Wissen und die richtige Einstellung, um dir zu helfen.

Auch interessant