Psychologische Projektion – Ich lade meine Schuld auf dich

· 29. Januar 2016

Psychologische Projektion. Dieser Begriff wurde bereits in der Freudschen Theorie entwickelt und beschreibt eine uns bekannte, häufig anzutreffende Praxis. Dies kann durchaus auch auf uns selbst zutreffen. Es kann gut sein, dass wir dies bei einer Gelegenheit selbst gemacht haben, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Ein Beispiel? Denke an diese Zeit, in der du ganz stark in jemanden verliebt warst. Auf irgendeine Weise, und fast unbewusst, hast du einer Person bestimmte Charakterzüge und Eigenschaften zugeschrieben, die nicht komplett mit der Realität übereinstimmten. Du hast ihr Geschick, ihre Güte und guten Eigenschaften mit einem Heiligenschein der Perfektion umgeben, den du selbst auf sie projiziert hast.

Liebe ist manchmal ein sehr günstiger Kontext, in dem sich psychologische Projektion entwickelt. Das wahrhaftige, das wirklich komplexe Problem entsteht jedoch dann, wenn man eine eindeutig negative Projektion in die Praxis umsetzt. Hier hat die Person, die eine solche durchführt, klare emotionale Störungen, und schreibt anderen Gedanken zu, die voller Wut und Angst sind.

Heute reden wir über Schuldgefühle, und wie wir sie manchmal, anstatt diese anzunehmen und sich mit diesen zu konfrontieren, nach außen richten, mit der Absicht, anderen weh zu tun. Denen, die uns nahe sind, denen, die wir angeblich am meisten lieb haben.

Projektion: Entstellung der Wirklichkeit zum eigenen Nutzen

Lasst uns zu Beginn ein Beispiel geben. Dein Partner ist eine unsichere Person, die sich vor Kompromissen fürchtet. Da sie weit davon entfernt ist, die Realität anzunehmen, beginnt sie, dir die Schuld zu geben und dir einzureden, dass du es ihm nicht einfach machst. Dass du ihm immer wieder Grund gibst, dir zu misstrauen und dass du offensichtlich den klaren Wunsch verfolgst, ihn zu verletzen.

Doch das Problem liegt nicht bei dir, sondern bei ihm. Doch da er sich nicht damit konfrontieren will, ein Problem mit dem Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen zu haben, gibt er dir die Schuld und begründet dies mit Dingen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Sein Zorn trifft dich mit spitzen Pfeilen und projiziert negative Gefühle auf dich. Denn auf diese Weise erreicht er Folgendes:

Das Problem ignorieren und auf die anderen schieben.

Sich von dieser inneren Last befreien und sie außerhalb liegen lassen, bei den Menschen, die sich in der Nähe befinden.

Indem man bei den anderen Schuldgefühle erzeugt, bringt man sich in eine deutliche Machtposition. „Ich habe kein Problem, das haben die anderen. meine Umgebung muss sich verändern, nicht ich.“

Wenn man die Situation so einschätzt, dass die anderen das eigentliche Problem haben, schafft man es vielleicht, die Wirklichkeit so sehr zu verzerren, bis diese anfangen, das zu glauben. Man fängt vor allem an, diese Fantasien selbst zu glauben und seine Fehler und die wirklichen Probleme zu ignorieren.

Wie kann man psychologische Projektionen durchbrechen?

Das Thema der psychologischen Projektion ist wirklich sehr komplex. Und traurigerweise sehr häufig anzutreffen. Viele Menschen, die physischer oder psychologischer Misshandlung ausgesetzt sind, projizieren weiterhin ein positives Bild auf ihren Lebenspartner. Aus welchem Grund? Auf diese Weise beschützen sie sich selbst vor der Realität.

„Wenn mein Partner eifersüchtig ist, dann ist das aus Liebe so.“, „Mein Partner liebt mich in seinem tiefsten Inneren, nur manchmal macht er Fehler, aber er ist die Person, die sich am meisten um mich sorgt.“ – Indem man diese Ideen projiziert, fällt man in eine Verzerrung der Wirklichkeit, in welcher man seine Welt verharmlost. Deshalb will man die Realität mit all seiner Brutalität nicht akzeptieren. Doch hier sollte jede mutige Person reagieren und anfangen, sich zu verteidigen.

Wie kann man nun diese Projektionen durchbrechen?

Wir müssen realisieren, dass das, was wir auf die anderen projizieren, in Wirklichkeit ein Abwehrmechanismus ist. Ein Rettungsring, an den wir uns festklammern, um uns nicht zugestehen zu müssen, wie es wirklich ist.

Man muss verstehen, dass wir durch die Projektion von Schuld und Wut auf unsere Umgebung nicht mehr erreichen, als noch mehr negative Gefühle zu erzeugen. Wir werden in einen Teufelskreis fallen, in dem wir ein falsches Gefühl von Macht wahrnehmen, was aber auf längere Sicht nur zu einem tiefen Fall führen wird.

Wenn du derjenige bist, der unter der Projektion einer anderen Person leidet, dann mache ihr deutlich, wie du dich dabei fühlst. Stell klar, dass dieses Verhalten nicht für länger so weitergehen kann. Dass du dich schlecht, erniedrigt und manipuliert fühlst.

Verstehe auch, dass in dem Moment, in dem die Person erkennt, dass ihre psychologische Projektion in Wirklichkeit einen persönlichen Mangel versteckt, dies zu einem gefühlten Kontrollverlust führt. Sie wird eine Art persönlichen Rückschlag fühlen und sie wird Hilfe und Unterstützung nötig haben, um sich „wieder aufzubauen“, um den besagten Problemen, besagten Schwächen begegnen zu können.

Es ist überhaupt nicht einfach, zu akzeptieren, dass wir alle in irgendeinem Moment etwas projizieren. Manchmal machen wir das, ohne es zu bemerken. Wir denken, dass der Defekt außerhalb von uns und nicht in uns selbst besteht. Wir denken, dass die Person, die wir lieben, eine durch und durch perfekte Person ist…

Wir alle haben Defekte, wir alle haben Schwächen. Das Ideal wäre es, immer mit Güte und Objektivität zu handeln. Doch am Ende sind wir alle wunderschöne, imperfekte Wesen, die versuchen in einer Welt zu überleben, die sehr komplex ist, um darin glücklich zu sein.

Bildmaterial mit freundlicher Genemigung von Nicoletta Ceccoli