Robert Hare, Biografie eines Kriminalpsychologen

Robert Hare ist ein Psychologe, der seine gesamte Karriere der Erforschung von Psychopathen gewidmet hat.
Robert Hare, Biografie eines Kriminalpsychologen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 06. März 2022

Robert Hare ist einer der führenden Experten für Kriminalpsychologie. Insbesondere hat er sich über 30 Jahre lang eingehend mit Psychopathie beschäftigt. Seine Arbeit ist eine der umfassendsten zu diesem Thema, weshalb er einer der meistkonsultierten Intellektuellen zu diesem Thema ist, sogar von Organisationen wie dem FBI.

Einer der größten Beiträge von Robert Hare ist die berühmte PCL-Skala. Sie ist zu einem Instrument geworden, das auf der ganzen Welt eingesetzt wird, um psychopathische Züge, die möglicherweise zu Gewalttaten führen, zu erkennen.

Robert Hare hat weltweit zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Er hat auch in Zentren zur Bekämpfung der Kriminalität gearbeitet und war Gefängnisberater in Großbritannien. Dort entwickelte er Programme für die Betreuung psychopathischer Straftäter.

Wenn ich Psychopathen nicht im Gefängnis studiert hätte, hätte ich Psychopathen an der Börse studiert.”

Robert Hase

Robert Hare, Biografie eines Kriminalpsychologen
Psychopathen haben kein emotionales Einfühlungsvermögen, aber sie haben intellektuelles oder kognitives Einfühlungsvermögen.

Wer ist Robert Hare?

Robert Hare wurde 1934 in Calgary, Kanada, geboren. Über sein Privatleben ist nicht viel bekannt, aber über seine Arbeit wissen wir einiges. Er hat an der University of Alberta Psychologie studiert und dort auch einen Master-Abschluss gemacht. Anschließend promovierte er 1963 an der University of Western Ontario in experimenteller Psychologie.

Danach wurde er Dozent an der University of British Columbia (Vancouver, Kanada). Dort begann er eine glänzende Karriere mit Schwerpunkt auf Psychopathologie und Psychophysiologie. Jahre später wurde er Direktor des Hare-Labors an derselben Universität.

Robert Hare hat viel über Psychopathie geforscht. Dadurch konnte er zahlreiche empirische Belege zu diesem Thema liefern. Er ging von den Studien von Hervey Cleckley aus, einem Pionier in der Erforschung von Psychopathen. Hare hat die Konzepte seines Vorgängers erweitert und verfeinert.

Psychopathie

Robert Hare hat ein neues Licht auf die Eigenschaften geworfen, die einen Psychopathen ausmachen. Er vertritt die Meinung, dass nicht jeder, der in diese Kategorie passt, ein Krimineller ist. Viele von ihnen leben ein normales Leben: Sie heiraten, haben Kinder und sind in ihren Berufen erfolgreich. Nur manche begehen Verbrechen.

Eine der umstrittensten Behauptungen von Hare ist, dass Psychopathen “geboren” werden. Egal, in welchem Umfeld sie aufwachsen, von klein auf zeigen sie Züge von Gleichgültigkeit und Grausamkeit gegenüber anderen. Er ist der Ansicht, dass es nicht einmal eine genetische Determinante dafür gibt und dass es sich um einen unheilbaren Zustand handelt.

Hare erwähnt außerdem, dass etwa 1 % der Bevölkerung psychopathisch ist. Weitere 3 % der Menschen weisen einige Merkmale der Psychopathie auf, aber sie fallen nicht in diese Kategorie, obwohl sie ihr sehr nahekommen. Die meisten von ihnen bleiben von anderen unbemerkt. Sie sind sogar oft hoch angesehene und mächtige Menschen.

Die allgemeinen Merkmale von Psychopathen

Laut Robert Hare ist das wesentliche Merkmal von Psychopathen ihr Mangel an emotionaler Empathie. Meistens verfügen sie über intellektuelles Einfühlungsvermögen, d.h. sie können sich in die Situation der anderen Person hineinversetzen und erkennen, was diese fühlt. Das entlockt ihnen jedoch keine Gefühle oder Emotionen.

Hare hat Psychopathen manchmal als “emotionale Idioten” bezeichnet, was bedeutet, dass es ihnen an emotionaler Intelligenz fehlt. Sie wissen auch nicht, was richtig und was falsch ist, leiden nicht unter Ängsten, spüren keine Furcht und sind in der Lage, andere ohne Reue zu übergehen.

Diese Menschen zeigen aber auch eine andere Seite der Gesellschaft. Sie sind oft extrovertiert und es ist nicht ungewöhnlich, dass sie anderen gegenüber charmant sind. Psychopathen legen viel Wert auf ihr Aussehen und wissen, wie sie andere mit ihrer Persönlichkeit verführen können. Sie sind redselig, impulsiv und werden wütend, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen.

Robert Hare: eine Autorität zu diesem Thema

1980 veröffentlichte Robert Hare seine berühmte PCL (Psychopathie-Checkliste). Sie fasst die Eigenschaften zusammen, die einen Psychopathen ausmachen. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später veröffentlichte er die Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R)”, eine überarbeitete Version.

Diese Werkzeuge machten ihn weltberühmt, er wurde auf diesem Gebiet zu einer anerkannten Autorität. Sein 2003 erschienenes Buch “Gewissenlos. Die Psychopathen unter uns” wurde in viele Sprachen übersetzt. Es gilt als Klassiker zum Thema, trotz der verstörenden Enthüllungen, die darin zu lesen sind.

Hare geht davon aus, dass fast jeder einen Psychopathen kennt, aber wir wissen das nicht. Er weist darauf hin, dass sie immer Katz und Maus spielen, aber nie die Kontrolle verlieren. Wenn du dir darüber bewusst wirst, solltest du dich auf jeden Fall von dieser Person fernhalten. Psychopathen sind so geschickt in der Manipulation, dass Robert Hare selbst zugibt, in ihre Fallen getappt zu sein.

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  • Hare, R. D. (2003). Sin conciencia. Paidós.
  • Hare, R. D. (2010). PCL-R: escala de evaluación de psicopatía HARE revisada. Tea.
  • Harpur, T. J., Hakstian, A. R., & Hare, R. D. (1988). Factor structure of the Psychopathy Checklist. Journal of consulting and clinical psychology56(5), 741.
  • Hemphill, J. F., Hare, R. D., & Wong, S. (1998). Psychopathy and recidivism: A review. Legal and criminological Psychology3(1), 139-170.