Nicht deine Mitmenschen sind für deine Gefühlslage verantwortlich, sondern du

23. März 2016 en Emotionen 948 Geteilt

Unsere Alltagssprache zeigt uns deutlich, dass wir die unterschiedlichsten Formulierungen dafür haben, um anderen die Schuld für unsere Gefühlslage oder Verhaltensweisen in die Schuhe zu schieben.

„Du bringst mich auf die Palme!“  oder „Diese Person macht mich fertig!“  sind Sätze, die wir tagtäglich hören. Beide Sätze werden gern benutzt, damit wir die Schuld nicht bei uns selbst suchen müssen.

„Es gibt Menschen, die ihr eigenes Unwetter verursachen und dann traurig sind, wenn es regnet.“

Wie kann es sein, dass andere für deine Wut verantwortlich sind? Denkst du wirklich, dass du die Marionette, der Sklave oder das Instrument einer anderen Person bist? Wie ist es möglich, dass deine Gefühlslage aufgrund äußerlicher Einflüsse negativ gestimmt ist?

Eine der Eigenschaften, die einen erwachsenen Menschen definieren, ist, dass er dazu in der Lage ist, die Verantwortung für seine Gefühle und Taten zu übernehmen.

Frau schiebt anderer Frau die Schuld zu

Die anderen… – die nicht enden wollende Ausrede

So sehr dich die Umstände auch einschränken mögen, lassen sie dir doch immer einen gewissen Spielraum, um frei zu entscheiden. Sogar wenn man dir die Pistole auf die Brust setzt und du damit eingeschüchtert wirst, damit du mit der Sprache herausrückt, hast du immer noch die Möglichkeit, zu wählen, ob du dieser Forderung nachgehen willst oder nicht.

Wenn wir das Leben einmal nicht zu extrem betrachten, dann erlaubt uns auch unser Alltag durchaus, zwischen einer Vielzahl an Möglichkeiten zu entscheiden. Und natürlich haben wir auch innerhalb einer Beziehung mit einer Person die Option, uns unterschiedlich zu verhalten und unsere Gefühlslage selbst zu bestimmen.

Der Volksmund sagt: „Zu einem Streit gehören immer zwei.“  Und dem stimmt wohl jeder voll und ganz zu. Einer aggressiven Haltung gegenüber hast du die Möglichkeit, diese auch so zu erwidern, sie zu ignorieren oder zu verstehen.

Genauso sieht es auch mit der Traurigkeit, der Angst und sämtlichen anderen Emotionen aus: Sie sind nicht von anderen abhängig, sondern von dir.

Es ist eine Lüge, dass, wenn unsere Mitmenschen etwas machen oder etwas lassen, wir somit unser Gleichgewicht finden. Es stimmt definitiv nicht, dass auch wir uns ändern können, wenn sich die anderen ändern.

Dahinter steckt, dass wir hin und wieder nicht die Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen wollen. Genau dann benutzen wir unser Umfeld als Ausrede, um unsere fehlende Kontrolle über uns selbst oder die Unfähigkeit, uns selbst so anzunehmen, wie wir sind, zu rechtfertigen.

Daher erfinden wir falsche Erklärungen dafür, was uns passiert: Wenn sie nicht so passiv wäre, könnte ich über mich hinauswachsen. Wenn er liebevoller wäre, würde ich mich nicht mehr so traurig führen. Diese Art der Beschwerden – wenn wir sie einmal übersetzen- bedeutet, dass die Kontrolle und der Umgang mit unserer Gefühlslage in unserer Hand liegt.

Wir sind auch keine Insel

Der Einfluss anderer Menschen auf unsere Gefühlswelt ist sehr gering. Sie vereinfachen oder hemmen bestimmte Gefühle, Gemütszustände und Verhaltensweisen, doch keinesfalls bestimmen sie unsere Emotionen.

Dementsprechend ist es offensichtlich, dass wir uns von bestimmten Personen distanzieren sollten, in deren Gegenwart wir uns nicht verstanden oder traurig fühlen. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Wir Menschen sind voll von Ambivalenzen. Das bedeutet, dass du dich in der Gegenwart von jemandem wütend fühlen kannst, dieselbe Person dir und deinem Leben aber auch eine gewisse Dynamik verleiht, oder dich vor Herausforderungen stellt, die dir attraktiv erscheinen.

Wir leben auch nicht in einer Welt, in der es nur allein „gut“ oder „böse“, „gesund“ oder „krank“ gibt. Wir alle haben von allem etwas. Jeder von uns erlebt hin und wieder Momente, in denen er sich mit jemand anderem streitet oder wir ungenießbar werden, weil wir uns so sehr über unsere Traurigkeit beschweren.

Eine perfekte Welt, in der dich, so wie den Dalai Lama, nichts und niemand erschüttern kann, oder in der du nur von ausgeglichenen Menschen umgeben bist, existiert nicht.

Der Einfluss der Anderen

Doch was du machen kannst, ist daran zu arbeiten, um diesem mentalen Trugschluss zu entkommen, der dir sagen will, dass deine Gefühle von anderen abhängen, es nicht in deiner Verantwortung liegt, an deinen negativen Emotionen zu arbeiten, sondern dass deine Mitmenschen etwas ändern müssen.

Wenn es dir gelingt, dich von dieser „Logik“ zu befreien, wirst du bemerken, dass alles einfacher wird. Du wirst sehen, dass sich früher oder später Situationen aufklären. Du wirst dich selbst besser kennen lernen und wirst möglicherweise entdecken, dass dich Dinge aufgewühlt und beschäftigt haben, die es im Grunde genommen gar nicht wert sind.

Wenn du an diesem Punkt angelangt bist, bist du bestens darauf vorbereitet, Konflikte zu lösen. Du wirst deine Fähigkeit verbessern, Problemen, die wirklich schwerwiegend sind, genügend Beachtung zu schenken und du wirst Ausreden, die dich am Weiterkommen hindern, hinter dir lassen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Saltatempo

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