Zorn durch Mitgefühl ersetzen

· 22. Oktober 2015

Jeder von uns hat schon einmal Zorn verspürt. Den Zorn allerdings zu kontrollieren ist etwas, an dem man arbeiten muss. Auch wenn wir nicht direkt darüber aufklären, wie man ihn kontrollieren kann, werden wir heute damit befassen, wie man Zorn durch ein anderes Gefühl ersetzen kann, nämlich durch Mitgefühl. Denn Mitgefühl ist etwas Wichtiges, wenn es darum geht, die Intensität und Häufigkeit von Wutanfällen zu verringern.

Menschen, die generell einen starken Zorn empfinden, können keine Empathie für ihre Mitmenschen aufbringen und ihnen nicht verzeihen. Dennoch ist das Gefühl von Wut etwas, das man mit der Zeit verändern und positiv beeinflussen kann . Mitgefühl passiert unbewusst und von innen heraus, kann aber durch ein bewusstes, ausgewähltes Bestreben mit etwas Übung auch entwickelt werden.

Das bewusste Mitgefühl

Mitgefühl ist eine Emotion, die aus dem Unbewussten kommt. Es ist jedoch möglich, bewusst mitzufühlen, wenn man bereit ist, die Gefühle und Beweggründe der anderen Person zu verstehen. Wir können unser Gehirn trainieren und uns bemühen, mitfühlender zu sein, und das passiert auf einer bewussten Ebene.

Erlebte Momente und eigene Erfahrungen erlauben eine Entwicklung von Mitgefühl und helfen, die Gefühlswelt und den momentanen Gemütszustand des Gegenübers zu verstehen.

Wenn beispielsweise jemand weint, könnte man versuchen, sich in seine Lage zu versetzen und die Dinge, die ihn traurig machen, nachzuvollziehen. Und wenn wir den Schmerz des anderen nachempfinden, dann verspüren wir ebenfalls Traurigkeit. Der Erfahrungsschatz jedes Menschen ist einzigartig, und das macht es uns manchmal schwer, den eines anderen mit dem eigenen zu verknüpfen: Unser Gegenüber könnte aus den verschiedensten Gründen traurig sein, wir verstehen sie nicht oder haben sie selbst noch nicht erlebt.

Sich öffnen, um Mitgefühl zu empfinden

Es ist wichtig, unsere Vorurteile loszulassen, um emphatisch zu sein. Damit wir den Schmerz des anderen nachempfinden können, müssen wir sein Leben kennenlernen, ihm zuhören, wenn er uns einen Einblick in seine Gefühlswelt gewährt, und der Unterhaltung folgen.

Wenn sich unser Gegenüber einmal geöffnet hat, ermöglicht uns das, zu erkennen, was ihn gerade wirklich beschäftigt. Für diese Art des Mitgefühls braucht man eine bestimmte Verbindung. Eine Verbindung, auf die wir uns nicht immer einlassen wollen, aber mit der Zeit wird auch das leichter.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass unser Mitgefühl nicht nur Emotionen, sondern auch Verständnis für unser Denken und Handeln einschließt. Um mitfühlend zu sein, muss man über die Gefühle des anderen hinausblicken und auch seine Art des Denkens, seine Absichten und seine Art, die Welt und seine Mitmenschen wahrzunehmen, verstehen.

Diese Art des Mitgefühls nennt sich mitfühlende Besorgnis. Mitfühlende Menschen zeigen auch größere mitfühlende Besorgnis gegenüber ihren Mitmenschen.

Wenn wir uns also über eine andere Person ärgern, und wir unseren Zorn dämpfen wollen, ist es entscheidend, dass wir nicht nur Mitgefühl, sondern auch eine mitfühlende Besorgnis entwickeln. Mitgefühl verringert unsere Wut, da es negative Gefühle ersetzt. Die mitfühlende Besorgnis ersetzt unseren Zorn, da unsere Antworten die Bedürfnisse des anderen berücksichtigten und dabei helfen, irrationale Reaktionen im Rahmen von Wutanfällen zu vermeiden.

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Seinen Gegenüber verstehen

Empathie ist tatsächlich eine Fähigkeit, die man entwickeln und verbessern kann. Wer das schafft, bekommt ein besseres Gespür für die Gefühlswelt seiner Mitmenschen. Dank unseres Mitgefühls kann sich unsere Wut verringern, weil wir Herausforderungen, Problemen oder Situationen, die andere betreffen, ganz anders gegenüber stehen.

