Praktische Intelligenz: Oxytocin versus Cortisol

Was können wir tun, um unser Nervensystem nach einer stressigen Situation wieder zur Ruhe zu bringen? In unserem heutigen Artikel findest du die Antwort.
Praktische Intelligenz: Oxytocin versus Cortisol

Letzte Aktualisierung: 03. Januar 2022

Dieser Artikel entstand nach einem Vortrag von Marian Rojas-Estepé, in dem sie erzählte, wie sie einmal in einer Tiefgarage auf dem Weg zurück zu ihrem Auto überfallen wurde und entkommen konnte. Das Interessanteste war nicht, wie sie der Bedrohung entkam, sondern wie sie es schaffte, sich danach zu beruhigen. Marian war nach diesem Erlebnis sehr aufgewühlt, fuhr nervös nach Hause und äußerte sich ihrem Mann gegenüber in unzusammenhängenden, kurzen Sätzen. Das Stresshormon Cortisol kontrollierte ihr Gehirn.

Diese Erfahrung ist ein guter Anlass, um über die praktische Intelligenz und die Rolle von Cortisol und Oxytocin zu sprechen.

Die praktische Intelligenz: Cortisol und Oxytocin

Wir alle haben solche Situationen schon erlebt. Diese Momente, in denen wir spüren, dass unser Herz so stark schlägt, dass es uns fast aus dem Mund springt. Das sind Momente, in denen wir unbewusst handeln, Momente, in denen wir fast alles unserer Intuition anvertrauen. Denn sie ist schnell und kann eine große Menge an Informationen verarbeiten, und in solchen Momenten können Details essenziell sein.

Marian entkam der Situation, indem sie dem Dieb mitteilte, dass das Luxusauto, das neben ihr geparkt war, jemand anderem gehörte. Ihre Aussage, ihre Reaktion, hat den Straßendieb wahrscheinlich verunsichert, denn er hatte mit Kampf, Kapitulation oder Flucht gerechnet, aber nicht mit dieser Aussage.

Experten wissen, dass es Stunden dauert, bis sich der Basalwert nach erhöhten Cortisolwerten wieder erholt. Wir kennen alle den Satz: “Ich habe mich noch nicht von dem Schreck erholt.” Das ist keine Metapher, sondern wörtlich zu nehmen. Unser Körper braucht Zeit, um nach einer solchen Störung und dem damit verbundenen Energieverlust wieder Ausgleich zu finden.

Praktische emotionale Intelligenz: Oxytocin versus Cortisol

Dies hat aus historischer Sicht unsere Anpassungsfähigkeit an die Umwelt verbessert. Unsere Biologie hat durch die natürliche Auslese gelernt, dass wir viel Energie brauchen, um großen Bedrohungen zu entkommen. Deshalb bereitet sich unser Körper darauf vor und verwendet sie, sobald das Bedürfnis vorhanden ist. Wir haben auch gelernt, dass weitere Bedrohungen folgen können, deshalb ist unsere Organismus in der Lage, über einen relativ langen Zeitraum die nötige Energie bereitzustellen.

In unserer modernen Gesellschaft ist es jedoch nicht erforderlich, zu rennen, um bei Bedrohungen zu überleben. Wir benötigen vielmehr praktische Intelligenz. Sobald wir einen sicheren Raum betreten, verschwindet die Bedrohung in der Regel sofort.

Andererseits leben wir in einer so überstimulierten Welt, dass unsere Wachsamkeit teilweise gestört ist. Es ist, als würden wir in ständiger Hypervigilanz leben. Ein Beispiel dafür ist, wenn du ständig dein Mobiltelefon bereithältst, da dein Chef eine Nachricht senden könnte. Die aversive Konditionierung kann so stark sein, dass sich dein Körper, bevor du die Nachricht deines Chefs liest, in demselben Zustand befindet, den du erleben würdest, wenn du bestohlen wirst.

Praktische Intelligenz, um die Kontrolle wiederzuerlangen

Was tun, um wieder zur Ruhe zu kommen? Auf welche Ressourcen unserer praktischen Intelligenz können wir zurückgreifen, um zu unserem Ausgangszustand zurückzukehren?

Marian hat sich dieses Ziel nicht bewusst gesetzt, sie hat ihr Baby einfach gestillt, als sie nach Hause kam und die Wirkung auf ihr Nervensystem bemerkt. Ihr Oxytocinspiegel stieg an und ihr Körper entspannte sich.

Der Punkt ist, dass dies keine Maßnahme ist, die wir alle zu einem bestimmten Zeitpunkt ergreifen können. Deshalb stellt sich die Frage, was wir tatsächlich tun können (praktische Intelligenz), um unseren Oxytocinspiegel zu erhöhen und so die entspannende und betäubende Wirkung zu erzielen (hohe Oxytocinwerte verringern auch die Schmerzintensität).

  • Sozialer Kreis: Es gibt viele Ressourcen, die wir als Einzelperson nutzen können. Aber wenn wir Menschen um uns herum haben, vermehren sie sich. Das Gefühl, eine hilfreiche Hand ergreifen zu können, lässt viele potenziell bedrohliche Situationen nicht mehr bedrohlich sein.
  • Körperlicher Kontakt: Umarmungen, die lange anhalten, sind beruhigend. Die Arme einer geliebten Person sind wie eine Sauerstoffflasche, die uns besser atmen lässt.
  • Die ruhige Rückkehr zu unserem inneren Selbst: Wir können immer versuchen, die Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit wiederzuerlangen und sie nicht mehr auf die Zukunft oder die Vergangenheit zu richten, wenn das die Quelle unseres Ärgers ist.
  • Weinen als emotionaler Auslöser: Weinen bewirkt, dass der Cortisolspiegel im Blut (Stresshormon) sinkt und der Oxytocinspiegel steigt. So finden wir Ruhe und Erleichterung.
  • Freundlichkeit und Großzügigkeit: Geben und anderen helfen erhöht ebenfalls den Oxytocinspiegel.
Praktische emotionale Intelligenz: Oxytocin versus Cortisol

Unsere Gefühle können automatisch sein, dies ist unter anderem bei Angst der Fall. Die Aktivierung des parasympathischen Systems führt zu einem Anstieg von Cortisol.

Die gute Nachricht ist, dass wir natürliche, konstruktive und bindende Möglichkeiten haben (praktische Intelligenz), die uns helfen, nach einer starken Aktivierung von Cortisol wieder in einen ruhigen Grundzustand zurückzukehren.

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