Pausenlose Traurigkeit und endloser Schmerz: Dysthymie

· 20. Oktober 2015

Wenn jemand an Dysthymie erkrankt ist, dann fühlt er nicht die unergründliche Leere einer Depression, in der der Schmerz in seiner vollen Stärke zum Ausdruck kommt. Dennoch gibt es viele Personen, die unter dieser psychischen Störung leiden, die ihr Leben Tag für Tag mit unerklärlichem Schmerz und Traurigkeit füllt.

Schlechte Laune, Erschöpfung, Unwohlsein, Gleichgültigkeit. Was passiert, wenn jemand an Dysthymie erkrankt? Er geht zum Arzt und bekommt irgendein Vitaminpräparat verschrieben. Mehr ist oft nicht drin, da bei der Erstuntersuchung Dysthymie nur selten richtig diagnostiziert wird. Diese Krankheit weist nicht die leicht zu diagnostizierenden Symptome einer Depression auf, da es sich hierbei um ein völlig anderes Krankheitsbild dreht. Es handelt sich hier um eine rätselhafte Störung, die sich durch Melancholie und Gleichgültigkeit auszeichnet. Sie macht apathisch und schottet ab.

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-V) hat den Begriff „Dysthymie“ bereits durch „Chronische dysthymische Störung“ ersetzt, und obwohl diese Bezeichnung bereits das Ausmaß der Erkrankung erahnen lässt, darf man nicht ungesagt lassen, dass die auslösenden Faktoren bis heute nicht vollständig bekannt sind. Allerdings könnte es eine bipolare, erbliche Krankheit sein.

Ein Leben mit Dysthymie – der unsichtbare Feind

Heute leiden wahrscheinlich mehr Menschen an dieser chronischen dysthymischen Störung, an Dysthymie, als man vermutet. Der Grund dafür ist die uneindeutige Symptomatik, die eine Diagnose im Vergleich zur allgemeinen Depression erheblich erschwert.

Betroffene können „funktionieren“, während die Trauer sie aber einfach nicht loslässt und ihnen ihr Herz und ihren Verstand raubt. Sie gehen arbeiten und führen sogar mehr oder weniger erfolgreiche Beziehungen. Doch etwas fehlt – sie spüren, dass sich innerlich, ähnlich wie bei einem Puzzle, die Teile nicht zusammenfügen wollen. Es fällt ihnen schwer, zu leben, obwohl ein unsichtbares Etwas seine Wut an ihnen auslässt.

Aber woher kommt diese Gleichgültigkeit, diese Hoffnungslosigkeit, diese unüberwindbare Erschöpfung? Es gibt Tage, an denen der Betroffene eine undefinierbare Wut empfindet, ohne überhaupt zu wissen, woher diese kommt. Es gibt Wochen, in denen er einfach nur schlafen und allein sein möchte. Dann gibt es wiederum Zeiten, in denen der Erkrankte so selbstkritisch ist, dass er nicht einmal sein eigenes Spiegelbild ertragen kann.

Das Treffen von Entscheidungen wird auf einmal zur Mammutaufgabe. Man wird zu einem dieser melancholischen Freunde, an die sich bereits jeder gewöhnt hat, da man schon eine ganze Zeit lang mit diesen seelischen Schmerzen kämpft. Es ist bereits seit Längerem bekannt, dass mehr Frauen als Männer von Dysthymie betroffen sind, und am häufigsten wird diese Erkrankung nach dem 21. Lebensjahr diagnostiziert.

Man muss wissen, dass eine nicht diagnostizierte und unbehandelte Dysthymie zu einer schweren Depression führen kann, wenn in einem bestimmten Moment eine große Belastung durch Stress und Angstgefühle entsteht. Die emotionale Last kann zu einer tatsächlichen Gefahr werden und Selbstmordgedanken hervorrufen. Diese Erkrankung ist nicht zu verharmlosen.

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Wie kann Dysthymie geheilt werden?

Dysthymia ist eine affektive, chronisch depressive Störung, welche nach einer medikamentösen und psychologischen Behandlung verlangt. Ist Dysthymie heilbar?

Vielen Menschen gelingt es, sich von dieser Krankheit zu befreien, obwohl der Schlüssel bei dieser chronischen Erkrankung letztendlich darin liegt, die negativen Gefühle „zu kontrollieren“, um wieder Lebensqualität zu erlangen. Und so schafft man es, diese Krankheit zu besiegen:

Folgende Aspekte gilt es zu beachten:

  1. Wenn innerhalb der eigenen Familie Fälle von Dysthymie bekannt sind, besteht ein erhöhtes Risiko, selbst daran zu erkranken. Und wenn sich ab dem 21. Lebensjahr typische Krankheitssymptome, wie z.B. eine Isolierung des jungen Erwachsenen, zeigen, muss die Familie reagieren und das Selbstbewusstsein und die Motivation des Betroffenen aufbauen und stärken.
  2. Betroffene sollten sich darüber bewusst sein, dass negative Emotionen eine ganze Zeit lang unbeliebte Gäste sein werden, die die Willenskraft zerstören. Man muss dagegen ankämpfen und bedenken, dass die Biochemie des eigenen Körpers der Auslöser für Traurigkeit sein wird. Erkrankte sollten die Welt mit offenen Augen betrachten und verstehen, dass es keinen Grund gibt, hoffnungslos, ängstlich oder wütend zu sein.
  3. Mit Lust zum Leben und zu dir selbst: Vorlieben und Neigungen sind wichtig, sie bringen Leidenschaft und Routine in den Alltag. Tägliche Gewohnheiten zu pflegen, zwingt uns dazu, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und raus in die Welt zu gehen, was unverzichtbar ist. Soziale Kontakte pflegen, spazieren gehen, am Leben teilnehmen, atmen, lachen, schreiben – positive Dinge tun, um diesem Schmerz zu trotzen, den Dysthymie bei ihren Opfern „entflammt“. Erlaube dir selbst nicht, einer von diesen Menschen zu sein.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Cristian Schloe