Mindfulness, die Kunst im Hier und Jetzt zu leben

· 20. Januar 2016

Ist dir der Begriff Mindfulness geläufig? In den orientalischen Kulturen sind meditative Praktiken seit tausenden von Jahren Teil der Tagesordnung. Diese Disziplin, die sich an der Findung eines spirituellen Gleichgewichtes orientiert, hat in der westlichen Welt in den 70er Jahren Anklang gefunden.

Mindfulness, auch Achtsamkeit oder Geistesgegenwart genannt, ist eine praktische Form der Meditationdie im Bereich der Psychologie angewandt wird, um Stress, Angst und Depressionen zu bekämpfen.

Laufe nicht der Vergangenheit nach
und verliere dich nicht in der Zukunft.
Das Leben findet hier und jetzt statt.

Buddha

Worin besteht Mindfulness?

Um diese meditative Anwendung zu verstehen, müssen wir sie in den Kontext ihrer buddhistischen Wurzeln setzen. Im Großen und Ganzen sieht diese Philosophie das Leben als Zusammenspiel aus erfreulichen und unerfreulichen Empfindungen an. Sie lehrt, dass der Versuch, sich stets einem angenehmen Zustand zu erhalten, oder einen unangenehmen Zustand zu vermeiden, das ist, was unser Leid verursacht.

Demnach läge die Lösung für unseren Kummer im Versuch, unser Leben so zu nehmen, wie es kommt. Sowohl das Gute als auch das Schlechte zu akzeptieren, so, dass diese Akzeptanz uns von Spannungen befreit und uns somit einem Zustand der Ruhe näherbringt.

Um einen solchen Zustand zu erlangen, praktizieren östliche Kulturen verschiedene Formen der Meditation. Mindfulness ist eine Variante der Meditation, die sich im Orient eingegliedert hat, um Entspannungszustände zu fördern, und Angst, Stress und sogar Depressionen lösen zu können.

In der Praxis funktioniert dies durch Stille, Aufmerksamkeit, und Konzentration auf die Atmung, sowie durch die Akzeptanz jedes einzelnen aufkommenden Gefühls und Gedankens. Während wir still und konzentriert sind, können wir diese Gefühle und Gedanken mental vermerken, sie aber auch wieder gehen lassen ohne diesbezüglich zu handeln.

Versuche deine Gedanken nicht zu vertreiben.
Gib ihnen Raum, beobachte sie und lasse sie gehen.

Jon Kabat Zinn

Wie kann ich das in meinem alltäglichen Leben anwenden?

Während die striktere Anwendung des Mindfulness darin besteht, diese Atemübungen täglich 40 Minuten lang durchzuführen, gibt es eine einfachere Variante, unsere Geistesgegenwart in unserem alltäglichen Leben einzuüben, durch die wir ebenfalls psychologische Gewinne erzielen. Wir erklären dir das Ganze hier anhand eines Beispiels:

Stell dir vor zu frühstückst gerade. Gewöhnlicherweise denken wir hierbei an tausende von Dingen: an das, was uns auf der Arbeit erwartet, an unsere Einkaufsliste, an die Diskussion, die wir gestern mit unserem Partner hatten. Manchmal machen wir sogar zwei Dinge gleichzeitig: frühstücken und die Zeitung lesen oder Nachrichten auf dem Handy schreiben.

Um Mindfulness anzuwenden, müssen wir unsere gesamte Aufmerksamkeit dem widmen, was wir in der Gegenwart gerade tun, in diesem Falle, frühstücken. Dies kannst du tun, indem du folgende Anweisungen befolgst:

  • Entscheide dich, für diesen kurzen Zeitraum die Erfahrung des Frühstückens voll und ganz auszuleben, ohne jegliche Ablenkung.
  • Wenn du schon einmal allein bist, vor deinem Kaffee und deinem Toast (oder Tee, oder was auch immer du magst), werde dir deiner Gedanken, die du abgesehen von dem Akt des Frühstückens hast, bewusst. Sie werden mental abgespeichert und akzeptiert. Es geht nur darum, sich nicht in ihnen zu verlieren, sondern zum bewussten Frühstücken zurückzukehren.
  • Konzentriere dich auf die Erfahrung deiner Sinne, richte deine Aufmerksamkeit auf den Geschmack, auf die Konsistenz deines Essens, die Umgebungstemperatur, sogar auf deine Kopfschmerzen, wenn du welche hast. Aber urteile nicht. Das heißt, es geht nicht darum, darüber nachzudenken, ob es heiß ist oder nicht, sondern darum, sich der Realität, so wie sie unsere Sinne wahrnehmen, bewusst zu sein. Sei dir bewusst, ohne zu urteilen. Atme ruhig und langsam. 

Dies kann sich in jedem alltäglichen Lebensbereich anwenden lassen: Während du duschst, während du kochst, während du läufst.

Mit dieser Praktik wirst du fähig sein, deine ganze Aufmerksamkeit der Gegenwart zu widmen, in der es immer häufiger unangenehme Situationen gibt, die kein Urteil benötigen. Zum Beispiel in einem Stau oder im Wartezimmer beim Arzt.

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Was sind die Vorteile des mindfulness?

Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass die Anwendung der Achtsamkeit das Stress- und Angstniveau reduziert und hilft, Depressionen zu bekämpfen. 

Der Grund hierfür ist, dass ein Großteil der Ursachen dieser Leiden mit unserem Geist zu tun hat, der sich immer wieder an Vergangenem orientiert (wenn wir etwas bereuen, nostalgisch sind, oder denken „was wäre passiert, wenn…“ ), oder sich auf die Zukunft versteift (wenn wir uns um das, was kommt, Sorgen machen, oder eine hypothetische Zukunft herbeisehnen, und somit die Gegenwart herabwürdigen).

Mindfulness konzentriert sich darauf, unseren Geist zu trainieren in der Gegenwart zu bleiben. Denn dies wirkt sich darauf aus, weniger Reue, Frustration oder Erwartungen zu empfinden, die die drei Fundamente für Angst und Depression darstellen.

Die Zukunft beunruhigt uns,
die Vergangenheit hält uns fest,
deshalb entgeht uns die Gegenwart.

Gustave Flaubert

Wenn wir uns selbst trainieren um im Hier und Jetzt zu sein, nicht nur auf der positiven Seite (der Genuss des Toastgeschmacks), sondern auch auf der negativen (die unerträgliche Hitze des Sommers), dann entdecken wir einen Seelenfrieden, der schon immer in uns gesteckt hat und uns hilft, uns selbst mit den Hürden und Unbehaglichkeiten des Lebens zu konfrontieren. All dies geht von einem Ort des Friedens aus, der aus unserem Inneren kommt.