Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Über die Wut im Schmerz

· 25. Oktober 2018

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri  ist ein bewegender Film über die Wut und Verzweiflung, die uns im Schmerz überkommt. In diesem Film geht es um das Leid einer Mutter namens Mildred Hayes. Hayes stellt in ihrer Stadt drei Werbetafeln auf, um nach der Vergewaltigung und Ermordung ihrer Tochter gegen die fehlenden Bemühungen der Polizei zu protestieren, den Fall aufzuklären. Doch Hayes erfährt mit ihrer Aktion nicht viel Unterstützung in ihrer Nachbarschaft. Stattdessen wird sie als Querulant wahrgenommen.

Vor ein paar Monaten fand die 80. Oscarverleihung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences statt. Vor der Verleihung waren sich Filmkritiker sicher, dass Three Billboards  keinen Preis in der Kategorie „Bester Film“ bekommen würde, obwohl er sehr positive Kritiken erhalten hatte.

„Denn durch die Liebe kommt Ruhe und durch die Ruhe kommt der Gedanke. Und manchmal brauchst du Gedanken, um Sachen zu entdecken, Jason. Das ist alles, was du brauchst. Du brauchst nicht einmal eine Waffe. Und du brauchst definitiv keinen Hass. Hass hat nie etwas gelöst, Ruhe durchaus. Und Gedanken haben geholfen. Versuche es. Probiere es einfach mal aus.“

Willoughby, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Wie bereits erwähnt, stört sich die Gemeinde an den drei roten Werbetafeln, die diese verzweifelte Mutter in Auftrag gegeben hat. Tatsächlich fühlten sich viele Kinogänger nach der Vorstellung von Three Billboards  ebenso unbehaglich. Zunächst ist da die Tatsache, dass der Handlungsort des Films eine Kleinstadt in Missouri ist, die im Herzen der USA liegt. Dieser Ort ist eine subtile Metapher und wurde nicht zufällig gewählt. Aber auch weitere Aspekte des Films machen es nicht immer angenehm, der Handlung zu folgen.

Die Hauptfigur des Films "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" sitzt vor einem ihrer Werbeplakate.

Ein unbequemer Film

Die Handlung des Films spielt sich scheinbar in einer ganz normalen Gemeinde ab. Aber schnell merken wir als Zuschauer, dass diese „normalen“ Menschen nicht immer gerecht handeln und wie Gewalt eine eigene Sprache spricht, die jedes Gespräch, egal wo dieses stattfindet, bestimmen kann. Wir erkennen das in den Polizeibeamten, die nicht zögern, Folter zu nutzen. Oder wir schütteln den Kopf über veraltete Geschlechterrollen, die wir auf der Leinwand sehen, oder über die Distanz der Nachbarn, die beschließen, einfach wegzuschauen. Wir sehen es im schwarzen Humor, der den Film durchzieht, in dem jede Figur ihre eigenen emotionalen Wunden hat. Alle Charakteren scheinen traumatische Erfahrungen gemacht zu haben, die nur durch Wut kanalisiert werden können.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri  ist kein Wohlfühlfilm. Es ist ein zorniges Porträt einer wütenden Frau, die versucht, Gerechtigkeit zu finden. Aber das Werk ist noch viel mehr als das und am Endes des Films erwartet uns eine Veränderung. Diese wird eingeleitet durch die Hoffnung, die einem Sonnenstrahl gleicht, der selbst die dunkelsten Momente unseres Lebens erhellen kann.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri:  Eine Reflektion über die Wut im Schmerz

Nichts ist so verheerend, wie das eigene Kind zu verlieren. Aber das Leid, das dieses Geschehen verursacht, muss ungleich größer sein, wenn der Tod durch Gewalt, Mord oder Vergewaltigung beigebracht wurde. Viele Menschen haben selbst im eigenen Freundeskreis von solch schrecklichen Erfahrungen gehört. Vielleicht fällt es uns deshalb nicht schwer, uns mit Hayes zu identifizieren, mit ihren Gefühlen der Wut und Verzweiflung. Diese Gefühle sind kaum verwunderlich, denn Hayes verliert nicht nur ihre Tochter, sondern sie muss auch monatelang auf Antworten warten.

