Alkohol hilft dir nicht, zu vergessen

29. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Frau lehnt an Wand und weint

Da immer noch häufig angenommen wird, dass Alkohol ein guter Weg wäre, die eigenen Probleme zu vergessen, ist es endlich an der Zeit, diesen Mythos zu widerlegen. Trinken, um zu vergessen, ist ein furchtbarer und nutzloser Einfall. Neben den schädlichen Auswirkungen auf deinen Körper ist es außerdem ineffektiv. Diese psychoaktive Droge hilft dir nicht dabei, schlechte Erfahrungen zu vergessen – sie bewirkt das komplette Gegenteil. Neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge, trägt Alkohol dazu dabei, Erlebnisse in deinem Gedächtnis zu verfestigen. Das, was du erlebt hast, kann eben nicht geändert werden.

Alkohol ist eine Substanz, die den Körper, abhängig vom Zeitpunkt des Konsums, unterschiedlich beeinflusst. Er hat Auswirkungen auf die Signalübertragung per Neurotransmitter und Gehirnstrukturen und überschreibt das zentrale Nervensystem. Das verursacht kurz-, mittel- und langfristig massive gesundheitliche Probleme. Aber wie genau beeinflusst uns Alkohol?

Wieso sind wir so anfällig für Alkohol?

Ethylenalkohol oder Ethanol ist eine Droge, die schnell in die Blutbahn gelangt. Dazu kommt, dass Zellmembranen ihr gegenüber eine hohe Durchlässigkeit haben – die Moleküle können sie also schnell durchdringen. Ist Alkohol einmal im Blutkreislauf, kann er praktisch alle Organe erreichen. 

Alkohol benötigt zwischen 30 und 90 Minuten nach dem Konsum des Getränks, bis er in die Blutbahn aufgenommen wird. In der Leber zum Beispiel hemmt der Alkohol die Neubildung und Freisetzung von Glukose. Als Resultat davon sinkt der Blutzuckerspiegel, was dich wiederum schwach und erschöpft fühlen lässt.

Frau liegt betrunken auf dem Tisch

Trinkst du alkoholische Getränke, machen sich seine Auswirkungen nicht sofort bemerkbar. Das liegt daran, dass er zweiphasig auf uns wirkt, und diese zwei Phasen sind durch komplett gegensätzliche Symptome gekennzeichnet.

Zuerst fühlst du Entspannung, Freude, Euphorie und verlierst deine Hemmungen. Später, wenn die Zeit vergeht, können, je nach Menge und Zeitpunkt des Konsums, weitere Symptome auftreten: verschwommene Sicht, Benommenheit und Koordinationsprobleme. Wieso passiert das?

Wie wirkt sich Alkohol auf unser Gehirn aus?

Alkohol ist ein starkes Sedativum für unser zentrales Nervensystem. Das heißt, dass er die Aktivität von Gehirn und Rückenmark verlangsamt. Er wirkt sich, neben zahlreichen weiteren Systemen, auf die Retikulärformation im Hirnstamm, die Großhirnrinde und das Kleinhirn aus. Wir nehmen an, dass sich die Auswirkungen in mehrere Stadien gliedern lassen:

  • Zuerst beeinflusst der Alkohol das Vorderhirn. Das beeinträchtigt sowohl die Motorik als auch den Prozess der Entscheidungsfindung.
  • Als nächstes greift er das Mittelhirn an. Das bedeutet, dass du die Fähigkeit verlierst, deine Emotionen zu kontrollieren, und dass die Chance, das Bewusstsein zu verlieren, steigt.
  • Zuletzt erreicht er weite Teile des Hirnstamms, beeinflusst Herzfrequenz, Körpertemperatur, Appetit und Bewusstsein. In diesem Stadium kann der Betrunkene in einen komatösen Zustand fallen.

Wie du siehst, kann exzessiver Konsum zum Verlust des Bewusstseins führen. Und ist der Konsum extrem hoch, ist sogar der Tod durch eine Alkoholvergiftung mit Herzstillstand möglich. 

