Warum erinnern wir uns manchmal an Träume und manchmal nicht?

· 8. November 2018

Wir verbringen fast ein Drittel unseres Lebens im Schlaf. Dennoch haben wir kaum eine Vorstellung davon, was in diesem seltsamen, aber gleichzeitig faszinierenden Universum geschieht, das sehr häufig surreal erscheint, dem jedoch verschiedenste Bedeutungen zugeschrieben werden. Warum ist das so? Warum können wir uns manchmal an unsere Träume erinnern und manchmal nicht?

Salvador Dalí sagte, dass die Tatsache, dass er die Bedeutung seiner Kunst nicht verstanden habe, nicht bedeuten würde, dass es sie nicht gebe. Er äußerte dies sehr häufig, was im Wesentlichen an einer sehr konkreten Realität liegt: Ein großer Teil der Werke dieses unvergesslichen Malers, Bildhauers, Graveurs und Bühnenbildners wurde von der Welt der Träume inspiriert. Dalí war ein authentischer Onironaut, ein Spezialist für klare Träume, die er während eines Nickerchens selbst provozierte. 

Manche Menschen haben die Fähigkeit, sich an jeden ihrer Träume im Detail erinnern zu können. Andere wiederum haben das Gefühl, nichts geträumt zu haben, da ihre Erinnerung sehr vage, ja fast nicht existent ist. Diese Tatsache, ob man sich erinnert oder nicht, ist auf eine sehr spezifische Region im Gehirn zurückzuführen.

Leider hat die große Mehrheit der Bevölkerung diese Fähigkeit nicht. Darüber hinaus ist der Anteil der Menschen, die sich präzise an das erinnern können, was in einem Traum passiert ist, sehr gering im Vergleich zu denen, die mit einer Empfindung, einer Reihe von ungeordneten und zusehends verschwimmenden Bildern ihrer Träume aufwachen. Für diese Realität, die für viele sehr frustrierend sein kann, gibt es verschiedene Erklärungen, die wir im Folgenden aufzeigen werden.

Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen

Warum erinnern wir uns manchmal an Träume und manchmal nicht?

Wir Menschen schlafen in Zyklen, die im Durchschnitt 90 bis 100 Minuten währen und wiederum in verschiedene Phasen geteilt werden können. In der REM-Phase (Schlafphase mit schnellen Augenbewegungen) haben wir die lebhaftesten Träume, die uns oft in faszinierende und furchterregende Szenarien versetzen. Dorthin, wo unsere Empfindungen und Emotionen direkt unter die Haut gehen. Die REM-Phase ist nicht nur die längste Schlafphase, sondern auch die letzte. Daher ist es üblich, plötzlich aufzuwachen und sich nur an die letzten Momente dieser Phase zu erinnern.

Über die Phasen des Schlafes hinaus berichten uns viele Neurologen, dass das „schlafende Gehirn“ kein Erinnerungsvermögen habe. Das heißt, wir sind in dieser Phase nicht darauf programmiert, Daten zu speichern, da scheinbar nichts Wesentliches passiert, das für uns von Nutzen sein könnte. Aber warum erinnern wir uns dann manchmal doch an unsere Träume?

Die Antwort darauf bietet eine aktuelle Studie der Monash University in Melbourne, Australien. Die hier gezogenen Schlussfolgerungen basieren auf einer Theorie, die bereits im Jahr 2011 in der Fachzeitschrift Neuron  nach einer Reihe von Magnetresonanzuntersuchungen formuliert wurde. Der Schlüssel sei danach im Hippocampus zu finden. Diese Gehirnstruktur, die im Zusammenhang mit unseren Emotionen und unseren Erinnerungen steht, sei im Grunde „der Schuldige“, der uns nicht erlaube, jene Träume zu speichern, die wir jede Nacht erleben. 

