Spezifische Sprachentwicklungsstörung bei Kindern

28. November 2019
Es ist oft völlig normal, dass Kinder Schwierigkeiten damit haben, sich auszudrücken. Einige sprachspezifische Probleme können sich jedoch mit zunehmendem Alter des Kindes verschlimmern, wenn es nicht rechtzeitig behandelt wird.

Menschen jeden Alters und jeder Lebenslage können Sprachprobleme haben. Diese reichen in der Regel von sehr komplexen Problemen, die die Kommunikation unmöglich machen, bis hin zu einfachen Dingen, wie der Verwechslung des Buchstabens „r“ mit dem Buchstaben „l“. Die meisten dieser Probleme treten besonders häufig in der Kindheit auf. Also in der Zeit, zu der die Entwicklung der Sprache und des Lernens am höchsten ist. Eine Art von Sprachstörung im Kindesalter wird als spezifische Sprachentwicklungsstörung oder SSES bezeichnet.

Das Gehirn von Kindern entwickelt sich rasant. Ihre komplexesten kognitiven Funktionen entwickeln sich unglaublich schnell. Dabei ist die Sprache eine der wichtigsten Funktionen, angesichts der Rolle, die sie in unserer Evolution als Spezies gespielt hat. Die Fähigkeit, auf unterschiedliche Weise zu kommunizieren, erweiterte das Spektrum koordinierter Aktivitäten für den Menschen.

Dennoch ist Sprache auch eine äußerst komplexe Fähigkeit, die Kinder in jungen Jahren erwerben und während der Kindheit verbessern. Die meisten Sprachstörungen beginnen in der Kindheit. Wenn sie nicht behandelt werden, können sie den Betroffenen später im Leben Probleme verursachen.

Die spezifische Sprachentwicklunsstörung tritt bei Kindern mit Lernverzögerungen oder Behinderungen auf.

Was ist eine spezifische Sprachentwicklunsstörung?

Die spezifische Sprachentwicklunsstörung tritt bei Kindern mit Lernverzögerungen oder Behinderungen auf. Angesichts der Tatsache, dass die kognitiven Fähigkeiten von Person zu Person unterschiedlich sind, sprechen Experten über SSES in Fällen, in denen eine bestimmte Beeinträchtigung vorliegt.

Während die Beeinträchtigung auch andere Fähigkeiten negativ beeinflussen kann, handelt es sich im Allgemeinen um ein selektives Defizit für bestimmtes Lernen und nicht um ein globales. Das bekannteste Beispiel ist die Legasthenie. Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) haben trotz normaler Intelligenz Schwierigkeiten damit, das Lesen und Schreiben zu lernen.

Gehirnreife und Sprachentwicklung

Die Sprachentwicklung verläuft schrittweise und hängt von der richtigen neuronalen Entwicklung im Gehirn ab. Die spontane Sprache beginnt im Alter von zwei Jahren und geht mit einer signifikanten motorischen Entwicklung einher. Dieser Prozess fällt mit einer Erhöhung des Grades der Myelinisierung in den Neuronen des Nervensystems zusammen.

Im Alter von sechs Monaten können Babys beispielsweise, dank ihrer motorischen Entwicklung und ihrer Fähigkeit, mit anderen zu interagieren, lächeln. Ein anderes Beispiel ist ein Fünfjähriger, der die motorische Entwicklung fast abgeschlossen hat und komplexere verbale Aufgaben ausführen kann, wie sein Alter zu nennen oder vier Zahlen zu wiederholen.

Was passiert im Fall einer frühzeitigen Hirnschädigung?

Frühe Hirnschäden sind in der Regel auf einen Unfall zurückzuführen. Der erste potenzielle Mangel wird durch die Verletzung selbst verursacht und zwar aufgrund benachbarter neuronaler Veränderungen durch eine Schädigung des Nervensystems. Lernstörungen treten später auf. Sie sind ein Produkt der Reorganisation.

Die Neuroplastizität bei Kindern ermöglicht eine funktionelle Umstrukturierung, schließt jedoch die Möglichkeit einer Entwicklungsstörung nicht aus. Die Art der Verletzung bestimmt, ob die Beeinträchtigung diffus oder fokussiert ist.

Legasthenie, eine spezifische Sprachentwicklungsstörung

Legasthenie ist eine Lernstörung, bei der Schwierigkeiten mit dem Lesen auftreten, aufgrund von Problemen mit der Reihenfolge der Wörter, Silben und Buchstaben.

Dies ist die häufigste spezifische Sprachentwicklungsstörung bei Kindern. Sie kann das Ergebnis eines Grundproblems bei der Hörverarbeitung und einer visuellen Wahrnehmungsstörung sein. Es ist interessant festzustellen, dass die Beeinträchtigung je nach Schreibsystem unterschiedlich ist.