Die fälschliche Annahme, dass Alkohol antidepressiv wirkte

Viele von uns widmen sich dem Alkohol, wenn sie sich depressiv fühlen. Wir denken, sein Konsum könnte Gefühlen der tiefen Traurigkeit Einhalt gebieten. Da er als hemmend auf das Gehirn wirkt, erlaubt er uns tatsächlich, aufzuhören, die eigene Stimmung wahrzunehmen. Wir gehen in einen Zustand über, in dem wir keinen Schmerz, keinen Kummer und keine Wut fühlen. Das macht Alkohol zur attraktiven Droge, besonders für Menschen, die emotional anfällig sind.

Erst kürzlich wurde in der Zeitschrift Translational Psychiatry  jedoch eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass exzessiver Alkoholkonsum nicht nicht nur dabei helfe, Erinnerungen kurzfristig auszulöschen, sondern auch dabei, sie langfristig aufrechtzuerhalten. Das heißt, dass selbst mäßiger Alkoholkonsum nicht gut für den Körper ist.

Alkoholkonsum ist nicht die Lösung! Es hilft dir nicht, deine Probleme zu lösen und Konflikte zu beenden. Auch gibt er dir nicht die Stärke oder den Mut, die Kontrolle über dein Leben zu erlangen. Ganz im Gegenteil. Zuflucht im Alkohol zu suchen verlängert nur das Leiden. Und nicht nur deines, sondern das aller um dich herum.

Mann raucht verzweifelt

Langfristige Konsequenzen

Die langfristigen Auswirkungen gesteigerten Alkoholkonsums sind wirklich katastrophal. Regelmäßiges Trinken kann jedem Organ in deinem Körper schaden.

  • Es verursacht Läsionen des Gehirns und sogar eine Verringerung der Gehirngröße.
  • Alkohol hemmt die Aufnahme von Thiamin (Vitamin B1), das am zerebralen Stoffwechsel beteiligt ist. Das kann zur Wernicke-Enzephalopathie und schlussendlich auch zum Korsakow-Syndrom führen.
  • Zusätzlich zu dieser ernsten Schädigung des Hirns, wirkt sich der Alkohol auch auf das periphere Nervensystem aus, was zu irreversiblen Schädigungen dieser Nerven führt.
  • Alkohol interferiert mit der Verarbeitung neuer Informationen und kann auch die optische und räumliche Wahrnehmung beeinträchtigen.
  • Übermäßiges Trinken ist außerdem dafür bekannt, dass es schwere Schlafstörungen verursacht.
  • Es reduziert den sexuellen Trieb, verursacht Unfruchtbarkeit und erektile Dysfunktionen.
  • Auch kann der Konsum zur Dehydrierung in gefährlichem Maße führen und und den Körper daran hindern, weiße und rote Blutzellen zu produzieren. Das verursacht systemische Beschwerden wie Blutarmut und Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Anfälligkeit für Infekte.
  • Alkohol steigert den Blutdruck. Hoher Blutdruck wiederum kann den Herzmuskel beschädigen und ihn so schwächen. Dadurch verliert er die Fähigkeit, im nötigen Maße Blut in jeden Teil des Körpers zu pumpen.
  • Ethanol reizt die Organe und verursacht zahlreiche Krankheiten, darunter Hepatitis oder Leberzirrhose. Zusätzlich ist es so giftig, dass er Krebs in Kehlkopf, Speiseröhre, Magen und Bauchspeicheldrüse verursachen kann. 

Trotz alledem ist Alkohol in fast jedem Land der Welt legal, mit Ausnahme der islamischen Staaten. Deswegen liegt es, unter Berücksichtigung der Auswirkungen dieser psychoaktiven Substanz auf Hirn und andere Organe, in deiner eigenen Verantwortung, deinen Alkoholkonsum einzuschränken.

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