Der Hippocampus

Der Hippocampus und die Traumwelt

Wer denkt, dass das Gehirn herunterfahre, wenn wir auf der Couch oder im Bett einschlafen, der irrt sich. Es gibt keine völlige Deaktivierung, doch wir treten sozusagen in eine andere Art von Energiesparmodus ein. Dabei ist eine der letzten Strukturen, die vom bewussten Modus zum Unbewussten übergeht, der Hippocampus. 

Dieser Bereich ist unter anderem dafür zuständig, Informationen vom Kurzzeitgedächtnis zum Langzeitgedächtnis weiterzuleiten. So gibt es Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, diesen Bereichs ein wenig später als die anderen Menschen auf Stand-by schalten, was ihnen erlaubt, mehr Fäden dieses Traumgewebes zu speichern. Der Rest, also mehr als 90 % der Menschen, die sich nicht an ihre Träume erinnern, verdanken diese Erinnerungslücke der frühen Reduktion der Aktivität im Hippocampus.

Hierzu soll gesagt werden, dass der Hippocampus im Bezug auf andere Aufgaben durchaus funktionsfähig bleibt. Während des Schlafs ist er damit beschäftigt, den Arbeitsspeicher zu durchforsten, danach zu kategorisieren, ob sie wichtig sind oder nicht. Er löscht Daten, eliminiert verschiedene Informationen und Bilder, die wir während des Tages aufgenommen haben, damit nur jene, die er für wichtig erachtet, im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Er ist so sehr auf diesen Prozess konzentriert, dass er seine Aufmerksamkeit nur selten diesem Traum schenkt, in den wir währenddessen eintauchen.

Schlafender Mann in bunter Traumwelt

Andererseits, und dank eines Artikels, der in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology  veröffentlicht wurde, wissen wir heute, dass die Menschen, die sich an ihre Träume erinnern, zusätzlich zu einem bewussteren Hippocampus auch eine größere Aktivität an der temporoparietalen Kreuzung, also im Informationsverarbeitungszentrum des Gehirns, aufweisen.

Man kann sagen, dass der Unterschied zwischen den Menschen, die sich nicht an ihre Träume erinnern, und denen, die dies tun, nicht zufällig ist. Die Ursache liegt in einem aktiveren Hippocampus, der zögerlich ist, wenn es darum geht, nachts abzuschalten.

Wenn wir uns nicht an unsere Träume erinnern können, was können wir tun, um dies zu schaffen?

Es gibt viele Menschen, die sich regelmäßig wünschen, sich mit Klarheit an ihre Träume zu erinnern. Ihnen ist, als könnten sie sich selbst dann besser verstehen, begreifen, was ihnen auf den ersten Blick hin nicht bewusst wird. Nun, man muss sagen, dass keine der Techniken, die diesbezüglich vorgeschlagen werden, absolut empfehlenswert oder zu 100 % effektiv wäre. 

Die häufigste Theorie ist jene, die uns vorschlägt, unseren Wecker auf einen 30 oder 35 Minuten währenden Zyklus zu programmieren. Dieses häufige plötzliche Erwachen soll uns erlauben, uns an die eben gehabten Träume zu erinnern, die wir dann sofort in einem Notizbuch niederschreiben sollen. Es ist jedoch offensichtlich, dass dieser Vorschlag dazu führt, dass unsere Schlafqualität leidet und wir uns nicht so ausruhen, wie wir es brauchen. Darum ist diese Variante nicht zu empfehlen.

Um dieses Thema abzuschließen, bleibt noch zu sagen, dass wir uns nicht an unsere Träume erinnern, weil das Gehirn diese nicht für wichtig hält. Gleichzeitig sind die Träume, an die wir uns erinnern, vielleicht von Bedeutung. Es sind diejenigen, die eine größere emotionale Komponente beinhalten und daher auch diejenigen, die eine Botschaft einschließen mögen, die wir in diesem Ausmaß unmöglich interpretieren könnten, ohne uns zu erinnern.