Trauernde Geschwister: Einsamkeit, Schuldgefühle und Identitätsverlust

Jede Familie geht anders mit dem Tod eines Geschwisterkindes um. Vielen helfen Gespräche und Rituale, andere meiden das Thema und distanzieren sich.
Trauernde Geschwister: Einsamkeit, Schuldgefühle und Identitätsverlust

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2022

Der Verlust einer Schwester oder eines Bruders ist eine tiefgehende und prägende Erfahrung, die die gesamte Familie und das Leben verändert. Trauernde Eltern sind oft selbst mit ihrer Situation überlastet und nicht in der Lage, ihren Kindern Trost zu spenden. Trauernde Geschwister erleben ihre Eltern oft als emotional weit entfernt und fühlen sich einsam. Diese emotionale Distanz kann Wut auslösen, doch gleichzeitig entwickeln viele auch Schuldgefühle.

“Geschwister können die Hüter unserer Identität sein, die einzigen Menschen, die Zugang zu unserem wahren Ich haben.

Marian Sandmaier

trauernde Geschwister haben oft Schuldgefühle

Trauernde Geschwister: Einsamkeit, Schuldgefühle und Identitätsverlust

Der Verlust einer Schwester oder eines Bruders führt zu tiefer Trauer: Die Person, mit der du dein Leben teiltest und die dich zutiefst geprägt hat, ist plötzlich nicht mehr da. Das ganze Leben verändert sich, wenn du die Person verlierst, die immer für dich da war. Einsamkeit, Hilflosigkeit, Schuldgefühle und Identitätsverlust sind häufige Folgen. 

Viele trauernde Geschwister haben Schuldgefühle

Trauernde Geschwister stellen sich oft die Frage, ob sie Schuld an dem Tod des Bruders oder der Schwester tragen. Sie werfen sich vor, manchmal gemein oder egoistisch gewesen zu sein. Sie erinnern sich an Szenen, in denen sie ihr Geschwister beschützen hätten müssen oder sie ihm Unrecht taten und werden sich bewusst, dass es jetzt zu spät ist. Daraus entwickeln sich Melancholie und Trostlosigkeit. Außerdem fragen sich viele: “Warum ist mein Geschwister gestorben und nicht ich?”

Wenn das Geschwister eine schmerzhafte Krankheit hatte, kann der Tod eine Erleichterung bedeuten. Trauernde Geschwister trösten sich damit, dass es ihrem Geschwister jetzt besser geht, da es keine Schmerzen mehr leiden muss. Gleichzeitig haben sie jedoch ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle, da sie durch den Tod des Bruders oder der Schwester Erleichterung empfinden und diese Gedanken nicht zulässig sind. Dazu kommt wieder die Frage: “Warum mein Geschwister und nicht ich?”

Besonders intensiv sind die Schulgefühle in der Regel bei Suizid, denn die Hinterbliebenen stellen sich immer die Frage, ob sie den Tod verhindern hätten können.

trauernde Geschwister kümmern sich um ihre Eltern

Der Umgang mit Trauer

Der Trauerprozess ist oft besonders schwierig, da auch die Eltern tief betroffen sind und nicht immer Kraft aufbringen, um ihrem Kind Trost zu spenden. Viele Kinder fühlen sich auch deshalb schuldig, weil sie ihre Eltern nicht aufmuntern können. 

Trauernde Kinder müssen lernen, die Situation zu akzeptieren, Schuldgefühle abzubauen und ihre neue Rolle und Identität zu entwickeln. Professionelle Hilfe ist essenziell, damit sie besser mit dieser Situation umgehen können und sich nicht alleingelassen fühlen, während die Eltern lernen, mit ihren eigenen Schmerzen umzugehen. Oft fällt es den Kindern schwer, mit ihren Eltern über den Verlust zu sprechen. Sie halten sich zurück, da sie sie nicht noch mehr belasten möchten, und versuchen gleichzeitig, sich um ihre Eltern zu kümmern. Psychologen und Präventionsprogramme sind deshalb grundlegend, um betroffenen Kindern zu helfen.

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