Zwischen Mitgefühl und Zorn besteht eine negative Wechselbeziehung. Zorn mindert die Fähigkeit einer Person, Empathie zu empfinden. Aber wenn wir dem anderen gegenüber Mitgefühl zeigen, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir nicht wütend auf ihn werden. Das zeigt uns, dass Mitgefühl Wut und Aggressionen unterdrückt und Verständnis hervorbringt. Das Handeln der anderen wird dann viel leichter nachvollziehbar.

Zusammenhänge? Das bedeutet, das etwas mit „Recht haben“ nichts mehr zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Verständnis für den Grund des Handelns. Zum Beispiel: Die Reaktionen verstehen, die Aggressionen auslösen, und vermeiden, dass diese sich wiederholen.

Die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren

Es ist wichtig zu wissen, dass Zorn dazu führt, dass wir uns nicht beruhigen können. Der Schlüssel zum Mitgefühl liegt in der Ruhe. Nur so können wir uns auf die Gedanken, Gefühle und Absichten des anderen konzentrieren. Wenn wir Empathie zeigen, können wir stürmische Reaktionen vermeiden.

Denn wenn wir verärgert und innerlich sehr aufgewühlt sind, ist es schwer, die Gedanken, Gefühle und Absichten des Gegenübers nachzuvollziehen. Gleichzeitig verstärkt sich unsere Wut und sorgt dafür, dass wir den anderen zu Unrecht verurteilen. Das Ergebnis: Wir gelangen vorschnell zu dem Urteil, dass der andere falsch gehandelt hat. Deshalb ist es umso wichtiger, an seinen eigenen Verhaltensweisen zu arbeiten und objektiver zu sein, um Mitgefühl und mitfühlende Besorgnis zu entwickeln.

Andererseits neigen verärgerte Menschen dazu, sehr feindselig zu reagieren, da sie das Bedürfnis verspüren, die Person, die sie verärgert hat, zu bestrafen. Tatsächlich bestrafen wir unsere Mitmenschen nicht, zeigen ihnen aber unsere Wut und Feindseligkeit und begehren Rache. Das steht der mitfühlenden Besorgnis im Wege. Wir reagieren also mit Wut, um uns wegen der Schmerzen des anderen nicht traurig zu fühlen.

Es gibt verschiedene Arten, auf Wut zu reagieren

Es gibt ganz unterschiedliche Arten, auf aufkommende Wut und aggressives Verhalten zu reagieren. Manche Menschen können mit der Wut anderer besser umgehen. Sie können Schmerz, Scham, Schuld, Traurigkeit, Einsamkeit und Ängste, die sie wütend machen, besser nachempfinden.

Diese Menschen besitzen die Fähigkeit, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und deren Sichtweise zu verstehen, können ihre Reaktionen kontrollieren und mit der verärgerten Person zu fühlen. Sie können sich mit ihrem Gegenüber identifizieren und vertragen sich mit anderen Menschen in der Regel sehr gut.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sensibler sind und in deren Inneren sich die Wut anstaut. Auch sie wollen dieses unangenehme Gefühl loswerden, unterdrücken es allerdings und versuchen so, einer hitzigen Diskussion aus dem Weg zu gehen.

Wie bekämpft man den Zorn?

Sobald wir uns die Fähigkeit angeeignet haben, den Schmerz und die auf Wut basierenden Verhaltensweisen anderer nachzuempfinden, fällt es uns einfacher, der Wut die Stirn zu bieten und uns zu versöhnen.

Das stete Gefühl, sich und die Wut rechtfertigen zu müssen, kann kontraproduktiv sein und man wird auf diese Weise kein mitfühlender Mensch werden. Wir müssen versuchen, die Gefühle der anderen zu verstehen und sensibel auf unsere Mitmenschen einzugehen, um Empathie und mitfühlende Besorgnis zu entwickeln.

Das Leben ist zu kurz, um sich ständig über alles und jeden aufzuregen. Rachegelüste und das Gefühl von Überlegenheit bringt uns im Leben nicht voran. Wenn du also das nächste Mal in einer Situation Wut verspürst, denke daran, mit deinem Gegenüber mitzufühlen.