Wir sind ein Luftballon der Gefühle in einer Welt voller Stecknadeln

· 24. November 2015

Es ist ganz einfach. Wir sind ein Luftballon voller Gefühle in einer Welt voller Stecknadeln. Ich spreche von dir, den alles bewegt und dessen Gefühle bis zum Zerreißen angespannt sind. Dies ist ganz einfach dein Charakter. Du stichst durch deine große Sensibilität hervor.

Dennoch gibt es einen Preis, den du dafür bezahlen musst, außergewöhnlich emotional zu sein. Deine Unruhe, deine Emotionen und deine Art zu Fühlen geben dir keine Ruhe. Sie begleiten dich durch gute und schlechte Zeiten.

Und dann sind da die Stecknadeln, die in deinen Luftballon stechen und deine ganzen Gefühle herausplatzen lassen. Sie verstehen nicht, dass deine Haut verletzlich ist und sie kommen dir näher und erzeugen eine Explosion, die einen nicht verschließbaren Riss erzeugt.

Du versuchst deine Gefühle aus der Luft wieder einzufangen, aber nicht immer gelingt dir das, nur manchmal. Am Ende stehst du mit einem Teil von ihnen in deiner Hand da, während der Rest überall auf dem Boden verteilt ist.

Und du passt auf, dass niemand auf sie tritt, denn dann würdest du einen Teil von dir verlieren und du müsstest dir neue Teilchen für dein Mosaik der Gefühle zusammensuchen.
Luftballons2

Jetzt musst du dir einen neuen Luftballon bauen, diesmal vielleicht ein bisschen widerstandsfähiger. Du weißt, dass früher oder später eine neue Stecknadel auftauchen wird und du erneut explodieren wirst. Es ist jedoch sicher, dass dir diese neue Stecknadel diesmal ein kleines bisschen näher kommen muss.

„Ich werde meinen Luftballon in einen anderen Luftballon stecken. So bin ich besser geschützt“,  denkst du. Und so bist da dazu gekommen, dir eine Schutzschicht nach der anderen überzuziehen, um dich vor der Außenwelt zu schützen. So als ob du eine Zwiebel wärst.

„Die Stecknadel, die bis zu meinen Gefühlen vorstoßen will, wird es sehr schwer haben. Ich erlaube es nicht, dass sie mich erneut verletzt.“ Aber es ist weder sehr ungewöhnlich noch sehr schwer, dass eine andere Stecknadel es schafft, alle deine Barrieren in die Luft gehen zu lassen.

Und du bist erneut am Anfang. Gefühle einsammeln, ganz vorsichtig, und zu deren Schutz wieder einige neue Luftballons von guter Qualität kaufen.

Dieses Mal wirst du jeden Luftballon in einer anderen Farbe anmalen und einige Worte auf sie drauf schreiben, so dass alle sie sehen können:

#1- Mir geht es immer gut. Mir passiert nichts.

Unsere Gefühle zu verneinen ist einer der am häufigsten anzutreffenden Ballons. Dies bedeutet, dass wir uns nicht dessen bewusst sind, was gerade passiert und dass wir uns diesem nicht stellen.

Wenn wir nicht dazu in der Lage sind, Momente in unserem Leben in Details zu beschreiben, dann bedeutet dies, dass wir aufgehört haben, in unserem Alltag zu denken. Dies hat natürlich unheilvolle Konsequenzen. Wenn wir durch das Erlebte nichts dazu lernen, dann machen wir jedes Mal mehr Fehler und wir werden uns selbst in unseren Taten nicht mehr wiederfinden.

Ballonreise

#2- Ich brauche keine Umarmung.

Es gibt einen anderen Luftballon, der darauf spezialisiert ist, Kontakt abzulehnen. Dies ist einer der dunkelsten, da er uns von der realen Welt entfernt, und uns die Möglichkeit nimmt, uns wieder mit den kleinen Lebensteilchen aufzubauen, die uns die anderen anbieten.

Frida Kahlo hat gesagt, wenn wir unsere Gefühle einmauern, riskieren wir nur, dass diese uns von Innen heraus auffressen. Wir wollen geliebt werden, jedoch ohne Schwäche zu zeigen, ohne unser Herz zu öffnen. Es gibt Umarmungen, die unsere kaputten Teile wieder zusammensetzen können, aber wir müssen uns umarmen lassen.

Fenster

#3- Ich kann mit allem umgehen.

„Ich habe übermenschliche Kräfte und nichts bringt mich ab. Ich habe die stärksten Mauern gebaut, die man je gesehen hat.“

Doch in Wirklichkeit ist es schwierig, sich in einer Rüstung fortzubewegen, da sie uns keine Freiheit lässt. Am Ende haben wir so viele Luftballons aufgeblasen, dass wir nicht wissen, wie wir selbst Luft bekommen und uns entspannen sollen.

Wahrscheinlich gibt uns diese Verhaltensweise eine Illusion der Kontrolle über unsere Gefühle, es ist jedoch ein Trugbild. Es ist etwas Schmerzhaftes passiert, doch die Angst vor dem Schmerz sorgt dafür, dass wir unserer Realität eine Maske aufsetzen.

Fall

#4- Es ist mein Charakter, ich bin, wie ich bin.

Es ist schon in Ordnung, dass du so bist, wie du bist und du dein Recht, so zu sein, verteidigst. Aber, sprichst du von dir selbst oder von deiner Rüstung? Wahrscheinlich setzt du dir eine Maske auf, eine Augenmaske, damit niemand weiß, wie es in dir drin aussieht.

Dieser Luftballon kann dich vor vielen Stecknadeln beschützen. Doch auch wenn er es dir ermöglicht, so über einige komplizierte Situationen einfach hinwegzufliegen, wird er sich in anderen Situationen nur in ein noch schwereres Gewicht verwandeln. Eine solche Situation ist weit entfernt davon, das Leiden zu reduzieren, sondern wird nur noch mehr erzeugen.

Schmetterling

Wir beschützen uns vor dem, was wir selbst zu sein glauben, indem wir Schutzluftballons aufstellen. Eines Tages jedoch finden wir uns hinter ihnen gefangen und wir können weder heraus noch frei atmen.

Wir können fliehen, uns mit uns selbst auseinandersetzen oder uns in eine Opferrolle bringen, dies wird uns jedoch nicht helfen, wir selbst zu sein. Unsere Luftballons haben einen Geschmack der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die wir Schritt für Schritt überwinden müssen.