Was du mit der Zeit über das Leben lernst

· 20. Juli 2017

Lachen, weinen, springen, stolpern, sich verabschieden, zurückkommen, warten, sich verlieben, Schokolade essen, Parfum riechen, Fehler begehen, sie berichtigen, einen Liebesbrief schreiben, überrascht sein, wütend werden, nachdenken, atmen…

Wir könnten die Liste weiterführen, unserer Vorstellungskraft freien Lauf lassen und uns all das ins Gedächtnis rufen, was lebenswert ist und Spaß macht. Aber mehr als alles andere ist dieser Artikel ein Wunsch. Ein Wunsch, dass du jeden Tag deines Lebens voll auslebst: Jeden Tag solltest du eine Gänsehaut bekommen. Du solltest singen, tanzen, reden und schreien.

 Aber viel zu oft leben wir unser Leben wie Roboter, die sich mehr über ihre vollen Terminpläne Sorgen machen als ihr Leben mit Farbe zu füllen.

Das Leben ist flüchtig und wir verschwenden es zu oft

Führe dich nicht selbst hinters Licht. Du musst nicht das neueste und beste Produkt auf dem Markt kaufen, den teuersten Urlaub machen, unendlich erfolgreich sein oder einen perfekt geformten Körper haben. Aber leider brauchen wir zu lange, um das festzustellen. Wie John Lennon einst gesagt hat:

„Das Leben ist das, was passiert, während du etwas anderes planst.“ 

Wir tun so, als wäre unsere Zeit nicht begrenzt, obwohl nichts entfernter von der Realität sein könnte. Wir sind voller Zweifel. Wir stehen jeden Tag mit dem Gedanken auf, dass wir ewig Zeit hätten, zu verstehen, was es heißt, seine Erfüllung zu finden, und einen weiteren Schritt auf unsere Ziele zuzugehen. Wir vergessen, dass der Sand rasend schnell durch die Sanduhr rinnt und dass es an uns liegt, den Berg heute zu bezwingen. Und wir vergessen auch, dass genau jetzt der einzige Zeitpunkt ist, den wir sicher zusammen haben.

Was wir mit der Zeit lernen

Es bedarf viel Zeit und Selbstliebe, zu diesem Schluss zu gelangen. Der folgende Text von Jorge Luis Borges regt zum Nachdenken an, zum Nachdenken darüber, wie wir uns des Laufes der Zeit erst bewusst werden, wenn wir älter und reifer werden.

Mit der Zeit habe ich den subtilen Unterschied kennengelernt, den es zwischen dem ‚die Hand von jemanden nehmen‘ und ’seine Seele anketten‘ gibt; habe ich gelernt, dass Liebe nicht heißt, dass man sich auf jemandem abstützt und dass Gesellschaft nicht unbedingt Sicherheit bedeutet.
Mit der Zeit habe ich angefangen zu verstehen, dass Küsse keine Verträge und Geschenke keine Versprechen sind.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass mit jemandem zusammen zu sein, weil er dir eine gute Zukunft bietet, bedeutet, dass du früher oder später wieder in deine Vergangenheit zurückkehren wollen wirst.
Mit der Zeit wird auch dir bewusst werden, dass eine Hochzeit, die gefeiert wird, weil ‚es eilt‘, eine klare Warnung dafür ist, dass deine Ehe scheitern wird.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass nur der, der in der Lage ist, dich mit deinen Fehlern zu lieben, ohne zu versuchen, dich zu verändern, dir all das Glück geben kann, was du dir wünschst.

Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass das Zusammensein mit einer Person, um Gesellschaft in deiner Einsamkeit zu haben, unvermeidlich darauf hinauslaufen wird, dass du sie nicht mehr sehen möchtest.
Du wirst verstehen, dass die echten Freunde viel mehr wert sind als irgendeine Summe an Geld und dass die wahren Freunde sich an den Fingern deiner Hand abzählen lassen, während derjenige, der nicht um sie kämpft, früher oder später nur von falschen Freundschaften umgeben sein wird.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass Worte, die in Momenten des Zorns gesprochen werden, langfristig, wenn nicht gar das ganze Leben lang, demjenigen schmerzen, den du damit verletzt hast.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass jeder entschuldigen kann, aber dass nur die großen Seelen vergeben.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Freundschaften v
ermutlich nie wieder sein werden wie zuvor , wenn du einen Freund dauerhaft verletzt hast.

Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass du irgendwann um die Freunde weinen wirst, die du gehen lassen hast, auch wenn du mit deinen Freunden glücklich bist, weil du verstehst, dass keine mit einer bestimmten Person gelebte Erfahrung wiederholbar ist.
Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass der, der einen Menschen demütigt oder geringschätzt, früher oder später die gleichen Demütigungen oder Geringschätzungen in verstärkter Form erleiden wird.

Mit der Zeit habe ich gelernt, all meine Wege heute anzulegen, weil der Boden von morgen zu unsicher ist, um Pläne zu machen.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass das Erzwingen von Dingen dafür sorgen wird, dass sie letztendlich nicht so sein werden, wie du es erhoffst hast.
Mit der Zeit wird dir bewusst werden, dass in Wirklichkeit nicht die Zukunft das Beste ist, sondern der Moment, den du gerade jetzt lebst.

Mit der Zeit wirst du sehen, dass du dich schrecklich nach den Menschen sehnen wirst, mit denen du gestern zusammen warst und die heute schon gegangen sind, auch wenn du glücklich mit den Menschen an deiner Seite bist.

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass der Versuch zu Entschuldigung und Vergebung, der Versuch, zu sagen, dass du liebst, dass du vermisst, dass du brauchst, dass du ein Freund sein möchtest vor einem Grab keinen Sinn mehr hat.

Aber das alles lernen wir leider erst mit der Zeit.

Wir prokrastinieren und heben uns Dinge für einen besseren Moment auf. Für einen Moment, in dem der Tag mehr als 24 Stunden währt oder wir es geschafft haben, unsere Ziele zu erreichen. Wir tun allerdings besser daran, zu erkennen, dass es das Geschenk des heutigen Tages ist, was es uns ermöglicht, für unsere Träume zu kämpfen.
Wir haben vergessen, dass Leben bedeutet, dass die Zeit ohne Unterbrechung fortschreitet. Es gibt uns aber trotzdem die Option, die kleinen Dinge zu schätzen, die es uns gestatten, uns wirklich zu lieben. Im Leben geht es darum,  zu verstehen, dass unsere andere Hälfte bereits in uns existiert. Dass es nicht viel Sinn macht, draußen nach den Puzzlesteinen zu suchen, die uns vervollständigen.