Seufzen zur Beruhigung von Ängsten

Wenn du einen schlechten Tag hast, seufze. Mach es tief, denn diese einfache Übung wirkt wie ein psychophysiologischer Neustart, der sowohl die physiologische als auch die psychologische Homöostase wiederherstellen kann.
Seufzen zur Beruhigung von Ängsten

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 14. August 2022

Seufzen ist ein Akt, den Dichter verliebten Menschen zuschreiben. Aber die Wahrheit ist, dass wir nicht nur seufzen, wenn wir von einer Person träumen. Dieses Atmungsmuster ist eng mit unseren Emotionen verbunden, aber es dient dem Organismus auch dazu, uns von der Last der Anspannung und des Stresses zu befreien.

Seufzer entstehen durch tiefes Ein- oder Ausatmen und sind hörbar. Sie bringen uns zurück ins Gleichgewicht und haben eine beruhigende Wirkung. Diese nonverbale Lautäußerung befreit uns von Lasten und spendet Trost. Außerdem handelt es sich gleichzeitig um eine physiologische Reaktion, die als Kommunikationsmechanismus dient. Wenn wir andere seufzen hören, fragen wir, was los ist, denn es handelt sich um die Reaktion auf einen emotionalen Zustand, der Unterstützung oder Bestätigung erfordert.

Sowohl Menschen als auch Tiere seufzen in besonders emotionalen Momenten.

Mann beim Seufzen
Emotionen wie Angst können uns dazu bringen, öfter zu seufzen.

Seufzen, ein physiologischer Neustart

Andrew Huberman, Professor für Neurobiologie an der Universität Stanford, weist darauf hin, dass Seufzen die diskrete Kunst ist, Stress und Angst abzubauen. Auffallend ist, dass dieses Lautäußerung beim Umgang mit solchen emotionalen Zuständen bereits automatisch abläuft, sowohl bei uns als auch bei Tieren.

Allerdings seufzen wir nicht richtig: Wir erfahren zwar eine gewisse Erleichterung, jedoch keinen dauerhaften Nutzen. Das liegt daran, dass wir zu schnell atmen. Stress führt dazu, dass ein großer Teil unserer Lungenbläschen aufgrund der hohen Herzfrequenz mit Luft kollabiert. Wir atmen schnell und unser CO₂-Spiegel steigt an. Das führt zu Müdigkeit und Unwohlsein.

Um von Seufzern zu profitieren, müssen diese bewusst erfolgen. Ein langsamer, tiefer Seufzer hat eine erholsame Wirkung auf den Körper. Er ist nützlich, weil er den Sauerstoff erneuert, Kohlendioxid-Abfälle ausscheidet und den Endorphinspiegel anhebt. Wir erleben mit der Zeit ein viel nachhaltigeres und angenehmeres Gefühl des Wohlbefindens.

Tiefe Atemzüge, über die wir die volle Kontrolle haben und die wir bewusst machen, bringen uns große psychologische Erleichterung.

Die Vorteile des tiefen Ausatmens bei Angst

Die Universität Leuven hat 2016 eine interessante Studie durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass tiefes Seufzen den Grad der Angst bei Menschen mit diesem Problem reduziert. Die Entdeckung dieses gesundheitlichen Nutzens ist jedoch nicht neu.

Dokumente zeigen, dass eine Technik namens “physiologisches Seufzen” bereits 1930 angewendet wurde. Wir wissen, dass unser Körper den ganzen Tag über unbewusst kleine Seufzer ausstößt. Wir tun dies, um die Lungenfunktion zu regulieren und zu optimieren. Bei Stress und Angst sind diese Seufzer jedoch häufiger, aber kürzer und abgehackter.

Der physiologische Seufzer ist ein tiefer, freiwilliger Atemzug, bei dem du 6-8 Sekunden lang gleichmäßig ausatmest. Auf diese Weise erkennen die Rezeptoren des Herzens diese Bewegung des Zwerchfells und senden Nachrichten an das Gehirn, um die Herzfrequenz zu senken. Nach kurzer Zeit bemerken wir eine angenehme Entspannung.

Dreimal täglich tief seufzen

Negative Gefühlszustände wie Angst, Furcht, Kummer und sogar Traurigkeit veranlassen uns viel mehr zu seufzen. Es ist also offensichtlich, dass eine Erhöhung der Seufzerrate pro Tag nicht dazu führt, dass wir uns gut fühlen, sondern das Gefühl der Wachsamkeit erhöht. So sehr, dass es in vielen Fällen Hyperventilation auslösen kann.

Das Ideal ist, die Anzahl unserer Seufzer so weit wie möglich zu regulieren und zu kontrollieren. In schwierigen Zeiten richtig zu atmen, ist wohltuend und kathartisch. Genauso hilft es, 3-4 Mal am Tag tief und bewusst zu seufzen.

Die Technik sieht folgendermaßen aus:

  • Atme 3-4 Sekunden lang gleichmäßig durch die Nase ein. Achte darauf, dass die Luft den Bauchraum ausfüllt.
  • Halte diese Luft für 7 Sekunden.
  • Atme die Luft mindestens 8 Sekunden lang klangvoll aus (denk daran, dass wir beim Seufzen immer einen Laut von uns geben).
  • Wiederhole dies zweimal.
Frau spricht mit Freund und erklärt, warum Seufzen gut tut
Seufzen während der Kommunikation ist auch eine Form der emotionalen Entspannung.

Ausatmen als Mechanismus der emotionalen Kommunikation

Seufzen ist auch ein Mittel der emotionalen Kommunikation. Wenn wir hören, dass jemand diesen charakteristischen Ton von sich gibt, wissen wir, dass etwas im Kopf dieser Person vor sich geht. Wir seufzen bei Emotionen mit negativer, aber auch mit positiver Valenz. Freude, Liebe und Sorgen aktivieren diesen physiologischen Reset, mit dem wir ausatmen und eine leichte Erleichterung finden.

Wenn jemand, der uns nahe steht, diesen Ton von sich gibt, fragen wir ihn normalerweise, was mit ihm los ist. In gewisser Weise ist ein Seufzer ein Weckruf in einem sozialen Kontext, der dazu dient, einander zu unterstützen. Das sollten wir nicht vernachlässigen. Es geht darum, herauszufinden, was diese Person bedrückt. Denn obwohl das tiefe Ausatmen dem Organismus eine angemessene Homöostase verschafft, heilen und reparieren Gespräche über das Leid viel mehr.

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