Weisheit habe ich erreicht, wenn ich nichts und niemandem mehr die Schuld für für meine Situation gebe

· 17. Dezember 2015

Es gibt kein Problem, was so schlimm ist, dass es nicht durch ein bisschen Schuldgefühl noch verschlimmert werden könnte.

Bill Watterson

Erinnerst du dich an deine Kindheit? Die Kindheit ist eine wunderbare Zeit und deshalb richten wir manchmal unseren Blick mit Nostalgie zurück. Es ist die Zeit, in der wir die Welt entdecken und gleichzeitig die Sicherheit spüren, die uns durch die Fürsorge der Eltern gegeben wird.

In der Kindheit, wie auch zu Beginn der Jugend, sind unsere Eltern die Fürsorger, die sich darum kümmern, uns zu beschützen, unsere Bedürfnisse stillen und, nicht weniger wichtig, Entscheidungen für uns treffen. Deshalb ist das Erwachsenwerden eine bittersüße Erfahrung. Einerseits verlieren wir gewiss etwas Bequemlichkeit und Sicherheit, doch gewinnen wir etwas unendlich Wertvolles: Freiheit.

Hand

Mit dem Verlauf der Zeit nehmen wir Schritt für Schritt die Zügel unseres Lebens in die Hand. Als Erstes steht an, dass wir arbeiten, um so unsere Grundbedürfnisse zu stillen. Doch es bedeutet auch, dass wir lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen: Für unsere emotionalen Bindungen, zum Beispiel, oder für unsere Gesundheit.

Der Unterschied zwischen dem Erwachsensein und der Reife besteht darin, auf welche Weise wir mit dieser Verantwortung umgehen. Die Zeit geht vergeht und wir werden alle alt, es liegt jedoch an der Art und Weise, wie wir Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen, ob wir sagen können, dass wir während des Alterns auch gereift sind.

Reif werden heißt, zu lernen, Lösungen zu finden, nicht Schuldige

Das Treffen von Entscheidungen impliziert, mit Emotionen umzugehen, mit der Angst und Unsicherheit, sich zu irren. Dies geht soweit, dass wir manchmal wie blockiert sind und es uns schwer fällt, den einen oder den anderen Weg zu wählen.

Es ist jedoch sicher, dass wir uns alle einmal irren werden, da Fehler Teil des Lernprozesses sind. Erinnerst du dich daran, dass du in der Schule das Rechnen gelernt hast? Am Anfang war es sehr schwer, Rechenaufgaben zu lösen und wir haben dabei viel falsch gemacht, doch mit der Praxis ist das Rechnen zu Grundwissen geworden.

Anzunehmen, dass man sich geirrt hat, geht mit einem komplexen Reflexionsprozess und einer Tatsachenanalyse einher. Deshalb ist es manchmal einfacher, außenstehende Gründe zu suchen, die unsere Fehler rechtfertigen. Hier kommt die Schuld ins Spiel. Wenn wir plötzlich auf Hindernisse stoßen oder ein Problem haben, dann bemüht sich unser Gehirn, Schuldige zu finden.

Dies geht so weit, dass wir manchmal, wenn wir über einen Gegenstand stolpern, diesem die Schuld dafür geben, im Weg herum zu liegen. Ist dir das nie passiert? Du läufst gedankenversunken auf dem Bürgersteig und stößt gegen einen Gegenstand, der dort nicht liegen sollte, und tust dir die Fußspitzen weh. Ohne zu denken, hörst du dich selbst sagen: „Verdammtes Ding.“

Es ist natürlich, dass Frustration Schuldige sucht.

Was passiert jedoch, wenn das Hindernis, auf das wir in der Mitte des Bürgersteiges stoßen, etwas Wichtigeres als ein Gegenstand ist? Es kann sein, dass du mehrmals durch eine Prüfung fällst, für die du glaubst, gut vorbereitet zu sein, oder dass sie deinen Arbeitsvertrag nicht verlängert haben, du Probleme hast, mit deinem Freund oder Freundin zu reden oder du deinen Vater auf die Palme bringst, wenn du deine Meinung sagst.

Wenn wir nicht nachdenken, wenn wir uns von Gefühlen leiten lassen, dann erscheint die Schuld mit Neonlicht in unserem Kopf. Es kann sein, dass wir den Anderen, den Umständen, oder auch uns selbst die Schuld in die Schuhe schieben. Doch halte einmal an um nachzudenken: Wie hilft uns die Schuld?

Wenn wir uns selbst oder andere zu Schuldigen für das machen, was mit uns passiert, dann konzentrieren wir unsere Emotionen auf negative Einstellungen. Wut und Frust überkommt uns, wir fühlen Trauer oder Groll, aber wir kommen nicht weiter. Wir werden unglücklich.

Schuld

Wenn wir jedoch über diese negativen Gefühle hinwegkommen und das andere Ufer erreichen, dann werden wir merken, dass über die Frage hinaus, wer oder was die Schuld hat, etwas viel Nützlicheres existiert: Eine Handlung zu beginnen, die uns dabei hilft, die Situation zu verändern. Wenn wir Lösungen suchen, werden wir an uns selbst die Nachricht schicken, dass, was auch immer schief gegangen ist, wir versuchen können, dies zu regeln und wir daran arbeiten können.

Lasst uns mehr die Eltern unserer Zukunft sein, als die Kinder unserer Vergangenheit.

Miguel de Unamuno

Du erinnerst dich bestimmt an eine Situation, die der folgenden ähnlich ist. Dir ist etwas Ungerechtes passiert, zum Beispiel bist du durch eine Prüfung gefallen, von der du geglaubt hast, dass sie gut gelaufen ist. Du fühlst dich schlecht dabei, wenn du in deinen Gedanken noch einmal die Situation durchgehst, du regst dich über den Lehrer oder dich selbst auf. Du suchst Schuldige.

Du bist darin stecken geblieben, dich mit dem zu beschäftigen, was in der Vergangenheit liegt, und die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Die Schuld blockiert uns.

Wenn du jedoch den Chip wechselst und du versuchst, etwas in dieser Sache zu tun, vielleicht eine Wiederholung der Prüfung zu beantragen, vielleicht die Themen zu lernen, in denen du wahrscheinlich durchgefallen bist, vielleicht Hilfe zu suchen, dann verändern sich die Gefühle.

Der Frust verwandelt sich in Motivation. Reife erlangen heißt, zu lernen, vom ersten Stadium in das zweite überzugehen.

Wenn bei dir also das nächste Mal etwas schlecht läuft und du merkst, dass du wieder Schuldige suchst, dann es das beste für dich ist, über diese Phase hinwegzukommen. Negative Emotionen sind unausweichlich, wenn wir jedoch Lösungen anstelle von Schuldigen suchen, dann merken wir in irgendeinem Moment, dass wir diese hinter uns gelassen haben und wir uns weiter auf unsere Ziele zubewegen.