Hayes‘ Figur soll uns als Zuschauer unbehaglich machen. Denn Hayes ist unberechenbar, sie redet voller Abscheu und Verachtung, und sie zögert nicht, Gewalt zuzuwenden, wenn sie das Gefühl hat, dass es notwendig sei. Dennoch ist Hayes das emotionale Zentrum des Films. Daher können wir auch nicht anders, als uns in ihre Lage hineinzuversetzen. Es ist unmöglich, nicht zu verstehen, warum sie das tut, was sie tut, selbst wenn sie dabei zu extremer Gewalt greift.

Frances McDormand spielt die Figur der Hayes brillant, während wir zusehen müssen, wie Hayes Ohnmacht und Leid sich in Wut verwandelt. Hayes verkörpert die Wut, die nur aus Liebe gespeist wird. Alles, wozu Hayes in der Lage ist, ist ihre Mitmenschen auf ihre Verzweiflung aufmerksam zu machen, durch das Aufstellen der drei Werbeplakate. Nur so kann Hayes hoffen, Ergebnisse zu erzielen.

Mildred Hayes unterhält sich mit dem Sheriff der Gemeinde

Die Art der Liebe, die uns verwandelt

Martin McDonagh, der Direktor von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri,  wurde stark kritisiert. Denn als irischer Dramatiker bzw. Regisseur versuchte er, ein Porträt des tiefen Südens zu zeichnen, das, so fanden seine Kritiker, auf Stereotypen basierte. Auf Rassismus, Homophobie, Ignoranz, dem Bild dysfunktionaler Familien, gewalttätiger Polizei, Menschen ohne Lebensziele, sexueller Gewalt, Frauenfeindlichkeit­…

Aber nur an der Oberflächliche zu kratzen und sich nur auf die negativen Aspekte eines großen Teils der Vereinigten Staaten zu beziehen, würde bedeuten, die eigentliche Bedeutung von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri  nicht zu erfassen. Jeder Charakter im Film hat die gleiche Kapazität, um gewalttätig zu werden, aber gleichzeitig auch die Fähigkeit zur Güte. Ja, es ist extrem einfach, einige der Charaktere von Anfang an zu hassen. Doch manche Figur verwischt dieses Gefühl der Antipathie, wenn sie im Laufe der Handlung eine Kehrtwende macht und dem Zuschauer Hoffnung vermittelt.

Ein Film über menschliche Emotionen

Der Film ist ein erstaunliches Porträt der menschlichen Psychologie. Obwohl der Film ein sehr schwieriges Thema behandelt, beinhaltet er auch komische Elemente und zeigt tiefe Freundschaft. Three Billboards  mischt das Absurde mit dem Ernsten und erlaubt so, die menschlichen Emotionen in den Mittelpunkt des Films zu stellen. Die Darstellung der Emotionen der Figuren sind der Grund dafür, dass wir mit ihnen leiden können. Deswegen ziehen die Filmcharaktere uns in ihren Bann, obwohl sie nicht immer sympathisch sind.

Ein Plakat für den Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Am Ende noch ein kleiner Hinweis: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri  basiert nicht auf einer wahren Begebenheit. Doch zur gleichen Zeit scheint uns die Handlung auch vertraut. Der Film beinhaltet viel Symbolik. Vielleicht bietet er jenen die Möglichkeit zur Katharsis, die ihre Kinder verloren haben und sich von den Behörden im Stich gelassen fühlen. Diese Menschen leiden oft still in einer Gesellschaft, die sie und ihr Schicksal bereits vergessen hat.

Die drei Werbetafeln, die so zentral im Film sind, stellen auch eine Frage an unser Gewissen. Einige von uns werden sich sicher unbehaglich dabei fühlen, diese Frage zu beantworten.