„Mom-Shaming“: Ist eine echte Mutter eine schlechte Mutter?

13. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Eine gute Mutter oder eine schlechte Mutter - Ein Mädchen umarmt seine Mutter.

Stress, keine Zeit, Verantwortung, Schuldzuweisung, die Meinungen anderer Leute … Dies sind einige der Gründe, warum sich viele Frauen heute für schlechte Mütter halten. Im Internet wurde für dieses Phänomen der englische Begriff „Mom-Shaming“ geprägt. Es ist besonders in den Fällen davon die Rede, in denen Mütter harscher Kritik von anderen ausgesetzt sind und sich daraufhin selbst zu einer schlechten Mutter erklären.

Die Schriftstellerin Jill Churchill sagt dazu: „Es besteht keine Chance, eine perfekte Mutter zu sein, aber es gibt eine Million Möglichkeiten, eine gute Mutter zu sein.“  Einige Frauen streben jedoch immer noch nach Vollkommenheit, sei es wegen äußeren oder inneren Drucks. Diese Vorstellung ist genauso häufig anzutreffen, wie sie falsch ist.

Eine Studie zeigt, dass Mom-Shaming sehr präsent ist

Leider wird der Anspruch, eine perfekte Mutter zu sein, auch an die eigenen Kinder weitergegeben. Diese äußerst kritische Einstellung erzeugt allerdings eine negative Umgebung, die mehr zur Angst eines Kindes beiträgt, als es einer gesunden Entwicklung zuträglich wäre.

Eine verzweifelte Mutter rauft sich die Haare

Im Zeitalter der modernen Technologie ist es besonders dem Internet und den sozialen Medien zu verdanken, dass Mütter immer wieder mit nicht-konstruktiver Kritik konfrontiert werden. Um das Thema Mom-Shaming und seine Darstellung im Netz näher zu beleuchten, führte die University of Michigan (Michigan, USA) eine Umfrage durch. Es ging um das öffentliche Urteil, das in sozialen Medien so leicht gefällt wird.

Die Realität, die diese Studie offenbart, ist entmutigend: Die Ergebnisse zeigen, dass zwei von drei Müttern von dieser Art der Kritik betroffen sind. Sie berichten davon, dass sie sich schämen, wenn sie Kommentare und Urteile von anderen Menschen lesen oder hören.

Die Wahrheit über Urteile im Netz

Aus dieser Studie können wir noch weitere Schlüsse ziehen. Zum Beispiel gaben mehr als die Hälfte der befragten Mütter an, dass sie Kritik oder nicht hilfreiche Ratschläge von nahen Familienangehörigen erhalten hätten.

Das Schlimmste ist jedoch, dass jeder einzelne Kommentar, jedes einzelne Urteil schwer auf den Müttern lastet. Nach eigenen Angaben fühlen sie sich zunehmend unsicher in Bezug auf ihre Rolle als Mütter. Mit anderen Worten, jene Kritik, der jegliche Basis fehlt und die meist beiläufig und ungerechtfertigt geäußert wird, verunsichert die Frauen und löst Schamgefühle aus.

Eine Mutter kritisiert ihre bereits erwachsene Tochter. Hier liegt ein Fall von Mom-Shaming in der Familie vor.

Fremde, Bekannte und Familienmitglieder kritisieren Mütter für die Art, wie sie ihre Kinder disziplinieren. Oder für die Ernährung des Nachwuchses oder für die Art, wie Babys gestillt werden. Dadurch steigt der Druck auf die betroffenen Frauen enorm, den „richtigen Weg“ zum Elternsein zu finden.

Grundsätzlich hinterfragen Menschen ihre eigenen Fähigkeiten ständig. Dies allein ist also nicht das Problem – wenn es eben nur ab und zu passiert. Aber wenn es jeden Tag Kritik hagelt, zerrüttet sie Stück für Stück das Selbstvertrauen der Mutter. Heute wissen wir, dass das ihre Rolle als Mutter, ihre Beziehung zu ihren Kindern, ihrem Lebensgefährten und ihrer Umgebung stark beeinflusst.

„Die Arme einer Mutter sind aus Zärtlichkeit und die Kinder schlafen fest in ihnen.“

Victor Hugo

Mom-Shaming ist falsch, weil du einfach keine schlechte Mutter bist

Trotz allem ist Mom-Shaming falsch. Es ist falsch, weil dieses Gefühl der Scham von vornherein fehl am Platz ist. Es ist lediglich die Folge schlechter Angewohnheiten anderer Leute.

Das Problem der meisten Mütter ist, dass sie selbst schon kritisieren, was sie tun, weil die Mutterschaft eben mit Zweifeln einhergeht. Sie kritisieren sich dafür, dass sie einen Kaiserschnitt anstelle einer natürlichen Geburt wählten. Dafür, dass sie nicht lange genug stillen und postpartale Stimmungskrisen erleben. Dafür, wie sie mit ihren Emotionen umgehen; dass sie arbeiten gehen anstelle zu Hause bei ihren Kindern zu bleiben; dass sie ihren Handys zu viel Aufmerksamkeit widmen, aber ihren Freunden zu wenig; dafür, dass sie zu viel Fernsehen schauen und sich Momente der Entspannung gönnen …

Eine glückliche Mutter spielt mit ihrem Kind

Wie schon Clint Eastwood sagte (und bitte entschuldige unsere Ausdrucksweise): „Meinungen sind wie Arschlöcher, jeder hat eine.“  Tatsache ist, dass es für Mütter nicht einfach ist, sich dieser Art von Druck zu entziehen. Und es stimmt, oft kommt dieser Druck von denen, die den Müttern am nächsten stehen. Das macht es noch schwieriger, aus dieser misslichen Situation auszubrechen.

„Nie im Leben wirst du eine bessere oder großzügigere Zärtlichkeit finden als die deiner Mutter.“

Honore de Balzac

Zum Abschluss bemühen wir noch einmal die Autorin Jill Churchill. Wichtig ist nicht, eine perfekte Mutter zu sein, sondern eine echte Mutter, sagt sie. Gut, liebevoll und freundlich. Also, wenn du dein Kind liebst und ihm alles gibst, was du kannst, warum solltest du dann auf die Meinungen anderer hören? Es gibt kein Handbuch „wie man eine gute Mutter sein kann“, aber es gibt Liebe – und über die verfügst du im Überschuss.

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