Lerne, deine Gefühle zu akzeptieren

· 29. Oktober 2015

„Die Weisheit besteht in der Kunst, das Unveränderbare zu akzeptieren, das Änderbare zu ändern, und vor allem den Unterschied dazwischen zu erkennen.“

„Sich um so etwas Sorgen zu machen, ist unnötig.“- „Das ist es doch nicht wert.“ – „Du hast gar keinen Grund, um traurig zu sein.“ – „Na komm, hör auf zu weinen.“ – „Du musst darüber hinweg kommen.“  Wie oft haben wir solche gut gemeinten Sätze schon gehört?

Uns wurden diese Ratschläge gegeben und auch wir selbst haben sie anderen gegeben. Man meint es damit ja nur gut. Aber was passiert, wenn wir diese dann wirklich anwenden möchten? Es funktioniert nicht. Es gelingt uns einfach nicht , die Quintessenz des Ganzen zu finden.

Leider folgen unsere Gefühle keinen Befehlen oder unserem Willen. Es reicht nicht, das, was wir fühlen, ändern zu wollen. Die Gefühle sind da und lassen sich nicht so einfach abstellen.

Außerdem kann es auch schnell passieren, dass sie uns frustrieren. Sich gut zu fühlen, wird zu einer Pflichtaufgabe, und wenn uns das nicht gelingt, fühlen wir uns noch schlechter als vorher- wir fühlen uns unfähig, schuldig, und wir glauben, dass jeder, außer uns, seine Gefühle im Griff hat.

Es ist nicht zu verleugnen, dass sich daraus ein Teufelskreis entwickelt, der uns immer weiter nach unten zieht. Je größer die Verpflichtung, sich gut zu fühlen und Dingen keine Beachtung zu schenken, desto größer wird unser seelischer Kampf und desto schlechter geht es uns am Ende des Tages.

Dem Teufelskreis entfliehen

Ein oft mit Einstein in Verbindung gebrachtes, aber ihm nicht wirklich nachgewiesenes Zitat lautet: „Wenn du andere Ergebnisse erwartest, dann mach etwas anders.“  Ob das Genie das nun der Autor dieser Weisheit war oder nicht … An diesem Satz ist auf jeden Fall etwas Wahres dran.

Wie können wir diesem Teufelskreis also entfliehen? Wir müssen unser Verhalten ändern. In diesem Fall könnten wir uns fragen, was passieren würde, wenn wir die Ratschläge befolgen würden, die wir am Anfang dieses Artikels gesehen haben.  Tatsächlich wurde dies bereits in Therapieverfahren der dritten Generation wie „Mindfulness“ oder „Akzeptanz und Kompromisse“ in die Tat umgesetzt.

Lasse deine Gefühle zu und akzeptiere sie

Anstatt gegen negative Gefühle anzukämpfen, sollten wir lernen, sie zu akzeptieren. Das soll nicht heißen, zu akzeptieren, dass sich diese niemals ändern werden, sondern eher zuzulassen, dass wir so empfinden wie wir empfinden. Ja, ich bin traurig. Ja, das ist wichtig für mich und es bereitet mir Sorgen.

Wir sollten unseren Gefühlen offen gegenüber stehen, ohne uns dabei selbst zu verurteilen – denn durch Urteile fühlen wir uns letztendlich immer schuldig. Und auch ohne ständig dagegen ankämpfen zu wollen, weil uns dieser Kampf Kraft raubt und uns auf die falsche Fährte lockt.

Deine Emotionen sind wertvoll

Es gibt weder gute noch schlechte Emotionen. Sämtliche Gefühle sind miteinander verbunden, und sie machen uns alle menschlich.  Und es ist menschlich, Höhen und Tiefen zu haben, verschiedene Gefühle zu durchleben, denn das ist der Lauf des Lebens und wir alle wissen bereits, wie ermüdend es doch ist, gegen den Strom zu schwimmen.

Denke daran, dass all deine Emotionen wertvoll sind. Fühle sie, ohne ihnen den Krieg zu erklären. Du wirst lernen, sie richtig zu interpretieren, sie zu verstehen (deine eigenen und auch die der anderen), sie so zu nehmen, wie sie sind. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass auch sie ihren eigenen „Kopf“ haben und dass sie irgendwann vorbeigehen und sie sich alle gegenseitig abwechseln.

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Probiere diese Technik auch bei anderen aus

Die Akzeptanz trägt nicht nur dazu bei, dir selbst zu helfen. Wenn sich jemand schlecht fühlt, dann probiere ebenfalls diese Technik aus. Versetze dich in seine Lage, steh ihm zur Seite, sei mitfühlend. Zeige Verständnis für den anderen und akzeptiere, dass auch seine Gefühle wertvoll sind.

Wenn dich dieser jemand um einen Ratschlag bittet, dann gib ihm einen Rat, ohne ihn aber dabei zu verurteilen. Die ratsuchende Person soll sich nicht missverstanden und verloren fühlen. Biete ihr an, für sie da zu sein, ein Ohr für sie zu haben oder auch einfach nur ihr Schweigen zu respektieren. Lebe die emotionale Erfahrung und lass sie deine Mitmenschen mit dir erkunden.

Was nicht tötet, härtet ab

Vergiss nicht, dass der Schmerz ein unvermeidbarer Teil des Lebens ist. Dass positive Erfahrungen Sinn machen, da wir ja auch schlechte Erfahrungen durchleben… Das Gegenteil zeigt uns die Bedeutung auf. Wie sollten wir denn sagen, dass wir uns zufrieden und glücklich fühlen, wenn wir niemals traurig waren?

Respektiere auch den eigenen Schmerz, den du durchlebst, so wie du ebenfalls den Schmerz anderer akzeptierst, und bestrafe dich nicht selbst damit, dir Pflichtaufgaben zu stellen. Du hast das Recht, dich auch Mal schlecht zu fühlen, zu weinen oder Situationen als schmerzhaft zu empfinden.

Gib nicht auf – der Schmerz geht vorbei

Deine Gefühle zu akzeptieren und zu respektieren bedeutet keinesfalls, dass du kampflos aufgibst. Es bedeutet, dass wir uns selbst Zeit und Raum geben, um Gefühle zuzulassen. Sobald wir unsere Gefühle besser verstehen, können wir entscheiden, ob es etwas gibt, das wir tun können, um die Situation zu verbessern.

Am Ende des Tages geht der Schmerz doch immer vorbei, positive Emotionen kehren ein. Und gerade aus diesem Grund ist es noch wichtiger, das Gelernte anzuwenden. Wir müssen unsere Gefühle deuten können, auf sie hören und sie bewusst wahrnehmen. Und so wissen wir besser als je zuvor, was es heißt, mit seinen Gefühlen im Reinen zu sein. Denn wenn wir uns gut und schlecht fühlen, ist das doch letztendlich das, was uns Menschen ausmacht.