Tierische Freundschaft zwischen verschiedenen Arten

Gibt es Freundschaft zwischen Tieren? Bei welchen Arten ist sie am wahrscheinlichsten? Wir sprechen über einige der wissenschaftlichen Studien, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben.
Tierische Freundschaft zwischen verschiedenen Arten

Letzte Aktualisierung: 20. September 2021

Die Freundschaft zwischen Tieren scheint der Natur zu widersprechen, denn in der Wildnis geht es vorwiegend um Jäger und Opfer oder Konkurrenten. Tierische Freundschaft bleibt jedoch nicht nur auf Beziehungen zwischen Menschen und Tieren beschränkt. Verschiedene Tierarten sind ebenfalls zu einer Bindung zu anderen Arten fähig. Du kannst dies selbst beobachten, wenn du unter anderem die Freundschaft zwischen einer Katze und einem Hund im gleichen Haushalt beobachtest.

Wir laden dich heute ein, mit uns über tierische Freundschaft nachzudenken.

Tierische Freundschaft: Was haben Studien herausgefunden?

Tiere bevorzugen nicht immer die Gesellschaft von Artgenossen. Bei domestizierten Arten wie Hunden und Katzen kommt dies allerdings häufiger vor als bei Wildtieren. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es in der Wildnis keine Freundschaft zwischen Tieren gibt.

Wir präsentieren kurz verschiedene wissenschaftliche Studien, die diese Frage eingehend untersucht haben. Sie erklären einige Gründe dafür, warum bestimmte Arten affektive Beziehungen zu anderen aufbauen.

Tierische Freundschaft

Welche Faktoren bestimmen die tierische Freundschaft?

In einer 2017 in Uppsala durchgeführten Studie wurden die Bedingungen analysiert, die eine Freundschaft zwischen Tieren verschiedener Arten begünstigen. Durch eine ethologische Analyse von 100 Tierverhaltensvideos, die auf YouTube veröffentlicht worden waren, konnten die Forscher vier häufige Stressereignisse erkennen, die die Bindung zwischen den Arten fördern:

  • Verwaisung
  • Trennung von der Mutter
  • Ungünstiges Umfeld
  • Begegnung mit einem Raubtier

Wenn sich ein Tier in einer solchen Situation befindet, wendet es sich eher an Angehörige anderer Arten, um sich zu sozialisieren und zu schützen, vor allem, wenn es Nachwuchs hat. Auf der anderen Seite identifizierte die Studie auch vier gemeinsame Verhaltensweisen bei Arten, die Freundschaften schließen:

  • Räumliche Nähe
  • Soziales Spiel
  • Neutrale Verhaltensweisen
  • Soziale Bindung

Diese Freundschaften waren bei Jungtieren häufiger als bei Erwachsenen. In freier Wildbahn besteht die Gefahr, dass sich die interspezifische Freundschaft zu einem Wettbewerb um Ressourcen oder zu einer Raubtier-Beute-Beziehung entwickelt, wenn die beiden Individuen das Erwachsenenalter erreichen.

Freundschaft zwischen domestizierten Tieren

Studien zum Verhalten von Tieren in Tierheimen sind für das vorliegende Thema ebenfalls sehr nützlich. Diese Orte beherbergen eine Vielzahl von Arten mit traumatischen Vergangenheiten. Neuankömmlinge vertrauen ihren menschlichen Betreuern normalerweise nicht, deshalb suchen sie oft den Kontakt zu anderen Arten, mit denen sie zusammenleben.

In einer Studie aus dem Jahr 2015 untersuchen Sue Donaldson und Will Kymlicka die zwischenartlichen Beziehungen von Tieren, die aus verschiedenen Auffangstationen gerettet wurden. Sie argumentieren, dass der Prozess der Domestizierung von Tieren die Kommunikation mit dem Menschen erleichtert und diese Tiere sich deshalb neutraler verhalten und sich auch anderen Arten annähern.

Faktoren, die eine tierische Freundschaft bestimmen

Wir können Arten, deren Sprache wir nicht verstehen, nicht mit menschlichen Maßstäben messen. Dies könnte zu irreführenden Schlussfolgerungen führen. Die Voraussetzung, um über tierische Freundschaften sprechen zu können, ist deshalb das Studium des Tierverhaltens. In diesem Sinne hat die Anthropologin Barbara J. King einige universelle Kriterien vorgeschlagen, um zu bestimmen, was eine Freundschaft ist:

  • Die Beziehung muss über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.
  • Sie muss auf Gegenseitigkeit beruhen, wobei beide Arten miteinander interagieren.
  • Es muss eine Anpassung zum Wohle der Beziehung stattfinden, entweder eine Änderung im Verhalten oder in der Kommunikation zwischen den beiden Tieren.
tierische Freundschaft zwischen Hund und Katze

Beispiele für tierische Freundschaften

Die Freundschaft zwischen Tieren verschiedener Arten wird schon lange dokumentiert. Hier sind einige kuriose Fälle:

  • Die Primatologin Barbara Smuts dokumentierte die Freundschaft zwischen ihrer Hündin Safi und einem Esel namens Wister. Zuerst lehnte der Esel Safi ab, aber mit der Zeit verstanden sie sich und warteten jeden Morgen aufeinander, um gemeinsam spazieren zu gehen und zu spielen.
  • Balu, Leo und Shere Kan sind ein Bär, ein Löwe und ein Tiger, die im Keller eines Hauses gefunden wurden, als sie noch Jungtiere waren. Sie wurden in die Arche Noah gebracht, ein Tierheim für gerettete Tiere, und sind seitdem unzertrennlich.
  • Eine deutsche Familie fand im Wald ein sterbendes Wildschwein, das sich unter ihrer Obhut erholte und zu ihnen zog. Dort freundete es sich mit ihrem Hund an, ein perfekter Spielkamerad.

Wie du siehst, handelt es sich bei fast allen dokumentierten Fällen um Tiere, die in Gefangenschaft zusammenleben. Obwohl auch in freier Wildbahn Fälle von interspezifischen Freundschaften aufgezeichnet wurden, weisen Experten darauf hin, dass es in dieser Hinsicht noch viele Entdeckungen zu machen gibt.

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  • Silva, N. (2017). Interspecies animal” friendships”.
  • Donaldson, S., & Kymlicka, W. (2015). Farmed animal sanctuaries: The heart of the movement. Politics and Animals1(1), 50-74.
  • Past, E. M., & Amberson, D. (2016). Animal humanities, or, on reading and writing the nonhuman.
  • Lee, Z.H., Ang, A. and Ruppert, N. 2021. First record of interspecies grooming between Raffles’ Banded Langur and Long-tailed Macaque. Journal of Threatened Taxa. 13, 9 (Aug. 2021), 19246–19253. DOI:https://doi.org/10.11609/jott.7510.13.9.19246-19253.
  • Bekoff, M. (2013). Why dogs hump and bees get depressed: The fascinating science of animal intelligence, emotions, friendship, and conservation. New World Library.
  • Smuts, B. (2001). Encounters with animal minds. Journal of consciousness studies8(5-6), 293-309.