Die perfekte Mutter existiert nicht, doch es gibt unzählige Arten, eine gute Mutter zu sein

· 17. Januar 2016

„Du lehrst zu fliegen, aber sie fliegen nicht deinen Flug. Du lehrst zu träumen, aber sie träumen nicht deinen Traum. Du lehrst zu leben, aber sie leben nicht dein Leben. Doch in jedem Flug, in jedem Traum, in jedem Leben, wird immer die Spur des gelehrten Weges zu finden sein.“

Mutter Teresa von Kalkutta

„Eine Mutter zu sein, ist manchmal keine einfache Aufgabe.

Doch die Mühe ist es wert. Es ist mit Abstand die schönste Erfahrung, die eine Frau erleben kann. Nichts prägt die Frau mehr als der Moment, in dem sie direkt nach der Geburt endlich sein noch lieblich verschmutztes, feuchtes, warmes Kind in die Arme schließen kann, und es sie anschaut, als wollte es sagen: Ich kenne dich.

Aber es ist anstrengend.

Damit sind aber nicht nur die folgenden Dinge gemeint: der Schlafmangel; die Spuren, die eine Geburt hinterlässt; die Bedürfnisse, die ein Neugeborenes hat (noch so klein, aber verlangt schon so viel!); nicht einmal der Hormoncocktail, der dich noch mehrere Wochen nach der Geburt seine Auswirkungen spüren lässt.

Es geht auch weder um die fehlende Erfahrung und die Unsicherheit darüber, ob du alles richtig machst, noch um die eigenen Zweifel oder gut gemeinten Ratschläge von Familienmitgliedern, die aber deine eigene Unsicherheit, deine Angst, noch schüren.

Es ist viel mehr als nur das. Es ist der abrupte und plötzliche Verlust deiner eigenen Identität, mit der du dich bis zum Moment der Geburt definiert hast: deine Pläne, deine Wünsche, deine Arbeit, deine Freunde, dein Körper – einfach alles, was dich ausmachte. Deine Zeit, dein Leben.

Frau

Worum es eigentlich geht, zeigt sich beim Blick in den Spiegel. Du hast das Gefühl, die Frau, die sich in ihm zeigt, nicht zu erkennen. Wann wurdest du zu dieser Frau mit den grässlichen Augenringen, die nicht mal eine freie Minute am Tag hat, um sich zu duschen? Wer ist sie? Wer bin ich jetzt?

Das bist immer noch du, nur dass du nun eine großartige Version von dir selbst bist. Doch am Anfang erkennst du das nicht, du siehst es nicht. Du kannst dieses neue Leben, das Windelnwechseln, Stillen zu den unmenschlichsten Uhrzeiten und Schlafliedchensingen nicht mit jenem Leben verbinden, das dir so unwahrscheinlich erscheint, dass für dich nun neu begonnen und wofür du dich dafür entschieden hast. Vorher warst du allein Herr über deine Zeit und du wusstest, wer du warst.

Es ist vollkommen normal, dass dir das so vorkommt, da du jetzt für jemand anderen lebst. Und dieser Andere ernährt sich von dir, nicht nur von deiner Milch, sondern auch von deiner Liebe, deinen Liedern, deinen Worten, deiner Wärme. Und die Zeit vergeht, du wirst sehen.

Die Liebe einer Mutter

Es wird, ohne dass du es merkst, der Moment kommen, in dem sich die Bedürfnisse deines Kindes verringern und die Anzahl der Stunden, die du Nachts schläfst, wieder erhöhen wird. Dein Baby wird lernen, den Kopf selbstständig zu halten, sich von allein umzudrehen und später krabbeln zu können.

Dann, wenn du am wenigsten damit rechnest, wird dir dein Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern und du wirst denken, dass alles doch nicht zu anstrengend war. Eines Tages wird es Mama zu dir sagen. Du wirst es im Park herumrennen sehen, wie es sich ohne Hilfe auf den Schlitten setzt, mit anderen Kindern spielt, die ersten Worte richtig sagen wird, die dich so mit Stolz erfüllen werden. Und für nichts in der Welt möchtest du wieder die Person sein, die du einst warst, und die so wenig über die Liebe wusste…“

Aus: Una nueva materinidad von Vivian Watson Molina (Eine neue Mutterschaft,  nicht auf Deutsch verfügbar)

Denn das ist nur der Anfang…

Egal, ob wir eine Mutter oder das Kind sind, können wir zu dem Entschluss kommen, dass es genauso wenig einen Prototyp einer perfekten Mutter gibt, wie es einen Menschen gibt, der nie Fehler begeht. Eine Mutter ist eine Frau mit ihren eigenen Schwächen und Unsicherheiten, aber mit einer großen Verantwortung, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

Glücklicherweise gibt es mehr gute als toxische Mütter, und die Mehrheit von uns ist ihrer Mutter überaus dankbar dafür, dass sie uns die Möglichkeit geschenkt hat, in dieser wundervollen Welt zu leben.

Mutter und Kind

Ab dem Zeitpunkt, wenn eine Frau zu einer Mutter wird, besitzt sie das größte Privileg der Welt – das Privileg der grenzenlosen Liebe. Tatsache ist doch, dass eine Mutter, die ihre Kinder liebt, immer Fehler machen wird. Doch ihre Liebe ist dafür da, das Unmögliche möglich zu machen.

Das Herz einer Mutter ist Tag für Tag mit dieser grenzenlosen Liebe gefüllt, seitdem sie ihr Kind das erste Mal sah; das erste Mal erlebte, wie es seinen Kopf selbstständig halten, sich umdrehen oder krabbeln konnte. Denn ab dem ersten Blick auf ihren schwangeren Bauch, verliebt sich eine Mutter bedingungslos, und das für ihr ganzes Leben lang.

All das aus dem einfachen Grund, weil eine Mutter eine noch großartigere Version ihrer selbst, und ihr Herz ein unendliches Universum ist. Auch wenn eine Mutter Fehler macht, sind diese doch menschlich, und Mutter zu sein, ist das größte Geschenk auf der Welt.

Bedauerlicherweise sterben Mütter meist, bevor wir erkennen,
dass wir ihnen im Leben für so vieles dankbar sein müssen.

Sie hinterlassen uns schutzlos, schuldig und als unumgängliche Waisen.
Zum Glück haben wir nur eine Mutter, da niemand von uns diesen Schmerz,
seine Mutter zu verlieren, ein zweites Mal ertragen könnte.

Isabel Allende