7 befremdliche Emotionen, die wir alle manchmal fühlen

· 14. August 2018

Es gibt befremdliche Emotionen, die weitverbreitet sind und die wir alle schon einmal gefühlt haben. Angst, wenn uns etwas bedroht. Wut, wenn uns jemand verletzt oder wir uns durch denjenigen schlecht fühlen. Freude, wenn Menschen uns nette Dinge sagen … Das sind alltägliche Emotionen, die wir alle kennen. Trotzdem verspüren wir auch befremdliche Emotionen, die eher selten sind und uns dennoch beschäftigen können.

Nur, weil sie sich fremd anfühlen, heißt das nicht, dass andere Menschen sie noch nie gefühlt hätten. Im Gegenteil, viele von uns haben bereits befremdliche Gefühle erfahren. Wir können nur nicht erklären, wieso sie auftauchen. Manchmal treten sie sogar zur schlechtesten Zeit auf.

„Menschliche Wesen halten deren Existenz für so befremdlich, dass philosophische Fragen von allein auftauchen.“

Jostein Gaarder

Heute reden wir ein wenig über diese befremdlichen Emotionen, die aus dem Nichts auftauchen und uns verwirrt zurücklassen. Außerdem haben sie keinen Namen – deswegen müssen wir sie beschreiben. Es gibt ihrer sieben:

1. Ein plötzlicher, temporärer Verlust des Selbstvertrauens

Das ist ein störendes Gefühl, in dem ein Minderwertigkeitsgefühl gepaart mit Scham, Frustration und Schüchternheit auftritt. Urplötzlich fühlen wir uns komplett unfähig und nutzlos, ohne genau zu wissen, warum.

Junge schaut nachdenklich in den Spiegel.

Diese Emotion wird umgangssprachlich oft als „sich klein fühlen“ beschrieben. Es ist dieser Verlust von Selbstvertrauen, den wir fühlen, wenn wir der Meinung sind, dass jemand anderes kompetenter sei als wir; auch wenn wir nicht wissen, wie wir es ausdrücken sollen. Da ist keine Bedrohung als solche, aber dieses Gefühl, plötzlich so verletzlich zu sein.

2. Trauer und Freude zugleich

Ein anderes dieser befremdlichen Gefühle tritt auf, wenn sich Trauer und Freude vermischen. Wir können nicht einmal sagen, wie das Maß beider ist. Wir fühlen einfach nur, dass beide gleichzeitig existieren. Es kann sich sogar anfühlen als wollten wir weinen, aus Freude und Trauer zugleich.

Wir haben dieses Gefühl, wenn wir Zeuge von etwas unglaublich Schönem werden. Vielleicht einer Landschaft oder Kunst. Auch, wenn wir die Zeichen von etwas Schlechtem über einem edlen, wundervolle Objekt sehen, zum Beispiel eine unglaublich schöne Blume mit einem beschädigten Blütenblatt.

3. Alles passiert so schnell und du hast das Gefühl, als würdest du eine Gelegenheit verpassen

Dies ist eines der befremdlichen Gefühle, die aufkommen, wenn wir von einem Lebensabschnitt in einen anderen übergehen. Oftmals wird das als „Midlife Crisis“ oder „Quarterlife Crisis“ bezeichnet. Es ist normal, dass wir in diesen Zeiten das Gefühl haben, die Zeit würde zu schnell vergehen.

Uhr zeigt nur "Jetzt" anstatt Ziffern.

Es ist aber nicht nur die Zeit, die vergeht. Es ist auch das Gefühl, als würden wir eine „großartige Gelegenheit versäumen“, auch wenn wir nicht genau wissen, worin diese Gelegenheit besteht. Es fühlt sich einfach so an, als hätten wir den Zug verpasst und er würde nicht wiederkommen. In diesen Momenten spüren wir Sorge oder ein Gefühl der Hetze, dass wir unbedingt eine neue Gelegenheit finden müssen, um die verpasste zu ersetzen.

4. Alles wird gut, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt

Auch diese Wahrnehmung wirkt fremd, gleichzeitig aber sehr angenehm. Wir alle haben das schon einmal gefühlt und es gibt sogar ein Wort dafür: Pronoia. Dieser Fachausdruck beschreibt das Gegenteil von Paranoia.

Diesem Gefühl geschuldet können wir die Welt mit neuem Optimismus und voller Hoffnung betrachten. Wir nehmen ein starkes Gefühl in uns wahr, das uns sagt, alles würde gut werden. Auch fühlen wir uns, als könne sich uns nichts in den Weg stellen; diese Einstellung ist größer und mächtiger als jedes absehbare Hindernis.

5. Ein starkes Gefühl der Leere, wenn uns jemand besucht und dann wieder geht

Es ist normal, sich traurig zu fühlen, wenn uns jemand, der uns wichtig ist, besucht und uns anschließend wieder verlässt. Trotzdem gibt es Zeiten, in denen dieses Gefühl extremere Dimensionen annimmt. Und das obwohl uns die Person nicht für immer verlässt.

Mann schaut nachdenklich aus dem Fenster.

Verlässt uns dieser Mensch bleibt ein großes Gefühl der Leere in unserer Seele. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir denjenigen nie wiedersehen, obwohl es keinen rationalen Grund gibt, so zu denken. Wir betrachten es als letzten Abschied und das verletzt uns. Immerhin vergeht das Gefühl relativ schnell.

6. Der Drang, in die Tiefe zu stürzen, wenn man an sehr hohen Orten ist

Manchmal sind wir an sehr hohen Orten, beispielsweise auf Gebäuden, und denken, die Tiefe würde uns rufen. In diesem Moment taucht dieses Gefühl auf, sich selbst in diese Tiefe stürzen zu wollen – und gleichzeitig die Angst vor dem Gefühl selbst.

Manche sagen, diese befremdliche Wahrnehmung komme von unserem verborgenen Bedürfnis, unser Leben zu riskieren. In anderen Worten: Wir wollen dieser Gefahr rücksichtslos trotzen. In manchen Kulturen ist dieses Gefühl als „Ruf der Leere“ bekannt.

7. Das Verlangen, sich hinzugeben und von jemand anderem, der uns liebt, umsorgt zu werden

Ein befremdliches und gleichzeitig auch befriedigendes Gefühl. Es besteht in dem starken Verlangen, sich wieder wie ein abhängiges, schwaches Kind zu fühlen. Wir fühlen es, wenn wir mit jemandem zusammen sind, der uns liebt und bei dem wir uns sicher fühlen.

Paar liegt verträumt zusammen.

Das ist das Verlangen, uns nicht weiter um uns selbst zu sorgen und der anderen Person die Führung über unser Leben zu geben. Es ist kein Gefühl von Dauer, aber es ist stark, wenn es auftaucht. Tatsächlich kannst du in diesen magischen Momenten mit dem Denken aufhören und dich dem anderen vollkommen hingeben.

All diese Gefühle haben gemeinsam, dass sie mehrere übliche Emotionen vereinen. Darum fühlen sie sich seltsam an und währen nicht lange – sie tauchen urplötzlich auf und verschwinden einen Augenblick später wieder.