Wie man Legasthenie erkennt

Kinder mit Legasthenie haben Probleme damit, Elemente der geschriebenen Sprache richtig wahrzunehmen. Vier mögliche Ausdrücke von Legasthenie sind:

  • Probleme mit der Aufmerksamkeit. Bestimmte Aufgaben erfordern zu viele kognitive Ressourcen, was zu geistiger Erschöpfung und Konzentrationsstörungen führt.
  • Lateralitätsprobleme. Es fällt den Kindern schwer, links und rechts, sowie allgemeine räumliche Probleme zu identifizieren.
  • Schwierigkeiten beim Erkennen und Benennen der verschiedenen Finger.
  • Gefühle der Unsicherheit und Sturheit.

Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und Dyskalkulie?

Menschen mit Legasthenie haben keine spezifischen Probleme mit Zahlen. Ihre Beeinträchtigung besteht darin, dass sie generell Schwierigkeiten haben, abstrakte sprachbezogene Konzepte zu verstehen.

Dyskalkulie hingegen ist die Unfähigkeit, Zahlenprobleme mental zu lösen. Um Dyskalkulie zu diagnostizieren, suchen Therapeuten nach folgenden Anzeichen:

  • Schwierigkeiten beim Lernen und Erinnern von grundlegenden Tätigkeiten
  • Probleme bei der Identifizierung und korrekten Verwendung von Zeichen
  • Die Unfähigkeit, im Kopf zu zählen. Die Betroffenen verwenden rudimentärerer Strategien, wie das Zählen mit den Fingern.
  • Probleme beim Verstehen numerischer Konzepte wie „größer als“
  • Probleme mit der abstrakten und räumlichen Darstellung von Zahlen, die zu Schwierigkeiten beim Schreiben von Zahlen führen.

Spezifische Sprachentwicklungsstörung und geistig Behinderung: Unterschiede

Eine spezifische Sprachentwicklungsstörung, wie oben erwähnt, ist ein Entwicklungsproblem, das nur bei der Sprache auftritt. Allerdings können sich die Beeinträchtigungen auch auf andere Bereiche des Gehirns auswirken.

Eine intellektuelle Behinderung ist andererseits eine allgemeine Veränderung der intellektuellen Funktion. Sie manifestiert sich in den frühen Stadien der Entwicklung als unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten.

Spezifische Sprachentwicklungsstörung: Beurteilung und Behandlung

In der Regel arbeitet ein multidisziplinäres Team zusammen, um bestimmte Sprachstörungen zu diagnostizieren. Das Team besteht oft aus:

  • Logopäden. Sie sind verantworlich für die Identifizierung des Sprachraums, der die Beeinträchtigung verursacht.
  • Neuropsychologen. Bei einer Hirnverletzung bewertet der Neuropsychologe die exekutive Funktion. Sie können auch eine Differentialdiagnose durchführen, um andere Probleme auszuschließen.
  • Psychologen. Sie sind verantworlich für den Umgang mit der emotionalen Seite einer Sprachbeeinträchtigung. Denn viele Kinder mit Lernschwierigkeiten haben Probleme zu Hause.
  • Lehrern. Lehrer sind ein entscheidender Teil des Teams, da sie in der Regel das Problem in der Schule identifizieren.
  • Andere Spezialisten. Neurologen, Ärzte und Psychiater können auch bei einer Hirnverletzung oder einer anderen physischen Ursache eingreifen.
In der Regel arbeitet ein multidisziplinäres Team zusammen, um bestimmte Sprachstörungen zu diagnostizieren.

Behandlung

Die Behandlung spezifischer Sprachbehinderungen erfordert ebenfalls mehrere Spezialisten. Nach der Diagnose der spezifischen Beeinträchtigung entwickelt das Team eine Strategie, um diese zu beheben.

Der Logopäde ist in der Regel derjenige, der dem Patienten Übungen zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse zur Verfügung stellt.

Wenn ein Kind beispielsweise eine phonetische Beeinträchtigung hat, durch die es Wörter falsch ausspricht (zum Beispiel „r“ durch „l“ ersetzen), entwickelt der Logopäde eine Reihe von motorischen und sprachlichen Artikulationsübungen, um die Position des Mundes zu korrigieren.

Die Intervention ändert sich je nach Art der spezifischen Beeinträchtigung des Kindes. In dieser Phase ist die Einbeziehung der Lehrer in Bezug auf die Sprache und das Zuhören von entscheidender Bedeutung. Sie sollten dabei besonders auf Sprachverständnis- und Ausdrucksprobleme achten.

Es ist wichtig, bei emotionalen Problemen einen Psychologen in den Behandlungsprozess einzubeziehen, da diese häufig den Fortschritt der Patienten verlangsamen.

Abschließend muss darauf hingewiesen werden, dass Kinder ein hohes Maß an Gehirnplastizität aufweisen, da sie diese wichtigen Verbindungen immer noch herstellen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, Sprachbehinderungen so schnell und früh wie möglich zu behandeln.

Wenn die Legasthenie eines Kindes so früh wie möglich behandelt wird, kann es Strategien und Fähigkeiten entwickeln, um seine oder ihre Beeinträchtigung zu kompensieren. Mit der richtigen Behandlung können auch Probleme im späteren Leben vermieden werden, da es viel schwieriger ist, Probleme in späteren Jahren, wie beispielsweise den Zwanzigern und Dreißigern, zu beheben.