Schlafstörungen und neurodegenerative Erkrankungen

26. Juli 2019
Eine Studie der University of Toronto ergab, dass Schlafstörungen einen enormen Einfluss auf neurodegenerative Erkrankungen haben können.

Die Forschungen haben eine sehr interessante Entdeckung gemacht: Es besteht ein Zusammenhang zwischen REM-Schlafstörungen und neurodegenerativen Erkrankungen, die dazu neigen, sich bei älteren Menschen zu manifestieren.

Neurodegenerative Erkrankungen sind Leiden, bei denen die Neuronen des Zentralnervensystems aufhören zu arbeiten oder langsam absterben. Dies wiederum führt dazu, dass unterschiedliche neurologische Anzeichen und Symptome auftreten.

Diese Erkrankungen verschlechtern sich mit der Zeit und sind unheilbar. Sie können sich aufgrund einer genetischen Komponente, eines Tumors oder eines Schlaganfalls manifestieren. Außerdem kommen neurodegenerative Erkrankungen auch häufiger bei Menschen vor, die viel Alkohol trinken oder bestimmten Viren und Toxinen ausgesetzt sind.

Schlafstörungen können sich ebenfalls auf die Manifestation neurodegenerativer Erkrankungen auswirken. Eine Studie der University of Toronto ergab, dass REM-Schlafstörungen ein frühes Anzeichen für neurologische Störungen sein können.

Schlafstörungen können sich auf die Manifestation neurodegenerativer Erkrankungen auswirken

Alles über das Träumen

Seit den 60er Jahren behaupten Wissenschaftler, dass Träume im REM-Stadium auftreten und dass der Hirnstamm ein Schlüsselbereich ist, um sie zu kontrollieren. Dieser Teil des Gehirns kommuniziert mit dem Hypothalamus, um den Übergang vom Wachsein in den Schlaf zu schaffen. Dasselbe gilt für den Übergang vom Schlaf zum Wachsein.

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Somit starten die glutamatergen SubC-Zellen (die den Übergang zwischen REM-Schlaf und Nicht-REM-Schlaf regulieren) eine Kettenreaktion. Diese Zellen haben ihren Namen von der Gehirnregion, zu der sie gehören: dem Subcoeruleus-Kern oder SubC.

Diese Reaktion bewirkt die Freisetzung des GABA-Neurotransmitters, wodurch gleichzeitig das Aktivitätsniveau im Hypothalamus und im Hirnstamm verringert wird. Tatsächlich sind GABA-Neuronen für die Steuerung des REM-Schlafes und insbesondere der Muskellähmung während des Tiefschlafes verantwortlich.

Wenn diese Zellen aktiviert werden, erfolgt ein schneller Übergang zum REM-Schlaf. Der Hirnstamm sendet Signale, damit sich die Muskeln entspannen und die Gliedmaßen nicht bewegen. Vor diesem Hintergrund untersuchten die Forscher REM-Schlafstörungen wie Kataplexie, Narkolepsie und REM-Schlafverhaltensstörungen.

REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Menschen, die an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, bewegen ihre Gliedmaßen oder stehen sogar vom Bett auf, während sie noch träumen. Tatsächlich können einige Patienten mit dieser Störung sogar sprechen oder schreien.

Ärzte sind der Ansicht, dass diese Pathologie die Betroffenen zu einer Gefahr für sich selbst, oder andere in ihrer Umgebung, macht. Manchmal sind die negativen Folgen, wie Selbstverletzung oder das Verletzen der Person, mit der sie das Bett teilen, ein Warnzeichen für eine Diagnose. Die gute Nachricht ist, dass eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sich in der Regel behandlen lässt.

Schlafphasen und Schlafstörungen

Der Schlaf umfasst verschiedene Phasen: Aufwachen, REM-Schlaf und Nicht-REM-Schlaf. Viele Eigenschaften definieren jede Stufe. Um die Störung des REM-Schlafverhaltens zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, was in dieser Phase passiert.

Während dieser Phase ähnelt die elektrische Aktivität des Gehirns der deines Gehirns, wenn du wach bist. Obwohl die Neuronen im Gehirn während der REM-Phase ähnlich funktionieren wie im Wachzustand, beinhaltet der REM-Schlaf eine vorübergehende Muskellähmung.

Bei einigen Schlafstörungen, wie Narkolepsie, Parasomnie oder REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, gibt es fast keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Stadien. Experten glauben, dass die „neurologischen Barrieren“, die die Schlafphasen trennen, nicht richtig funktionieren, obwohl die Ursache für diese Phänomene noch nicht klar ist.

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Daher können die meisten Menschen ihren Körper nicht bewegen, selbst wenn sie lebhafte Träume haben. Menschen mit einer REM-Schlafstörung dagegen haben jedoch keine Muskellähmung. Das heißt, dass sie ihren Körper bewegen können, während sie heftige Träume haben.

Menschen mit einer REM-Schlafstörung können sich beim Träumen bewegen

Der Zusammenhang zwischen REM-Schlafstörungen und neurodegenerative Erkrankungen

Die Forschungen haben eine sehr interessante Entdeckung gemacht: REM-Schlafstörungen stehen im Zusammenhang mit mehreren neurodegenerativen Erkrankungen, die dazu neigen, sich bei älteren Menschen zu manifestieren. Diese Befunde legen nahe, dass die neurodegenerativen Prozesse zunächst die REM-Schlafkreise und insbesondere die SubC-Neuronen betreffen.

Die Forscher beobachteten ebenfalls, dass mehr als 80% der Menschen, die an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, schließlich Synucleinopathien, wie der Parkinson-Krankheit und Lewy-Körper-Demenz (LBD), entwickeln.

Diese Forschung deutet darauf hin, dass Schlafstörungen ein frühes Anzeichen für neurodegenerative Erkrankungen sein können, die sich 15 Jahre später manifestieren könnten.

Es lohnt sich ebenfalls zu erwähnen, dass sowohl die Parkinson-Krankheit als auch die LBD mit einer abnormalen intraneuronalen Anreicherung von Alpha-Synuclein-Protein zusammenhängen. Aus diesem Grund erwarten die Forscher, dass die Untersuchung des besagten Proteins Aufschluss darüber gibt, durch welche neuroprotektiven Therapien die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen vermieden werden kann.

Experten behaupten außerdem, dass, genau wie bei krebsanfälligen Patienten, die Diagnose von REM-Schlafstörungen zu vorbeugenden Maßnahmen führen. Auf diese Weise könnte die neuronale Gesundheit erhalten werden, bevor sich ernstere neurologische Zustände entwickeln.